1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Stemwede
  6. >
  7. Die Not ist groß: kaum Futter für die Tiere

  8. >

Verzweiflung macht sich breit: Corona-Krise trifft Zirkus Frankally in Lemförde mit Wucht

Die Not ist groß: kaum Futter für die Tiere

Lemförde

„Manege frei!“ Strahlende Gesichter – Spaß und turbulente Unterhaltung pur. So zeigte sich der Zirkus Frankally.

Heidrun Mühlke

Zirkusdirektor Harry Frank und seine Familie sind für die Versorgung ihrer Tiere – darunter fünf Ponys – auf Futterspenden angewiesen. Foto: Heidrun Mühlke

Doch damit ist es schon seit fast einem Jahr vorbei und noch immer sind es düstere Zeiten für die Zirkusfamilie.

Die ursprünglich geplante Tournee ist coronabedingt ins Wasser gefallen. Als das Virus Deutschland erreichte, wurde dem Vorhaben ein jähes Ende gesetzt. Der Zirkus sitzt fest. Seit März des zurückliegenden Jahres hat die Familie ihr Lager in Lemförde aufgeschlagen. Zirkus-Unternehmen leiden derzeit bundesweit.

Die Krise habe sie sehr schwer getroffen, sagt Zirkusdirektor Harry Frank. Für den 45-Jährigen, seine Frau Katrin sowie die drei Kinder Marcella (23), Marcello (20) und Gianni (17) sind seit knapp einem Jahr keine Vorstellungen mehr möglich – und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. „Eine Katastrophe“, sagt Frank verzweifelt. Er weiß nicht, wie es langfristig weitergehen soll. Auf eine solche Krise waren sie nicht vorbereitet.

„Unser kleines Familienunternehmen besteht aus Artisten, Musikern und natürlich den Tieren“, erzählt der Direktor. Der Zirkus würde bereits in der siebten Generation bestehen. „Wir sind richtige Zirkusleute und mit Herz und Seele dabei“, sagt er. Sie seien mit dem Zirkus groß geworden und versuchten nun, die schwierige Situation zu meistern.

Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen hat Harry Frank bei vereinzelten Auftritten als Drei-Mann-Kapelle und mit Gelegenheitsjobs wenigstens ein bisschen hinzuverdienen können. Aber mit dem neuen Lockdown falle auch diese Möglichkeit weg. „Ob und wann das Corona-Hilfspaket der Bundesregierung uns erreicht, steht in den Sternen“, sagt Frank. „Wir sind auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Es geht wirklich ums Überleben.“

Er und seine Familie bekämen finanzielle Hilfe vom Jobcenter für den Lebensunterhalt, aber die beiden Dromedare „Samir“ und „Massai“ sowie die fünf Ponys (Holländische Mini-Friesen) Ringo, Cheehtan, Zorro, Amigo und Gustav müssten versorgt werden. „Wir bekommen zwar einige Futterspenden, etwa Brot und Brötchen oder Möhren, aber das reicht bei weitem nicht aus“, sagt Frank. Wenn man zuschaut, wie schnell die Dromedare die Brote wegmümmeln, ist sofort klar, wovon er spricht.

Für die Tiere – neben den Ponys und Dromedaren gibt es noch den Mischlingsrüden „Aaron“ und ein Kaninchen – kommen aber auch Kosten für den Tierarzt oder Hufschmied hinzu. „Wir haben Glück, manchmal bekommen wir die Impfungen kostenlos und auch der Hufschmied verlangt kein Geld für seine Arbeit“, freut sich Frank. Hinzu kämen die Unterhaltung des Fuhrparks, Kosten für Heizöl und Gas.

Nun wächst auch noch die Sorge vor einem starken Wintereinbruch mit Schnee und Frost. Nicht nur, dass Schnee und Feuchtigkeit die Zeltplanen zerfressen würden – im aufgeweichten nassen Boden würden die Eisenpflöcke nicht mehr halten und die Zelte könnten einem Sturm nicht mehr standhalten. „Es ist ein Desaster“, sagt Frank niedergeschlagen.

Bislang sei die Suche nach einem Winterquartier, wo der Wanderzirkus mit seinen Tieren und dem Fuhrpark eine Bleibe finden kann, erfolglos geblieben. „Wir bräuchten dringend ein leeres Grundstück für die Fahrzeuge und vor allen Dingen einen Stall für unsere Tiere. Vielleicht gibt es in der Umgebung einen verlassenen Hof oder ein Betriebsgelände, wo wir unterkommen könnten“, hofft Frank, der gerne ein entsprechendes Areal anmieten würde.

„Falls jemand weiß, wo wir eine trockene Bleibe finden könnten, wäre uns sehr geholfen“, hat Frank noch einen Funken Zuversicht. Seine Tiere irgendwo an einem anderen Ort unterzustellen, sei für ihn keine Option. „Die Tiere und wir gehören zusammen. Sie brauchen den Kontakt mit uns und müssen auch regelmäßig bewegt werden“, erklärt der Zirkuschef.

Er und seine Familie seien sehr dankbar, dass sie bislang den Platz an der Unteren Bergstraße am Ortsausgang von Lemförde kostenlos nutzen durften. „Wir sind auch den Menschen so dankbar für jede Futterspende, Gutscheine für Lebensmittel, aber auch Heizöl oder Gas“, sagt Frank. „Falls sich jemand finden würde, der sich fachmännisch um den Fuhrpark kümmern könnte, wäre das fast ein Traum. Mäuse haben Kabel zerbissen. Wir haben es zunächst notdürftig repariert, so dass der Lastwagen erstmal wieder läuft.“

Wer helfen möchte, kann sich bei der Familie Frank direkt auf dem Stellplatz an der Ecke Untere Bergstraße/Hauptstraße in Lemförde melden oder Harry Frank unter der Rufnummer 0176/81012514 erreichen.

Startseite