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Wenn die Stemweder DRK-Altkleidercontainer als Mülleimer missbraucht werden

Häufig ist Ekel beim Entleeren angesagt

Stemwede (WB)

Kaum jemals zuvor waren die Altkleidercontainer so voll wie in der derzeitigen Corona-Pandemie.

Heidrun Mühlke

Die Öffnung der Altkleidercontainer ist für die Stemweder DRK-Vorsitzende Susanne Altvater jedes Mal mit einer guten Portion Spannung verbunden. Foto: Heidrun Mühlke

Aber in den Containern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) landet bei weitem nicht nur alte Kleidung, sondern auch jede Menge Müll. „Was wir darin so finden ist manches Mal kaum zu glauben“, sagt Susanne Altvater, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Stemwede.

Seit jeher sind in vielen Orten Altkleidercontainer zu finden, die von verschiedenen Hilfsorganisationen aufgestellt werden. Dort können Menschen Bekleidung, die nicht mehr modisch oder einfach zu klein geworden ist, hineinwerfen. Eine gute Einrichtung, gerade, damit gut erhaltene Kleidungsstücke noch neue Besitzer finden können.

Darüber hinaus werden in den Containern auch wertvolle Textilrohstoffe für die Verwertung gesammelt. Vertragspartner des DRK ist die Firma Dohmann Textilverwertung Dortmund, die für die unsortierten Altkleider bezahlt.

Insgesamt stehen in Stemwede fünf Container des DRK. „Bis August hatten wir noch acht Stück“, erklärt Altvater – man habe die Anzahl aufgrund zu weniger freiwilliger Helfer jedoch reduzieren müssen.

Leider würden die Container zunehmend für die Entsorgung von Haushaltsabfall, Elektrogeräten und Sperrmüll missbraucht, sagt die Vorsitzende. Klappstühle, Bilderrahmen, Drucker, Wassersprudler und vieles mehr sei bereits gefunden worden. Auch ein ganzer Schwung Brotmesser war in einem der Plastiksäcke. „Dass sich beim Hineingreifen niemand verletzt hat, ist ein Wunder“, sagt Susanne Altvater. „Gefunden werden auch häufig benutzte Damenhygieneartikel sowie benutzte Einmal-Windeln von Babys. Das ist zum Teil schon sehr eklig“, sagt Altvater. Einmal hätte jemand leere Sardinenbüchsen zu den Altkleidern gepackt. „Mit dem Gestank von altem Fisch mussten wir alles wegschmeißen“, erinnert sich die Rotkreuzleiterin. „Manchmal frage ich mich, warum die Menschen so etwas tun. Mir ist das unbegreiflich.“

Der textilfremde Müll verschmutzt die gut erhaltenen Kleidungsstücke und macht sie so für die weitere Verwendung – sei es im Kleidershop oder für das Recycling – unbrauchbar. Für das DRK bedeutet der damit einhergehende Verlust wertvoller alter Textilien sowie die zusätzliche Belastung durch hohe Kosten für die Entsorgung des Restmülls einen enormen wirtschaftlichen Schaden.

„Die Container sind ausschließlich für Altkleider oder Alttextilien vorgesehen. Müll gehört weder hinein noch daneben“, appelliert Altvater an die Vernunft der Bürger. Zudem sollten Kleidersäcke auch nicht neben die Container gestellt werden, falls diese überfüllt sind.

Einmal pro Woche werden die Altkleidercontainer geleert und der Inhalt anschließend in dem großen Container am DRK-Haus in Wehdem gesammelt. „Hier werden die Altkleider dann einmal im Monat von der Firma Dohmann abgeholt“, erklärt Altvater. Dann sei der fünf Tonnen fassende Container voll.

Die Verwertungsgesellschaft verarbeitet die Altkleider zu Dämmstoffen oder Putzlappen, ein großer Teil geht nach Afrika auf die Kleidermärkte oder wird in zentralen Katastrophenschutzlagern nach Klimazonen getrennt bereitgehalten. Sehr gut erhaltene Kleiderspenden werden im DRK-eigenen Kleidershop „Sieben Sachen“ in Wehdem günstig verkauft.

Sowieso drehe sich das Rad mit neuer Kleidung immer schneller, weiß Susanne Altvater. „Ständig kommen neue Kollektionen in die Läden. Die Altkleiderflut schwillt von Jahr zu Jahr an und wächst immer weiter“, erläutert die Vorsitzende des DRK. „Jeder Bürger sollte vor dem Kauf überlegen, ob es wirklich nötig ist, ein neues Teil anzuschaffen.“

Sämtliche Erlöse aus den Kleidersammlungen kommen den sozialen Projekten des DRK zugute. „Das ist gerade jetzt während der Corona-Pandemie eine wichtige Einnahmequelle für uns, da auch für das DRK sämtliche Einnahmen beispielsweise durch Erste-Hilfe-Kurse weggebrochen sind“, sagt Altvater.

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