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Feuerwehren in Rahden und Stemwede im Dauereinsatz – mit Video

»Bis zur Erschöpfung...«

Rahden/Stemwede(WB). Fast 40 Grad im Schatten und dazu liegen die Nerven blank. Kein Wunder, wenn auch unter Feuerwehrleuten schon das eine oder andere ruppige Wort auftaucht. Kaum ist der eine Flächenbrand fast gelöscht, taucht am Horizont die nächste Rauchwolke auf.

Michael Nichau

Große Hilfe: Mit einem Güllefass wurde es möglich, auch die Baumreihe am »Brambruch« in Tonnenheide mit zu löschen. Foto: Nichau

Es geht weiter, auch für den Berichterstatter, der mit den Fotos kaum hinterherkommt. »Wir sind hier schon fertig«, lautet dann der übliche Kommentar der Feuerwehr-

Kameraden am Einsatzort. Doch nicht nur sie sind vor Ort: Auch Landwirte wollen Hilfe leisten, besonders für die Berufskollegen, die gerade ihre Ernte verlieren.

Riesige Flächen kaputt

In der Tat: Riesige Flächen an Getreide werden durch die Brände vernichtet. Los ging es in Wehe mit sieben Hektar der Familie der Landtagsabgeordneten Bianca Winkelmann. »Da konnte man selbst nicht mehr löschen«, zog sie später Bilanz. Benachbarte Landwirte hätten mit Güllefass für Wasser gesorgt. Beunruhigend sei die Zahl der Schaulustigen an dem schmalen Wirtschaftsweg gewesen. Diese hätten zum Teil die Arbeit der Wehrleute behindert.

Das ist aber nur ein Beispiel für solche Brände. Meist wurden sie am Donnerstag von Mähdreschern der Lohnunternehmer hervorgerufen. »Da braucht nur ein Stein in die Maschinen geraten. Dann kommt es zum Funkenflug und bei der Trockenheit . . .«

Nicht mehr gezählt

In Stemwede zählte Wehrführer Joachim Lübke schon gar nicht mehr mit. Am Horizont tauchte dann die große Wolke über Tonnenheide auf. »Da hat es Vollalarm für die Wehr gegeben.« An dieser Stelle kann man den Schaden noch gar nicht bemessen. An der Straße Brambruch stand außer dem weitläufigen Getreidefeld plötzlich eine Baumreihe mit in Flammen. Das Feuer griff auf die andere Straßenseite über.

Landwirte helfen mit

Auch hier: Landwirte mit Traktoren und Grubbern, die versuchten, Schneisen in die Getreidebestände zu ziehen – oft auch ohne Erfolg. Sinnvoller war da schon der Einsatz eines Lohnunternehmers: Er rückte gleich mit einem Güllefass mit 30.000 Liter an. Damit wurde dann auch noch die Baumreihe nachgelöscht.

»Bleiben wir doch gleich da«, meinte einer der Brandbekämpfer. Solange die Mähdrescher fahren, könne es gleich wieder von vorn los gehen. »Aber wir können doch keinem verbieten, seine Ernte einzubringen«, sagten viele der Kameraden, die selbst in der Landwirtschaft tätig sind.

Kein Wasser mehr

Als dann auch noch die Batterie des Mannschaftsfahrzeuges den Geist aufgibt, sinkt die Stimmung. Denn dieses »Wasserfahrzeug« ist am Einsatzort wichtig. Es versorgt die Einsatzkräfte, die unter ihrer Schutzkleidung wahre Schufterei vollbringen, schwere Schläuche aus- und einrollen. Und dann: Gleich weiter zur nächsten Einsatzstelle. Gezählt hat sie der Verfasser dieses Textes am Ende des heißen Nachmittages auch nicht mehr. Kommt auch nicht drauf an: Hier leistet die Feuerwehr Enormes und das muss gewürdigt werden. Menschen oder Gebäude waren Mittwoch und Donnerstag nicht in Gefahr.

Eine tolle Geste der Hilfsbereitschaft zeigten Mitglieder des zweiten Zuges der Stemweder Feuerwehr: Sie hätten sowieso Urlaub und am Tag schon Einsätze absolviert. So fanden sich die Besatzungen von zwei Einsatzfahrzeugen bereit, auch noch Stunden am Gerätehaus in Sundern zu verbringen. Dort waren also zwei Fahrzeuge bis in die Abendstunden sofort einsatzfähig. »Das mussten die Jungs ja auch nicht tun«, lobte Wehrchef Lübke.

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