1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Stemwede
  6. >
  7. Baumkontrolleur mit feiner Spürnase

  8. >

Benno aus Hunteburg ist als Gehölzpathogenspürhund auch in Stemwede im Einsatz

Baumkontrolleur mit feiner Spürnase

Stemwede/Hunteburg

„Benno komm hoch, spring an den Baum“: Diese Anordnung kennt Benno ganz genau, denn er ist seit Oktober ausgebildeter und zertifizierter Gehölzpathogenspürhund – ein Baumkontrolleur mit Spürnase.

Gertrud Premke

Benno folgt den Kommandos von Stefan Meyerrose spontan. Mehrere Male springt er gegen den Baumstamm und schaut gezielt in die Krone. Stefan Meyerrose aus Hunteburg ist Experte für Baumpflege und setzt den zweijährigen Australian Shepherd zum Aufspüren von Schädlingen und für weitere Aufgaben nach Bedarf als Diensthund ein. Dabei war der Vierbeiner auch schon mehrfach in Stemwede unterwegs.

„Die Ausbildung war sehr umfangreich und begann mit einer zweiwöchigen Grundausbildung in einer Hundeschule in Bergen an der Dumme im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Hier wurde bereits vor dem Start differenziert, ob Benno sich überhaupt als Pathogenspürhund eignet, denn eine angeborene Bereitschaft, eng mit dem Hundeführer zu arbeiten, ist die Grundvoraussetzung“, sagt Meyerrose.

Außerdem müsse der vierbeinige Anwärter einen ausgeglichenen Charakter haben. Gute Impulskontrolle und Frustrationstoleranz seien ebenfalls wichtig, da die Unterscheidung der Gerüche hohe Konzentration erfordere und nicht jede Rasse das nötige Maß erkennen lasse.

Doch bevor der Hund zum Schnüffeln an den Baum geht, um später für das Aufspüren unsichtbarer Baumschädlinge wie holzzersetzende Pilzen und das Auffinden von Habitaten geschützter Arten – zum Beispiel unter Naturschutz stehende Fledermäuse, Käfer oder Amphibien – eingesetzt werden zu können, steht ein umfangreiches Training der Geruchsdifferenzierung an.

Während der Grundausbildung musste Benno als Flächenprüfung auf zwei Hektar einen Schwefelporling, eine Pilzart, erkennen sowie den Geruch von Feldmäusen aufspüren oder E-Zigaretten ausfindig machen. Auf der Freisuche in einem einen Hektar großen Waldgebiet wurde der Australian Shepherd dann auf die Geruchsprobe gestellt. In dieser wiederum anderen Umgebung musste er Zahnpasta erschnüffeln.

Der Grundausbildung schlossen sich mehrere Wochenenden weiterer gezielter Ausbildung und vielseitigen Trainings an verschiedenen Orten an. Dabei lernte der Hund, Gerüche des Alltags wie Kaffee, Tee oder Küchenkräuter in diversen Gläsern zu unterscheiden. Nach dem Gläschen-Training konnte Benno Gerüche fehlerlos unterscheiden.

Eine weitere Ausbildungsstufe ist das Erkennen spezieller Baumpilze im Artenschutz. „Anders als bei prägend ausgebildeten Drogenspürhunden, die auf einen bestimmten Geruch trainiert sind, braucht Benno für seine Arbeit einen spezifischen Geruch, damit er weiß, wonach er suchen soll“, schildert Stefan Meyerrose den breit gefächerten Ausbildungsverlauf.

„Langnasige Hunde verfügen über etwa 170 Quadratzentimeter Nasenfläche. Im Gegensatz dazu hat ein Mensch gerade einmal zehn Quadratzentimeter. Ein Hund besitzt 125 bis 220 Millionen Riechzellen, der Mensch dagegen nur etwa 5 Millionen. Einen so gut ausgebildeten Hund als Teamkollegen zu haben, das ist schon enorm leistungssteigernd,“ bemerkt der Hundeführer.

Aber wofür werden Pathogenspürhunde nun tatsächlich gezielt eingesetzt?

„In erster Linie geschieht das im Artenschutz, etwa bei der Rettung von Fledermäusen in Windparks. Der Hund hilft zudem beim Schlagopfermonitoring oder bei der Befreiung von Fledertieren in Abbruchgebäuden. Dazu ist eine Ausnahmegenehmigung zur Inbesitznahme von toten geschützten Tieren erforderlich – damit mit verschiedenen toten Fledermausarten trainiert werden kann,“ betont Meyerrose.

Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Entomologen, Büros für Ökologie und Landschaftsplanung sowie Fledermausregionalbeauftragten habe mittlerweile eine kleine Sammlung von Geruchsartikeln geschützter Arten angelegt werden können.

Weitere Aufgaben von Spürhund Benno sind das Erkennen von Pilzbefall an Bäumen in Parkanlagen und Alleen sowie die Gesunderhaltung wertvoller Solitär-und Habitatbäume (Biotopbäume) bei der regulären Baumkontrolle.

Auch Zoll und Einlassstellen setzen Spürhunde ein, um in importierten Holzlieferungen, Pflanzengut oder Paletten Schädlinge aufzuspüren. Ebenso greift der Pflanzenschutzdienst bei der Suche nach Kiefernholznematoden, die Kiefernwelke verursachen, auf Spürhunde zurück. Das Borkenkäfermonitoring im Forst und die Suche nach der Amerikanischen Faulbrut bei Bienen sind zusätzliche Einsatzgebiete.

Demnächst soll Bennos Ausbildung erweitert werden: Dann kommt er als ALB-Spürhund zum Einsatz. Diese speziell ausgebildeten Vierbeiner sind wichtige Helfer im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB), der aus China oder Korea über Holzpaletten oder durch Steinimporte eingeschleppt wird. Er gehört weltweit zu den am meisten gefürchteten Gehölzschädlingen und sein Erscheinen ist meldepflichtig. Allerdings ist er nicht – wie im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner – für Mensch und Tier brandgefährlich. Beim Ausspüren des Eichenprozessionsspinners wird Benno wegen der übrigens nicht eingesetzt – das wäre zu gefährlich für den Hund.

Startseite
ANZEIGE