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Messerattacke in Stemwede: Angeklagter will sich nur verteidigt haben

Freund der Stieftochter verletzt

Bielefeld/Stemwede (WB). Ein 45-jähriger Mann soll den Freund seiner Stieftochter und zwei Verwandte mit dem Messer attackiert haben. Diese beiden wurden lebensgefährlich verletzt. Der Fall trug sich vor knapp zwei Jahren in Stemwede-Dielingen (Kreis Minden-Lübbecke) zu und wird seit Donnerstag vor dem Bielefelder Landgericht verhandelt.

Renée Trippler

Vor dem Bielefelder Landgericht wird der Fall einer Messerattacke in Stemwede verhandelt. Foto: Rajkumar Mukherjee

Die Schilderungen des mutmaßlichen Täters aus Brockum im niedersächsischen Landkreis Diepholz sorgten bei Staatsanwaltschaft, Richter und Verteidiger phasenweise für Verwirrung. Der Angeklagte sagte, infolge eines Streits habe er seine heute 21-jährige Stieftochter bei der Familie ihres gleichaltrigen Freundes abholen wollen. Vor dem Haus sei es dann zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen.

Nach Stichverletzungen operiert

Der 45-jährige in Turkmenistan geborene Staatsbürger der Ukraine wird beschuldigt, dem Ex-Freund seiner Stieftochter Schnittverletzungen zugefügt zu haben. Dessen Onkel und Vater mussten nach Stichverletzungen operiert werden.

In seinen Aussagen, die von einem Dolmetscher übersetzt wurden, widersprach sich der Mann teilweise. Auch behauptete er, den Freund seiner Stieftochter nicht selbst verletzt zu haben. Eine Hellseherin habe ihm vielmehr gesagt, dass der junge Mann in Wirklichkeit von dessen eigener Mutter verletzt worden sei.

Der Angeklagte sagte, er habe sich am Tattag zuhause mit seiner Stieftochter gestritten, weil diese nicht, wie es verabredet gewesen sei, von ihrem Freund nach Hause gebracht worden sei. Er habe an diesem Tag ein komisches Gefühl gehabt, sein »siebter Sinn« habe ihn veranlasst, zu glauben, dass etwas Schlimmes passieren könne.

Nach dem Streit mit seiner Stieftochter sei diese unbemerkt von dem Vater ihres Freundes und ihrem Freund abgeholt worden. Nachdem er am Telefon von dem Jugendlichen beleidigt worden sei, sei der 45-Jährige mit mehreren Familienmitgliedern zu dessen Haus gefahren – obwohl er zuvor getrunken hatte. Er habe sich Sorgen um seine Stieftochter gemacht, weil auch die Familie ihres Freundes getrunken habe, sagte der Angeklagte.

Erst Schlägerei, dann Messerattacke

Drei Männer hätten sich ihm vor Ort in den Weg gestellt, als er nach seiner Stieftochter fragte. Kurz darauf sei es zu einer Schlägerei gekommen, jemand sei mit einem Messer auf ihn losgegangen, das er sich irgendwie habe greifen können. Zugestochen habe er jedoch nicht: Zwei Beteiligte seien in das Messer »gestolpert« und hätten sich »aufgespießt«. Den Vater des Jungen habe er im Weglaufen aus Angst, selbst verletzt zu werden, mit dem Messer abgewehrt. Unter den Angreifern sei ein »kahlköpfiger Unbekannte« gewesen, der im Anschluss verschwunden sei.

Als Zeuginnen sind unter anderem die Ehefrau und die Stieftochter des Angeklagten geladen. Die Verhandlung soll heute und Samstag fortgesetzt werden.

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