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Wenig Wasser im Moor, Nahrungsmangel und Rückenwind: Vögel fliegen gen Süden

Probleme: Erste Kraniche ziehen ab

Stemwede (WB). Ihr Rufen ist unüberhörbar: Selbst tief in der Nacht sind in den vergangenen Tagen große Kranich-Schwärme über Stemwede hinweggezogen.

Dieter Wehbrink

Fliegende Kraniche: Erste Vögel verlassen die heimischen Moorregionen und brechen nach Südfrankreich auf. Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de

Die Tiere, die seit Wochen auf den heimischen abgeernteten Feldern nach Maiskörnern suchen und im Oppenweher, Neustädter und Rehdener Moor übernachten, nutzten das günstige Flugwetter aus. »Blauer Himmel und Wind aus Nord/Nordost sind das Aufbruchsignal für die Vögel«, weiß Friedhelm Niemeyer. Er ist als Ex-Leiter des BUND in Diepholz im Ruhestand und gilt als ausgewiesener Kranich-Experte. »Schneller und mit weniger Energie kommen die Vögel nicht in den Süden nach Frankreich oder Spanien, wo sie überwintern.«

In Moorsenken kommt kein Wasser an

Allerdings gibt es auch weitere, nicht so erfreuliche Gründe, warum viele Kraniche schon so früh abfliegen: Derzeit gibt es zu wenige geeignete Nachtplätze im Moor – und zu wenig Nahrung. Die beiden trockenen Sommer haben dazu geführt, dass – trotz der jüngsten Niederschläge – immer noch viel zu wenig Wasser im Moor ist. »Der Torfboden saugt den Regen auf«, sagt Niemeyer. »In den tie­fer gelegenen Moorsenken kommt immer noch kein Oberflächenwasser an. Dabei sind gerade die mit Wasser gefüllten Senken, in denen die Tiere nachts stehen, ein sicherer Schutz vor dem Fuchs. Wäre genug Wasser in unseren Mooren, würden viele Vögel noch bleiben.«

Hinzu kommt, dass die beiden Extremsommer dazu geführt haben, dass zu wenig Maiskörner auf den abgeernteten Feldern liegen. Weil der Mais schon früh im Jahr Trockenschäden hatte, musste er vorzeitig geerntet werden, um die kümmerlichen Pflanzen wenigstens noch zu Silomais zu verarbeiten. Für die Kraniche ist aber speziell die Körnermais-Ernte wichtig, weil ihnen deren Reste auf dem Feld Nahrung bieten.

Inzwischen wichtiger Tourismus-Faktor

Die Kraniche haben mittlerweile eine große Bedeutung für den heimischen Tourismus, denn Naturfreunde aus ganz Europa kommen im Herbst eigens wegen dieser Vögel in die Region. Viele übernachten in Unterkünften.

Sorge, dass die Kraniche nach zwei so trockenen Jahren die heimische Region bald ganz meiden könnten, hat Friedhelm Niemeyer allerdings nicht. »Ich schätze, dass sich immer noch zwischen 20.000 bis 40.000 Vögel in unseren Moorniederungen aufhalten. Abfliegende Tiere werden durch andere ersetzt, die aus nördlichen Gebieten eintreffen.« Somit können Naturfreunde auf den Moor-Beobachtungstürmen immer noch genügend Kraniche beim Nachtanflug beobachten. Die letzte Zählung, über mehrere Tage hinweg, hat 40.000 Tiere ergeben. Am nächsten Wochenende, ab dem 2. November, werde mit einer neuen Zählung begonnen, sagte Niemeyer.

In 20 heimischen Revieren wurde sogar gebrütet

Der Experte freut sich, »dass sich mittlerweile an 365 Tagen im Jahr Kraniche in der Region aufhalten. Einige Tiere fliegen wegen der milden Winter erst gar nicht weg.« In etwa 20 Revieren im Oppenweher, Neustädter und Rehdener Moor seien sogar Brutpaare vorhanden. Diese Elterntiere hätten trotz der trockenen Sommer sogar eine halbwegs passable Brut und Kükenaufzucht hinbekommen.

Zu einer Auto-Exkursion zu den Futterplätzen der Kraniche in der Diepholzer Moorniederung mit anschließender Beobachtung ihres abendlichen Einflugs ins Moor lädt der Kranichführer Paul Wolfgramm für Donnerstag, 7. November, ein. Los geht die Exkursion in Fahrgemeinschaften um 15.30 Uhr am Lokschuppen in Ströhen, Bahnhofstraße 29, in Wagenfeld-Ströhen. Der Kostenbeitrag liegt bei 7 Euro für Erwachsene, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen die Hälfte. Anmeldungen sind bei Paul Wolfgramm unter Telefon 05444/770 erforderlich.

Die nächsten Exkursionen und Veranstaltungen:

Zu einem letzten frühen Kranicherlebnis laden die Kranichführer Daniel Ahlert und Inga Hinnenkamp für Sonntag, 10. November , ab 6.30 Uhr ein. Ihre Wanderung durch das Oppenweher Moor führt zunächst zum Beobachtungsturm, um die Kraniche bei ihrem Ausflug zu beobachten.

Anschließend gibt es einen informativen Rundgang durch das herbstliche Moor ehe dann die Futterplätze der Kraniche mit Privat-Autos aufgesucht werden. Treffpunkt ist der Parkplatz Summann auf der Südseite des Moores, Im Moor 17, in Stemwede-Oppenwehe. Der Kostenbeitrag liegt bei 9 Euro für Erwachsene, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen die Hälfte. Anmeldungen sind unter Telefon 0152/34264022 (Inga Hinnenkamp) oder 0152/34264036 (Daniel Ahlert) erforderlich.

Am Sonntag, 10. November , ab 14 Uhr wird Naturführer Erpo Ismer in einem bebilderten Vortrag bei Kaffee und Kuchen Spannendes über die verschiedenen Kranicharten weltweit berichten. Anschließend erfolgt eine geführte Tour im eigenen Auto zu den Futter- und Schlafplätzen der Kraniche. Der Treffpunkt der etwa vierstündigen Führung ist am Tierparkrestaurant, Tierparkstraße 46 in Wagenfeld-Ströhen. Die Kosten für den Vortrag und die Führung belaufen sich auf 10 Euro für Erwachsene, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen die Hälfte. Während des Vortrages besteht die Möglichkeit, im Restaurant Kaffee und Kuchen zu bekommen. Eine Anmeldung bei Erpo Ismer unter der Handynummer 0170-5851152 ist erforderlich.

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