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Wenn die Majestät im Dorf des Nachbarvereins wohnt (mit Kommentar)

Spaß in Destel: Vereine vertilgen »Zoll«

Stemwede (WB). Es sind stets hartnäckige, wenngleich auch lustige »Zollverhandlungen«: Wehe, wenn die neue Majestät eines Schützenvereins nicht in der eigenen Ortschaft wohnt, sondern aus dem Nachbarort, also aus dem Einzugsgebiet eines anderen Vereins kommt.

Heidrun Mühlke und Dieter Wehbrink

Dank glücklicher Zollverhandlungen waren die Majestäten (v.li.) Jacqueline Kanning, Florian Pranzas, Heike Stevener, Sylke Arning, Laura Luissk, Uwe Arning, Michaela Wilking und Hartmut Stevener an der Desteler Mühle in Feierlaune. Foto:

Dann kann es in Stemwede im wahrsten Sinne des Wortes schon mal »bierernst« zwischen den Vereinen werden und zu »Grenzkonflikten« führen, wenn die neue Majestät von ihrem Verein abgeholt werden muss.

Rechnung ohne Mühlenschützen gemacht

Als die Destelerin Sylke Arning im vergangenen Jahr Schützenkönigin im Westruper Verein wurde, hatten die dortigen Grünröcke die Rechnung ohne die Desteler Mühlenschützen gemacht. Die waren nämlich nicht so ohne weiteres gewillt, fremde Grünröcke in ihr Hoheitsgebiet einziehen zu lassen.

Schon gar nicht wollten sie die Königin, die zudem noch Mitglied der Desteler Mühlenschützen ist, ohne Wegezoll herausrücken. Dasselbe galt für den Schützenverein Arrenkamp, deren neue Regentin Michaela Wilking in Wes­trup wohnhaft ist.

Für die Westruper Grünröcke kam es sogar noch schlimmer: Um ihre Desteler Majestät abzuholen, mussten sie auch noch das Hoheitsgebiet der Hollweder Schützen durchkreuzen. Ohne das Versprechen, Wegezoll zu zahlen, ließ man auch hier den Schützenverein nicht passieren. Aber dank glücklicher Zollverhandlungen durften die Westruper dann doch ihre Königin aus Destel abholen. Und auch die Arrenkamper Grünröcke erhielten die Erlaubnis, ihre Königin Michaela Wilking aus Westrup abholen zu dürfen.

Für etwa 150 Mitglieder aller beteiligten Vereine aus Westrup, Arrenkamp, Destel und Hollwede galt es jetzt bei einer geselligen Zusammenkunft an der Desteler Mühle, die verhandelten Güter in Form von Kaltgetränken zu vertilgen. Organisiert hatten dies Königin Sylke Arning, Destels Ortsheimatpfleger Horst Richter und die Vorsitzenden der beteiligten Vereine.

Schlechtes Omen für Bayern München?

»Destel gehört ja eigentlich zum Einzugsgebiet des Hollweder Schützenvereins«, sagte Horst Richter dieser Zeitung augenzwinkernd. »Vor dem Haus der Familie Arning haben wir uns seinerzeit damals postiert, eine kleine Zollschranke aufgebaut und eine gewisse Menge Bier ausgehandelt. Teilgenommen haben an den Gesprächen auch die Desteler Mühlenschützen.« Mit Zollverhandlungen habe Destel schon Erfahrung: »2011 war Sylkes Mann Uwe Arning König in Westrup. Auch da verlangten wir schon Wegezoll.« Schon 2011 habe es eine Zoll-Party gegeben, sagte Richter. »Seinerzeit lag dieser Termin – wie auch jetzt der jüngste – auf dem Tag des DFB-Pokalfinales. Damals wie auch jetzt konnte Bayern München nicht gewinnen«, erinnert sich Horst Richter.

Auch die Westruper hatten Verhandlungen wegen Arrenkamps Königin geführt und einen »Bier-Zoll« ausgehandelt. »Dass gleich vier Vereine so schön an der Mühle bei uns gefeiert haben, spricht für den guten Zusammenhalt der Schützen in Stemwede. Wir alle freuen uns, dass die Stimmung so toll war und zudem das Wetter mitspielte«, zieht Horst Richter Bilanz.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Auch wenn es der eine oder andere Kommunalpolitiker nicht gern hört: Das »Kirchturmdenken« in der großen Flächengemeinde Stemwede, deren ehemaligen Ämter im Zuge der kommunalen Neuordnung Anfang der 70er Jahre eher zwangsweise zusammengelegt wurden, ist noch nicht passé. Seien wir ehrlich: Gelegentlich beäugen sich die früheren Bezirke Dielingen, Levern und Wehdem immer noch misstrauisch, wenn es bei politischen Entscheidungen um Vor- oder Nachteile für den einen oder andern Ort geht.

Ganz anders agieren da zum Glück die Vereine, beispielsweise die Sportler oder Schützen aus der Gemeinde. Die Grünröcke aus unterschiedlichen Vereinen feiern gern beim Stemwederberg-Verbandsfest zusammen oder laden sich »grenzüberschreitend« zu ihren Schützenfesten ein. Dabei wurde schon so manche Freundschaft zwischen den Ortschaften geknüpft.

Ein tolles Beispiel dafür ist auch die »Zollfete« in Destel, bei der gleich vier Vereine viel Spaß hatten. Zwar waren auch hier »Grenzkonflikte« der Anlass für die flüssigen Zoll-Zahlungen, doch dieser »Streit« wurde so humorvoll gelöst, dass sich alle Beteiligten freuen und zusammen feiern konnten. So punktet das Schützenwesen in Stemwede und verweist das Kirchturmdenken in seine Schranken!

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