1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Stemwede
  6. >
  7. »Ein Segen für die Landwirte«

  8. >

Betriebshelfer bewältigen Notsituationen – Michael Heier berichtet (mit Kommentar)

»Ein Segen für die Landwirte«

Stemwede (WB). Eine Notlage – auch in einem Landwirtschaftlichen Betrieb – kommt immer unverhofft. In Familienbetrieben wird aber jede freie Hand benötigt. Fällt eine Arbeitskraft aus, kann das bereits den laufenden Betrieb lahmlegen.

Michael Nichau

Betriebshelfer Michael Heier (links), die gute Seele vieler Landwirtsfamilien, im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede, Joachim Schmedt. Mit dem Radlader und seinem Vorbau kann Stroh staubfrei in Viehställe gestreut werden. Foto: Nichau

Im schlimmsten Fall trifft es den Landwirt oder die Landwirtin selbst. Wenn Krankheit und Tod oder ein freudiges Ereignis wie die Geburt eines Kindes den Betrieb gefährden, ist schnelle und kompetente Hilfe gefragt. Dann kommt etwa Michael Heier auf den Hof. Der 54-Jährige ist gelernter Landwirt und arbeitet seit mittlerweile 35 Jahren als Betriebshelfer für den in den 60er Jahren gegründeten Betriebshilfsdienst. Es handelt sich um einen selbstständigen Verein, der dem heimischen Bereich der Maschinenring-Organisation angegliedert ist.

Sitz der hiesigen Geschäftsstelle ist seit einer Fusion der Hilfsdienste in Herford.

Selbst mal einen Hof bewirtschaftet

Michael Heier ist Spezialist: Er kann so gut wie jedes landwirtschaftliche Fahrzeug und Werkzeug bedienen und so in den ganz unterschiedlich gearteten Betrieben aushelfen, wenn jemand aus der Landwirts-Familie ausfällt. Früher hat der Oppenweher den gepachteten Meierhof in Sundern bewirtschaftet und nebenher beim Betriebshilfsdienst gearbeitet. Nachdem der Hof vor vielen Jahren abbrannte, gab die Familie die Pachtung auf. Heute hält Heier hobbymäßig Pferde.

Auch auf dem Hof von Joachim Schmedt, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Stemwede, hat Heier schon geholfen. Und Schmedt lobt ihn und seine Kollegen (etwa Almut Kolbus und Margret Kummer aus Rahden sind seit 25 Jahren dabei) in höchsten Tönen: »Das ist ein wahrer Segen, dass es diese Einrichtung gibt«, sagt er.

Auch Büroarbeit ist zu erledigen

»Die Betriebshelfer sind heute echte Spezialisten. Denn die Arbeit der Landwirte hat sich weiterentwickelt. Da kommt der Betriebshelfer – etwa wenn der Landwirt im Krankenhaus liegt – und muss sich in ganz neue Abläufe und technische Dinge hineinarbeiten«, erläutert er.

»Es sind nicht nur die technischen Dinge«, meint Michael Heier. »Ich als Betriebshelfer muss mich auch mit Büroarbeit, Dokumentation und Planung auseinandersetzen«, erläutert er. »Wir gehen nicht einfach zur Arbeit hin. Alles muss auch geplant werden. Ich denke immer zwei bis drei Tage im Voraus.«

»Es geht etwa nicht nur darum, vertretungsweise die Tiere zu füttern oder Heu zu machen, die Ernte einzufahren«, ergänzt Joachim Schmedt. »Der Betriebshelfer muss die Tiere auch begutachten, etwa ob sie gesund oder verkaufsfähig sind und auch derartige Geschäfte zum Wohl des betreuten Landwirts ausführen, wenn es nötig ist.«

»Auch ein bisschen Seelsorger«

»Es sind auch menschliche Dinge zu berücksichtigen, besonders, wenn es in der Familie einen Todesfall gegeben hat. Dann bin ich ein bisschen auch Seelsorger«, sagt Heier, dessen BHD-Verein die Bereiche Herford, Lippe, Minden-Lübbecke und auch Teile Niedersachsens betreut.

