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Pferdefreunde zeigen in Levern die Feldarbeit – Altbauer macht ein Späßchen

»Christian« lässt die Muskeln spielen

Stemwede (WB). Wer das Leverner Altmaschinen-Treffen besucht hat, weiß um den Trubel auf dem Gelände: überall laut knatternde und dampfende Alt-Traktoren, Stimmen aus Lautsprechern und das spektakuläre Wettzieh-Spektakel der getunten, röhrenden Kraftprotz-Trecker.

Dieter Wehbrink

Der braune Rheinisch-Deutsche Kaltblutwallach zieht den Pflug auf dem Stoppelfeld, mit dem Carsten Stillig aus Levern eine gerade Furche zieht. Pferd und Besitzer sind ein total eingespieltes Team. Sie haben beim Altmaschinentreffen in Levern viel Aufmerksamkeit erregt. Foto: Dieter Wehbrink

Doch exakt mittendrin in dieser Geräuschkulisse entdeckten die Zuschauer drei völlig tiefenentspannte Kaltblutpferde, die sich selbst durch noch so heftige Show-Einlagen nicht aus der Ruhe bringen ließen. Im Gegenteil: »Anton« und »Lotte«, die beiden schwergewichtigen Kumpel von Egon Verst aus Gronau, waren derart gelassen, dass ihre Unterlippe leicht herunter hing. Das ist bei Pferden ein untrügliches Zeichen für größte Entspanntheit: Die beiden Füchse waren trotz des Lärms kurz vor dem Einschlafen.

»Interessengemeinschaft Arbeitspferd«

Etwas aufmerksamer, aber trotzdem unaufgeregt, schaute indes »Christian« drein, der braune Kaltblutwallach, den Carsten Stillig aus Levern mitgebracht hatte. Beide Pferdebesitzer boten den Besuchern ein tolles Schauspiel, denn sie zeigten mit den drei Rheinisch-Deutschen Kaltblütern, wie in früheren Zeiten die Felder mit dem Pferdegespann gepflügt wurden.

Verst und Stillig betreiben das Ackern mit Pferden als Hobby. Es dient überwiegend zu Schauzwecken. Beide gehören der »Interessengemeinschaft Arbeitspferd« an – einem Verein, der vornehmlich im Raum der Grafschaft Bentheim tätig ist, obgleich seine Mitglieder auch aus Ostfriesland und Nordrhein-Westfalen stammen.

Schnurgerade Furchen

Carsten Stillig, von Beruf Maschinenbau-Ingenieur bei ZF Friedrichshafen in Dielingen, kommt ursprünglich zwar auch aus Gronau, lebt aber schon seit 20 Jahren im Westerholtweg in Levern. Bei der Arbeit mit »Christian« entspannt er sich vom Stress – und stößt damit bei seinen Zuschauern auf Begeisterung. Wenn »Christian« auf leise Kommandos der Stimme und der Leinen die Muskeln anspannt und den alten Schälpflug kraftvoll über das staubige Stoppelfeld zieht, ahnt man, wie viel Kraft in so einem Kaltblüter steckt.

Trotzdem lässt sich der Wallach problemlos »bedienen«, pflügt mit Carsten Stillig – er muss hinter dem Pflug aus den 40er Jahren herlaufen – schnurgerade Furchen. Zu Fuß muss der Leverner nach getaner Arbeit übrigens nicht laufen: Er schwingt sich – so wie jetzt beim Altmaschinentreffen – einfach auf den Rücken des Braunen, der auch als Reitpferd immer entspannt ist.

Harte körperliche Arbeit

Bei der Leverner Großveranstaltung beantworteten Carsten Stillig und Egon Verst gern viele Fragen zu ihrem Hobby, während sich die drei Pferde seelenruhig von Kindern und Erwachsenen streicheln ließen. »Da kommt bei mir so manche Erinnerung auf«, sinnierte ein älterer Stemweder Landwirt mit Wehmut in der Stimme. »Das Arbeiten mit Pferden, so wie hier das Schälen des abgeernteten Getreidefeldes, musste ich schon als Jugendlicher erledigen. Das war harte körperliche Arbeit. Es ging den ganzen Tag lang hinter den Pferden her. Das würde heute niemand mehr ungeübt aushalten«, sagte der Alt-Landwirt. A

us Spaß erzählte er jüngeren Umherstehenden: »Unsere Generation war ja damals körperlich belastbar. Wir liefen den ganzen Tag lang auf dem Acker hinter dem Pferd her, gingen abends zu Fuß fünf Kilometer zur Gaststätte und tanzten die ganze Nacht durch . . .«

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