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Solidaritätskundgebung gegen Stellenabbau bei ZF Friedrichshafen – Kämpferische Reden: „Das lassen wir uns nicht gefallen“

Eine Region hat Angst um die Arbeitsplätze

Diepholz/Stemwede...

ZF Friedrichshafen will Stellen abbauen – die Gewerkschaft hält dagegen. Mitarbeiter aus allen Dümmerwerken, auch aus Stemwede-Dielingen, trafen sich zum Protest.

Heidrun Mühlke

Applaus und Hupkonzerte für gelungene Reden gab es auf dem Marktplatz in Diepholz. Beschäftigte aller Dümmer-Werke von ZF protestierten dort. Foto: Heidrun Mühlke

Als Protest gegen den angekündigten Stellenabbau bei den ZF Friedrichshafen-Werken rund um den Dümmer haben sich am Freitag, 14. Mai, zahlreiche Beschäftigte mit ihren Fahrzeugen und weit mehr Mitarbeiter und Betroffene zu einer Solidaritätskundgebung auf dem Marktplatzgelände in Diepholz versammelt.

Frank Hartmann, erster Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen, übte scharfe Kritik an den Stellenabbauplänen von ZF Friedrichshafen am Dümmer: „Diese Region lässt sich das nicht gefallen. Es geht um Menschen, es geht um Familien und es geht auch um Kaufkraft in der Region.“ Foto: Heidrun Mühlke

Aufgerufen zu der Aktion hatte die IG Metall Gewerkschaft Nienburg-Stadthagen, da die aktuellen Signale aus der Unternehmensführung von ZF in Friedrichshafen wohl als Vorboten für einen gewaltigen Stellenabbau gewertet werden. Es stelle sich dann die Frage, wie es ab dem 1. Januar 2023 mit den 3500 Beschäftigten des Automobilzulieferers ZF im hiesigen Gebiet weitergehe. Ende Januar 2022 läuft die vereinbarte Frist aus, in der betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen waren.

Transparente machten deutlich, was die Beschäftigten fühlen und was ihre Ängste sind. Foto: Heidrun Mühlke

In den nächsten Jahren sollen etwa 1000 Mitarbeiterstellen rund um den Dümmer abgebaut werden, so plane es ZF laut Darstellungen der Standortbetriebsrates. Das seien gut ein Drittel in den fünf heimischen Werken des Unternehmens. Aktuell stehe der Verkauf des Werkes in Diepholz im Raum, und in Damme werde das Werk geschlossen. Zuletzt hatte ZF über starke Umsatzeinbußen geklagt.

„Wer kämpft, kann gewinnen – wer nicht kämpft, hat schon verloren“, waren Stimmen unter den Betroffenen zu hören. Darunter auch Michael Krabbe aus dem Landkreis Osnabrück, der schon seit 26 Jahren im Dielinger Werk beschäftigt ist. „Man weiß es ja noch nicht, aber mein Arbeitsplatz könnte durchaus zur Diskussion stehen“, sagt er.

Die IG Metall fordert die Einhaltung der abgeschlossenen Tarifverträge, Zukunftssicherung der Standorte rund um den Dümmer, insbesondere den Erhalt der Produktion mit zukunftsfähigen Projekten und einer Beschäftigungssicherung aller Kolleginnen und Kollegen über 2022 hinaus.

Am Autokorso teilnehmende Fahrzeuge waren mit Fahnen und Aufklebern dekoriert. Foto: Heidrun Mühlke

„Wir sind hier zusammengekommen, um etwas zu bewegen. Lasst uns kämpfen, Freunde“, machte der Betriebsrat vom Diepholzer Fahrwerk Technik-Werk der ZF, Jörg Amon, den Betroffenen Mut. Er erntete Beifall und ein Hupkonzert. Sprecher bei der Kundgebung waren neben dem Betriebsrat auch der erste Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen, Fred Hartmann, sowie der zweite Bevollmächtigte, Stefan Brandt und einige Politiker. Die Absagen von Landrat Cord Bockhop sowie dem Diepholzer Bürgermeister Florian Marré ernteten laute Buh-Rufe.

„Diese Region hier rund um den Dümmer lässt sich die ZF-Pläne nicht gefallen“, machte Fred Hartmann deutlich. Es gehe um viel mehr als um Arbeitsplätze. Es gehe um Menschen, es gehe um Familien, die dazu gehören, und es gehe auch um um den drohenden Verlust von Kaufkraft in der Region. „Wir werden ZF zeigen, dass sie zurückkommen müssen an den Verhandlungstisch – und zwar nicht mit leeren Worten, sondern mit einer Perspektive für die Zukunft“, sage Hartmann.

Der Kundgebung schloss sich ein Autokorso durch Diepholz an.

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