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Kreisverbandsvorsitzender Hermann Seeker zieht für die Landwirte Bilanz: »Die Stimmung ist sehr angespannt«

Agrarpreise brechen massiv ein 

Rahden/Altkreis Lübbecke (WB). Bald verabschiedet sich das Jahr 2014 und damit turbulente Monate für die Bauern. »Ungewöhnliche Witterungsbedingungen, schwierige, nervenaufreibende Ernte und niedrige Preise«, so blickt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Hermann Seeker zurück.

Kreisverbandsvorsitzender Hermann Seeker Foto:

Die Märkte für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse seien in Unordnung geraten, viele Landwirte kämen nicht mehr auf ihre Kosten. Zudem hätten die Bauern wieder mal erfahren, wie abhängig die Landwirtschaft vom Wetter ist. »Wir können das wärmste Jahr seit Wetteraufzeichnung vermelden«, sagt der Vorsitzende. Der Winter: eine Fehlanzeige, auch das Frühjahr war mild, mitten in der Getreideernte und zur Herbstbestellung folgte Regen.

Die früh gestartete Ernte gestaltete sich durch immer wiederkehrende, teilweise ergiebige Niederschläge zu einer Hängepartie. Das Getreide konnte teilweise nicht zum optimalen Zeitpunkt, oft nur mit höheren Feuchtegehalten, gedroschen werden. Zahlreiche Felder waren stark durchweicht und schwer befahrbar. Seeker: »In einigen Teilen des Kreises zog sich die Ernte bis in den September hin.« Die Ernte fiel regional sehr unterschiedlich aus. Während die einen mit einem blauen Auge davon gekommen sind, machten in anderen Teilen des Mühlenkreises wie in den Höhenlagen die widrigen Witterungsbedingungen den Landwirten zu schaffen. Gute Erträge, allerdings auch hier mit großer Spannbreite, können die Landwirte bei Kartoffeln, Mais, Rüben und Raps verzeichnen. Doch auch die Herbstaussaat sei durch Niederschläge teilweise schwierig gewesen, erklärt Seeker.

Eine Talfahrt erfuhren 2014 die Preise auf den Agrarmärkten in allen Bereichen. Nach zwei Jahren mit relativ stabilen Preisen und besserem Einkommen haben die heimischen Bauern wieder die Schwankungen nach unten erwischt. »Wir sprechen von massiven Einbrüchen auf breiter Front«, erklärt der Vorsitzende. Gründe hierfür seien die guten Ernten in mehreren Erzeugerländern sowie eine weltweit gute Versorgungslage. Seeker: »Weiter schlagen Schwäche-Tendenzen der globalen Konjunktur auch auf die Nahrungsmittel-Nachfrage durch.« Hinzu käme die Russlandkrise und der von Russland verhängte Importstopp für Nahrungsmittel. Hart trifft es die Acker-, Obst-, und Gemüsebauern, Milchviehhalter und Schweinemäster. Doch vor allem die Sauenhalter mussten einen wahren Preissturz hinnehmen, wie es ihn in dieser Heftigkeit in den vergangenen Jahren nicht gab. »Die Schweinebauern geben täglich Geld bei ihren Ferkeln dazu«, unterstreicht der Vorsitzende.

Sorgen bereiten die immer mehr werdenden politischen Herausforderungen. So beklagt der Vorsitzende zum Beispiel das »enge Korsett«, das den Landwirten durch das so genannte Greening im Rahmen der Europäischen Agrarreform und die Düngeverordnung angelegt werde. »Insgesamt ist die Lage angespannt und es gibt große Zukunftssorgen«, verdeutlicht der Vorsitzende. Weiter befindet sich der Milchmarkt im Umbruch: Am 31. März 2015 endet die Quotenregelung nach 31 Jahren staatlicher Mengenregulierung. »Für die Milchbauern ist dies ein denkwürdiger Termin«, bekräftigt Seeker. An den Lebensmitteleinzelhandel appelliert der Berufsstand, nicht jede globale Milchpreissenkung auf den deutschen Markt zu übertragen, da die heimischen Milchbauern für ihre sehr hohen Standards auch ihren Preis haben müssten.

Das Jahr brachte auch Positives: »In diesem Jahr haben wir die Initiative Tierwohl auf dem Weg gebracht, so dass sie ab dem Frühjahr 2015 beginnen kann.« In Sachen Landwirtschaft und Transparenz laufe derzeit ein Kinospot mit echten Bauern aus der Region in vielen Kinos. »Wir wollen Vertrauen zwischen Verbrauchern und Bauern stärken«, erklärt Seeker. Auch die neue Internetseite www.saugut-informiert.de biete vieles rund um die heimische Landwirtschaft und ihre Bauern. Im nächsten Jahr werde zudem eine Plakatserie mit jungen Landwirten starten. »Ebenso freuen wir uns über das große Interesse vieler Menschen an unseren grünem Berufszweig. »Sowohl Schulklassen als auch Gruppen von Erwachsenen haben unsere Höfe besucht«, berichtet der Vorsitzende.

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