Dabei sind es nicht nur die Helfer in der Landwirtschaft, die auf Abruf bereit stehen, wenn Not herrscht. Auch im Haushalt wird oft Hilfe benötigt. Und auch dafür gibt es Spezialistinnen.

»Auch Nicht-Landwirten steht im Krankheitsfall eine Haushaltshilfe zu. Auch dafür sorgt der Verein, rechnet in der Regel mit den Krankenkassen direkt ab«, sagt Heier. Viele Landwirte sind Mitglied im Verein, zahlen Beiträge und profitieren dann natürlich auch davon, können etwa auch eine Kurvertretung in Anspruch nehmen.

»Betriebshilfe ist aber immer nur eine Übergangslösung«, betont Joachim Schmedt. Die Betroffenen müssten dann eine langfristige Lösung finden. »Und: Es kann auch nicht sein, dass ein Landwirt absichtlich eine Baumaßnahme für den Betriebshelfer übrig lässt«, betont Schmedt. Natürlich würde auch so eine Aufgabe – im tatsächlichen Notfall – von dem Helfer koordiniert.

»Der Betrieb muss am Laufen gehalten werden. Das ist das Ziel«, sagt auch Michael Heier. Dazu betreut ein Betriebshelfer in der Regel auch nur einen Hof. »Landwirte leben mit der Natur. Deswegen geht nicht immer alles nach ›Schema F‹‹, sagt Heier. Und der Arbeitstag könne schon mal länger dauern.

»Es deutet sich Nachwuchsmangel an«

Er betont aber, wie gut es für ihn sei, immer am Stand der Technik dranzubleiben. Daher könnten die Betriebshelfer im Einzelfall auch gute Ratschläge geben. »Ich habe 35 Jahre von der Tätigkeit profitiert und kann jungen Landwirten nur den Tipp geben, sich ebenfalls im Betriebshilfsdienst zu engagieren – auch für eine gewisse Zeit. Die Erfahrungen sind sehr wertvoll«, sagt Michael Heier und spricht damit ein Problem an: Es deute sich ein Nachwuchsmangel im BHD an.

»Wer als junger Mensch in die Landwirtschaft möchte, kann über diese Schiene einen sehr guten Einsteig in die Praxis erhalten. Die Vielfalt der betreuten Betriebe bietet eine gute Entscheidungshilfe«, sagt auch Joachim Schmedt.

Dazu ein Kommentar von Michael Nichau

Auch Landwirte oder deren Frauen brauchen einmal eine Auszeit. Sei es für eine Kur, bei einer Krankheit oder schlimmstenfalls, wenn der Tod ein Familienmitglied ereilt. Hilfe gibt es dann – auch kurzfristig – von den Betriebshelfern, organisiert in einem eigenen Verein.

Dass Helfer zur Verfügung stehen, ist ein großes Glück für die Landwirte, wenn sie in derartige Not geraten. Und: Auch die Frau im Haus kann mal ausfallen. Sogar für diesen Fall ist mit Hauswirtschafts-kundigem Personal gesorgt.

Alle Helferinnen und Helfer sind angestellt und agieren somit nicht im rechtsfreien Raum. Sie arbeiten hart, oft mehr als acht Stunden am Tag. Absolute Expertinnen und Experten, wenn es darum gehen muss, den landwirtschaftlichen Betriebsleiter zu ersetzen.

Natürlich muss die Hilfe auch ein Ende haben. Zeitlich begrenzt stehen die Betriebshelfer zur Verfügung. Danach muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Das ist verständlich.

Die Mitgliedschaft im Verein und der damit verbundene Beitrag lohnt sich für die Landwirte in jedem Fall: Ihnen wird vorrangig geholfen.

Michael Nichau

Startseite