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Interview mit Jean Armand über Post aus der Gemeinde, deutsches Bier und Macron

»Lardy und Stemwede ähneln sich sehr«

Stemwede (WB). Die Partnerschaft zwischen Stemwede und dem französischen Lardy ist noch kein Jahr alt. Diese nun mit Leben zu füllen, ist auch die Aufgabe von Jean Armand. Der 62-Jährige leitet den für die Partnerschaft zuständigen Verein in Lardy. WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiter Florian Hemann hat mit dem Franzosen während des jüngsten Besuchs in Stemwede gesprochen.

Zwei, die sich gut verstehen: Jean Armand (links) aus Lardy und der gebürtige Franzose Hervé Guennoc aus Stemwede leiten ihren Heimatorten Lardy und Stemwede die jeweiligen Vereine, die sich um die neue Städtepartnerschaft kümmern. Foto: Florian Hemann

Willkommen in Stemwede! Uns Deutschen sagt man im Ausland oft Pünktlichkeit und die Liebe zum Sauerkraut nach. Was verbinden Sie mit Deutschland?

Jean Armand: Ich glaube, die Deutschen schätzen unseren Käse. Und wir schätzen wiederum deutsches Bier (lacht).

Sie sind jetzt zum zweiten Mal in Stemwede. Gefällt es Ihnen hier?

Armand: Auf jeden Fall, es ist hier sehr angenehm und ähnelt unserer Kommune, wo es auch sehr viel Grün gibt und eher ländlich ist. Insofern sind Lardy und Stemwede sich eigentlich sehr ähnlich.

Jetzt haben Sie schon Gemeinsamkeiten genannt. Was sind denn wiederum Unterschiede zwischen Lardy und Stemwede?

Armand: Welche Unterschiede gibt es (überlegt einen Moment)? Das ist zum einen der Reitsport. Da gibt es im Gegensatz zu Lardy eine Besonderheit in Stemwede. Und das ist das Voltigieren, was wir in Lardy nicht haben. Also es gibt diese kleinen Unterschiede. Ich denke, es gibt in Lardy auch ein paar mehr Schulen als in Stemwede. Und da ist auch noch diese Besonderheit mit der Gruppierung von 13 Ortsteilen. Wir sind in Lardy heute nur noch eine einzelne Kommune. Aber wir hatten wiederum in anderen Punkten Angliederungen. So teilen wir uns das Collège (weiterführende Schule, Anm. d. Red.) von Lardy mit einer angrenzenden Kommune. Und wenn wir die Kommunen zusammen nehmen, kommen wir zusammen ungefähr auf 10.000 Einwohner. Und in Stemwede sind es allein 13.000 Einwohner.

Ihr Kollege auf Stemweder Seite ist der gebürtige Franzose Hervé Guennoc. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Armand: Das Verhältnis ist sehr gut. Er ist unglaublich offen. Das macht die Arbeit sehr einfach. Wir lernen uns gerade immer besser kennen und schätzen. Und es ist für uns sehr hilfreich, in Stemwede eine Person zu haben, die im Zweifel auch zwischen den beiden Sprachen übersetzen kann.

Können Sie unseren Lesern noch einmal erklären, wie es zur Partnerschaft zwischen Lardy und Stemwede kam?

 Armand: Es begann mit der Wahl von Dominique Bougraud zur Bürgermeisterin von Lardy im Jahre 2014. Sie wollte mit ihrem Team Kommissionen bilden, darunter auch eine für Städtepartnerschaften. Diese Kommission arbeitete seit Ende 2014, um eine potenzielle Partnerstadt in Europa zu finden. Wir haben viel gearbeitet und auch ein paar entmutigende Erfahrungen gemacht, weil man es nicht geschafft hat, einen passenden Partner zu finden, bis wir dann eines Tages von der Gemeinde Stemwede einen Brief erhalten haben.

Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie die Nachricht aus Stemwede erhalten haben?

