„1000 Arbeitsplätze in Region sind bedroht“ – Betriebsrat und Belegschaft von ZF Friedrichshafen wollen kämpfen: Aktion in Diepholz

Mitarbeiter planen Autokorso als Protest

Dielingen/Diephol...

Die Unruhe in der Belegschaft der Dümmer-Werke von ZF Friedrichshafen, darunter am Standort Stemwede, ist groß, wie auch jetzt der Gesamtbetriebsrat mitteilte.

Dieter Wehbrink

ZF Friedrichshafen, hier ein Blick in das Werk Dielingen, ist ein enorm wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Sorge um die Arbeitsplätze wächst. Foto: ZF Friedrichshafen

Er betont, dass das Unternehmen 1000 Arbeitsplätze am Dümmer abbauen wird, also etwa ein Drittel aller ZF-Beschäftigten in den fünf Werken.

Der Verkauf des ZF-Schaltungen-Werks in Diepholz drohe unmittelbar. Zudem sei ZF Boge in Damme an einen chinesischen Investor verkauft worden und das Restwerk von ZF in Damme werde geschlossen. Somit seien es bereits drei Werke in der Dümmerregion, die ZF aufgebe. Dies missachte das Lebenswerk von Dr. Jürgen Ulderup: Dieser habe seine Firma Lemförder Metallwaren einst mit der Maßgabe an ZF Friedrichshafen verkauft, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben.

Auch wenn noch nichts entschieden sei, müsse man davon ausgehen, dass auf Dauer nicht nur 1000, sondern 3000 Arbeitsplätze bedroht seien, befürchten die Arbeitnehmervertreter. Trete der schlimmste anzunehmende Fall ein, werde dies auch die öffentlichen Haushalte in den Landkreisen Diepholz, Vechta und Minden-Lübbecke erschüttern. ZF Friedrichshafen gilt in allen drei Landkreisen als bedeutender Gewerbesteuerzahler, verbuchte aber jüngst ein dickes Umsatzminus.

Ein Blick in das Werk Diepholz, für das es bei ZF Friedrichshafen offenbar Verkaufsabsichten gibt. Foto: ZF Friedrichshafen

Fred Hartmann, der Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen, sieht durch die Verkaufsankündigung des Werks „Diepholz EI“ sowie den geplanten Jobkahlschlag „die Seriosität des vereinbarten unternehmensinternen Zielbildprozesses zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gefährdet“.

Er kündigte an, dass sich die Arbeitnehmervertretung und die Belegschaft ein solches Vorgehen nicht gefallen lassen. Er rief zu einer großen Solidaritätskundgebung mit Protest-Autokorso auf, die am 14. Mai von 15 bis 17 Uhr in Diepholz erfolgen soll. Treffpunkt ist der Marktplatz. Hartmann: „Wir wollen ZF Friedrichshafen zeigen, dass wir jeden einzelnen Arbeitsplatz verteidigen werden.“

Gesamtbetriebsrat. Achim Dietrich

Scharfe Kritik übt auch Eduard Haab, der Betriebsratsvorsitzenden des Standorts „Diepholz EI“. „Das Management hat die Aufgabe, sich um Beschäftigung zu kümmern. Doch die ziehen sich einfach raus. Das kann nicht sein.“ Er erinnerte daran, dass „Diepholz EI“ die „Perle im Konzern“ war. Jetzt, wo es Probleme gebe, versuche das Management nicht, den Standort zu unterstützen, sondern setze auf die einfachste Lösung – den Verkauf.

Haab zeigte sich jedoch kämpferisch und bedankte sich für die große Solidarität, die er und seine Mitstreiter seit der Bekanntgabe der Verkaufspläne erfahren hätten. „Das hat uns sehr gut getan und bestätigt unsere Vorgehensweise.“

Solidarisch an der Seite der Diepholzer Beschäftigten steht der Gesamtbetriebsrat. Achim Dietrich, der Vorsitzende des Gremiums, stellt einen Kulturwandel im Topmanagement fest. „Früher standen Sachargumente und die Beschäftigten im Mittelpunkt, inzwischen erleben wir eine völlig andere Ausrichtung“, meint er. Der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende erkennt „beschäftigungsfeindliche Maßnahmen“ und wirft dem Vorstand vor, mit der Ankündigung von Schließungs- und Verkaufsabsichten eine „Vertrauenskrise“ ausgelöst zu haben. „Wie sollen wir die Zukunft gestalten, wenn ständig neue Feuer wie zum Beispiel in Diepholz gezündet werden?“

Unternehmen redet mit Politik

ZF Friedrichshafen hat politische Vertreter der Dümmerregion zu einem virtuellen Informationsgespräch zur Zukunft des Unternehmens eingeladen.Daran nahmen auch Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat sowie Oliver Gubela (Amtsleiter Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung, Kreis Minden-Lübbecke) teil.In dem Gespräch legten Andrea Henning, Leiterin des Multidivisionsstandorts Lemförde, und Dr. Peter Holdmann, Leiter der in Dielingen ansässigen ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik, die Hintergründe zur aktuellen Situation dar. Sie erläuterten, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite derzeit gemeinsam an einem zukunftsfähigen Zielbild für den Multidivisionsstandort Lemförde arbeiten.Im für ZF Deutschland gültigen „Tarifvertrag Transformation“ sei dazu vereinbart, einen ersten Entwurf im Sommer 2021 festzulegen. Das finale Zielbild muss bis Ende des Jahres 2022 erarbeitet sein. Bis dahin gelte eine Beschäftigungssicherung.Abschließend wurde vereinbart, den offenen Austausch fortzuführen.

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