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Emotionaler Auftritt des Stemweders erhält viel Applaus vom Rat – Senior kritisiert die Bahn scharf für Verzögerung des Brückenabrisses

Günter Grube wirbt für eine Radfahrbrücke

Stemwede (WB).

Er ist ein Urgestein der Stemweder Lokalpolitik – und er liebt seinen Heimatort Stemwede-Drohne.

Dieter Wehbrink

So könnte die Lösung aussehen: Vor dem Eingang der Begegnungsstätte in Wehdem präsentierte Günter Grube den Ratsmitgliedern ein von ihm gefertigtes Modell. Es zeigt die Drohner Bahnbrücke „In den Wiesen“, wie nach deren Abriss eine mögliche Radfahrbrücke aussehen könnte. Zumindest Radler und Fußgänger könnten die Bahnlinie dann noch überqueren. Grube kritisierte die Bahn scharf, weil sie den Abbruch der jetzt noch vorhandenen maroden Betonbrücke hinauszögere. Foto: Dieter Wehbrink

Daran ließ der frühere langjährige CDU-Ratsherr und ehemalige Gemeindeheimatpfleger Günter Grube (82) während der Bürgerfragestunde des Gemeinderates keinen Zweifel. Schon vor Beginn der Sitzung hatte sich der Drohner am Eingang der Wehdemer Begegnungsstätte aufgestellt, um mit den eintreffenden Ratsmitgliedern zu sprechen.

Das ist die marode Bahnbrücke „In den Wiesen“ in Drohne. Die Bahn verzögert den Abriss bis 2024, weil angeblich nicht genügend Sperrzeiten für den Zugverkehr einrichten kann. Die Gemeinde Stemwede muss deshalb viel Geld für Sicherungsmaßnahmen an der Brücke ausgeben. Foto: Dieter Wehbrink

Mit dabei hatte Günter Grube ein selbst gebautes Modell jenes Objektes, dass ihn zurzeit sehr umtreibt: Es ist die Bahnbrücke „In den Wiesen“ in Drohne und deren derzeit unrühmliche Geschichte. Zur Erinnerung: Die Brücke soll wegen Bauschäden abgerissen werden, sie darf bereits vom Verkehr nicht mehr befahren werden. Doch die Bahn zögert den Abriss des – im Besitz der Gemeinde Stemwede befindlichen – Bauwerks hinaus. Sie argumentiert, dass die für die Arbeiten notwendigen Zugverkehr-Sperrungen auf der Bahnlinie weiter nach hinten geschoben werden müssten. In den Jahren 2022 und 2023 stünden keine Sperrpausen in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung. Ursprünglich sollte der Brücken-Abbruch bereits im ersten Halbjahr 2021 erfolgen. Jetzt muss dies bis ins Jahr 2024 geschoben werden.

Günter Grube

Weil der Zustand des Bauwerks aber so kritisch ist, dass womöglich Bauteile auf die vielbefahrene Bahnlinie stürzen könnten, muss Stemwede bis zum Abriss der Brücke zusätzlich Geld für Sicherungsmaßnahmen aufwenden – eine ärgerliche Ausgabe. Es muss gewährleistet werden, dass es wegen der Durchfeuchtung des Bauwerks und damit auftretender Korrosion nicht zu einem zum Abreißen der Kragarme am Kopfbalken der Stützen kommen kann.

Um das Risiko von herabstürzenden Betonteilen zu verhindern, plant das Ingenieurbüro Bockermann Fritze zurzeit eine – wohl sehr teuer werdende – Stahlkonstruktion zur Abstützung der Kopfbalken.

Das Verhalten der Bahn ärgert auch Günter Grube. „Ein unmöglicher Zustand“, schimpfte der Drohner und kritisierte in der Bürgerfragestunde die Bahn scharf: „Mich treibt es um, was die Bahn da mit der Gemeinde Stemwede macht. Wie können die Verantwortlichen der Bahn so eine Verantwortung auf die Gemeinde Stemwede abwälzen! Würden sie ihrer Verantwortung gerecht werden, müssen sie entscheiden, dass die Brücke sofort abgerissen werden muss.“

Elf Betonteile würden die 12 Meter auseinander stehenden Stützen überspannen, sagte Grube. „Der Träger auf der Südwest-Seite ist gespalten. Daher kann es passieren, dass ein Betonteil abbricht. Deshalb müsste die Bahn handeln und den Abbruch der Brücke sofort freigeben.“

Zudem sagte Grube, er habe mit Interesse den Bericht in dieser Zeitung über die hervorragende Eignung Stemwedes für das Freizeit-Radfahren gelesen. Es sei jetzt nicht mehr möglich, die Drohner Bahnbrücke mit dem Rad zu überqueren „Ich schätze, es waren etwa 1000 Radfahrer im Jahr“, sagte Grube. Als Drohner wolle er deshalb einen leidenschaftlichen Appell an die Ratsmitglieder richten, damit ein weiteres Überqueren der Bahnlinie möglich werde. Wegen der guten Hochfahrten mit guten Zubringer-Straßen biete sich eine kostengünstige Rad-Fußgängerbrücke an. „Viele Radler werden eine solche Bahnüberquerung im Stemweder Westen gerne nutzen.“ Drohne, so warb Grube zusätzlich für die Radfahrer-Lösung, sei keineswegs – wie oft gehört – ein Außenseiter-Posten in Stemwede. „Bei uns in Drohne fängt Stemwede an, hier fängt der Kreis Minden-Lübbecke an und es fängt Nordrhein-Westfalen an.“

Obwohl Günter Grube eher ein Statement abgegeben und nicht – wie unter dem Tagesordnungspunkt eigentlich vorgesehen – Fragen an den Rat und Bürgermeister gestellt hatte, bekam der Senior für seine emotionale Rede einen Riesenapplaus.

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