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Wirtin Ingrid Geldmeyer schließt Lokal in Arrenkamp – Anfänge im Jahr 1890

Aus Gaststätte werden Wohnungen

Stemwede (WB). Es ist zwar nie ein Lokal gewesen, das große Gästezahlen beherbergen konnte. Aber bei Geldmeyers in Arrenkamp fühlten sich die Stemweder immer wohl: Gemütlichkeit und Gastlichkeit waren dort seit fast 130 Jahren Trumpf.

Dieter Wehbrink

Ingrid Geldmeyer vor ihrer ehemaligen traditionsreichen Gaststätte in Arrenkamp. Handwerker bauen das Haus bereits für Mietwohnungen um. Dort wird Ingrid Geldmeyer nach der Fertigstellung auch wieder einziehen. Foto: Dieter Wehbrink

Großen Anteil daran hatte zuletzt auch die Wirtin Ingrid Geldmeyer (64). Doch sie musste das Lokal jetzt aus Altersgründen schließen. Zum Glück wird es in dem Gebäude an der Stemwederberg-Straße keinen Leerstand geben: Ingrid Geldmeyer lässt es zu Wohnungen umbauen. »Die Schließung ist mir nicht leicht gefallen«, sagt die Arrenkamperin, die nach dem Komplettumbau wieder in die ehemalige Gaststätte ziehen will. »Meine Kinder wollten das Lokal nicht weiterführen. Sie haben sich anders orientiert und überredeten mich zum Umbau. Hinzu kam, dass ich vor zwei Jahren sehr krank war.«

Pony steht in der Gaststube

Ingrid Geldmeyer erinnert sich an viele schöne Tage als Wirtin – an die einkehrenden Fußballer des TuS Stemwede, an die Theken-Mannschaft, an Vereinssitzungen, an die sonntäglichen Frühschoppen oder an die Mau-Mau-Runde, die es heute noch gibt.

Unvergessen bleibt der Spaß, als Stemweder Besucher des Brockumer Marktes quer über den Stemweder Berg zurück wanderten und einkehrten. Sie hatten ein Pony auf dem Viehmarkt gekauft, das sie stolz in den Schankraum zogen. Damals in der Truppe mit dabei: Pastor Michael Welters und Kinderhaus-Chef Lothar Pannen. Die »Brockum-Runde« marschiert heute übrigens immer noch regelmäßig über den Berg.

Diese Zeitung wollte wissen, ob es im Gasthaus auch mal Probleme mit angetrunkenen Gästen gab. »Nein, Gott sei dank bei uns nie«, sagt Ingrid Geldmeyer.

Spannend ist ein Blick in die Historie des Arrenkamper Gasthauses. Heimatfreundin Lucie Brandt schrieb als Mitautorin in dem Buch »So war es in Arrenkamp«, dass die Bäckerei, Gastwirtschaft und Kolonialwarenhandlung Geldmeyer, »genannt Wellmann, Arrenkamp Nr. 33«, ihre Anfänge im Jahr 1890 hatte. Damals kaufte der Haldemer Heinrich Geldmeyer das heutige Grundstück, etwa einen Hektar groß, vom Hof Eickhoff Nr. 5.

Durch Hintereingang ins Haus

1890 war auch das Jahr der Eheschließung zwischen dem Bäckermeister Heinrich Geldmeyer und Liesette Hohlt aus Arrenkamp. Der Maurermeister Quebe aus Haldem baute Geldmeyers Wohnhaus und den landwirtschaftlichen Trakt. Im Keller entstand eine Bäckerei. Es wurde zunächst nur Brot gebacken und verkauft. Die Kunden kamen und gingen durch den Hintereingang in das Haus.

Wenige Jahre später wurden eine Gastwirtschaft und ein Kolonialwarengeschäft eingerichtet. Deshalb entstand der Eingang zur Straßenseite. Um 1900 wurde eine Poststation bei Geldmeyers eingerichtet – mit Schreibpult, später auch mit Telefon. Diese Station blieb über Jahrzehnte bestehen. Auch der spätere Wirt Heinz Geldmeyer betrieb sie noch bis zur Auflösung am 31. Januar 1961.

Hirnhautenzündung

Der 1895 geborene Sohn des Gründer-Ehepaares, Wilhelm, wollte Lehrer werden und befand sich bereits in der Ausbildung in Petershagen. Er stieg nach dem frühen Tod des Vaters in die elterliche Bäckerei ein. Nach einer einjährigen Bäcker-Kurzlehre in Lemförde erhielt er eine Sondergenehmigung. Wilhelm Geldmeyer überlebte als Soldat den Ersten Weltkrieg und heiratete 1921 Marie Hellmich. 1922 gab er aus gesundheitlichen Gründen den Bäcker-Beruf auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder Soldat, dann bei der Polizei dienstverpflichtet. Er starb 1944 an Hirnhautenzündung.

Männliche Erben starben jung

Marie Geldmeyer betrieb in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit weiblichen Hilfskräften die Gastwirtschaft und das Kolonialwarengeschäft weiter. »Durch ihren Fleiß und ihre Fröhlichkeit gelang es ihr, das Geschäft, die Gaststätte und auch die kleine Landwirtschaft weiter zu führen«, schreibt Lucie Brandt.

1948 übernahm der 1923 geborene Sohn Heinz der Eheleute Marie und Wilhelm Geldmeyer den Betrieb. 1976 wurde der Kolonialwarenladen aufgegeben – nur die Gaststätte lief weiter. 1986 übergab Heinz Geldmeyer die Leitung der Gaststätte an seine Tochter Ingrid.

»Als schicksalhaft muss man bezeichnen, dass zwischen 1910 und 1986 drei männliche Erben der Familie Geldmeyer verhältnismäßig jung verstarben«, schreibt Lucie Brandt.

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