Armand: Also zu erst haben wir uns gefragt, ob das ernst gemeint ist. Und dann ging es eigentlich ganz schnell. Der Brief kam im Juli und im August war dann der erste Besuch da. Das Kennenlernen mit Bürgermeister Kai Abruszat und dem Fachbereichsleiter Jörg Bartel verlief sehr gut. Im Oktober hatten wir dann einen unglaublich warmherzigen Empfang in Stemwede. Und es ist offenkundig, dass sich die Beziehung zwischen den beiden Bürgermeistern beziehungsweise den Kommunen sehr schnell ausgedehnt hat.

Was sollte man aus Ihrer Sicht bei einem Besuch von Lardy auf jeden Fall besuchen?

Armand: Da ist zum einen das recht alte Rathaus. Wir haben in unserer Gegend außerdem nicht wenige Schlösser, die von toller Beschaffenheit sind. Und es gibt in der näheren Umgebung auch wunderschöne Radwanderwege. Und dann ist da natürlich noch Paris, das sehr nahe liegt. Mit dem Zug sind es nur 40 Minuten zwischen Lardy und Paris.

Welchen Wunsch haben Sie für die Städtepartnerschaft? Müssten nicht zum Beispiel viel mehr die Jugendlichen eingebunden werden?

Armand: Diese Städtepartnerschaft meint für uns aktuell vor allem die Stärkung oder den Wunsch nach einer europäischen Allianz. Es ist offenkundig, dass Europa dem Volk gehört, von dem es geformt ist. Und alle Partner, die dazu kommen könnten, müssen den Leuten den Stellenwert des gemeinsamen Austauschs vermitteln. Man muss sich klar darüber werden, wer unsere Nachbarn sind. Wir haben die starke Tendenz zu glauben, dass es bei den Nachbarn immer besser läuft als bei sich selbst zu Hause. Wir wollen mit dieser Partnerschaft die anderen und ihre Lebensweise kennenlernen. Das beinhaltet sowohl die Alten als auch die Jungen.

Lassen Sie uns die Wirtschaft betrachten. Eines der wichtigsten Unternehmen in Lardy ist Renault und in Stemwede gibt es den Automobilzulieferer ZF Lemförde. Wäre da nicht eine Zusammenarbeit möglich?

Armand: Ehrlich gesagt kann ich das nicht sagen. Wir haben jetzt unser Komitee gegründet und wir werden unsere Unternehmen bei dem Thema mobilisieren. Das ist das Ziel. Für den Moment beschränkt sich das jedoch auf die Aktivitäten der kleineren Unternehmen. Was die großen Gruppen (wie Renault, Anm. d. Red.) betrifft, ist es sicherlich irgendwann notwendig, da zu vermitteln. Warum auch nicht!

Frankreich hat seit einem Jahr einen neuen Präsidenten. Welche Note geben Sie Emmanuel Macron für seine bisherige Bilanz?

Armand: Sehr gut ist seine Bilanz vielleicht nicht, ich finde sie eher gut und würde ihm deshalb eine Zwei geben. Es gibt Punkte, wo man noch schauen muss. Aber es gibt wiederum einen Punkt, der sehr stark ist, und das ist die Tatsache, dass er Europa wieder ankurbeln will. Und es ist gut, dass ein Präsident an die Wichtigkeit dieses Staatenbundes erinnert.

Zur Person

Jean Armand (62) ist Vorsitzender des für die Partnerschaft zwischen Lardy und Stemwede zuständigen Vereins. Dieser wurde am 16. Dezember 2017 gegründet und zählt aktuell etwa 50 Mitglieder. Seit dem vergangen Jahr ist der Vater von zwei Töchtern Rentner und war früher im Energiebereich tätig. Seine Frau ist in einem Tanzverein engagiert und ebenfalls in die Städtepartnerschaft zwischen Lardy und Stemwede eingebunden.

Jean Armand spricht eigentlich kein Wort Deutsch, hat aber bei seinem Besuch in Stemwede dennoch eine kurze Rede in deutscher Sprache gehalten.

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