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Viele Pläne und Vorhaben: Interview mit Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelkmeier

»Starke Dörfer stärken ganz Stemwede«

Stemwede (WB) Viel Lob erhält die Stemweder Heimatpflege regelmäßig von den politischen Vertretern der Gemeinde. In 12 von 13 Dörfern gibt es Ortsheimatpfleger. Für ganz Stemwede ist Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelmeier (61) aus Haldem Ansprechpartner und Koordinator. Mit ihm sprach WB-Redakteur Dieter Wehbrink über die Aktivitäten der Heimatfreunde.

Ein engagiertes Team bilden die Stemweder Ortsheimatpfleger. Die Ehrenämter bekleiden (von links) Luise Lahrmann (Niedermehnen), Friedhelm Kohlwes (Westrup), Gerd Bick (Wehdem), Horst Richter (Destel), Doris Blömker (Twiehausen), Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelmeier, Gertrud Premke (Sundern), Theodor Frenzel (Dielingen) Dirk Priesmeier (Oppenwehe), Dr. Inge Uetrecht (Arrenkamp), Friedbert Bohne (Oppendorf) und Hans Möller-Nolting (Haldem). Nicht auf dem Bild ist Leverns Ortsheimatpflegerin Karin Klanke.

Herr Winkelmeier, Sie sind seit 2012 Gemeindeheimatpfleger. Es fällt auf, dass Sie Ihre Kollegen aus den Ortschaften regelmäßig zu Treffen einladen. Was wird denn dort so besprochen?

Klaus Winkelmeier: Jeder Ortsheimatpfleger stellt dort eine Initiative oder eine Firma aus seinem Dorf vor. Wir haben unter anderem schon die Betriebe Depenbrock in Arrenkamp, Rohlfing in Niedermehnen und Haevescher in Oppendorf besucht.

Die Besichtigung von Stemweder Unternehmen war ja bisher eher eine Angelegenheit des Bürgermeisters. Was versprechen sich die Ortsheimatpfleger von diesen Kontakten?

Winkelmeier: Wir verstehen den oft angestaubten Begriff der Heimatpflege anders. Sie hat zwar auch die klare Aufgabe, Werte, Traditionen und Sprache zu bewahren und zu pflegen. Aber Heimatpflege bedeutet auch, sich intensiv mit der Gegenwart und der Zukunft zu beschäftigen. Daran sind wir sehr interessiert. Und da sind die Besuche bei den heimischen Unternehmen, die eine wesentliche Stütze unserer Gemeinde sind, eine prägende Funktion haben und vielen Menschen Arbeit geben, für uns sehr hilfreich und informativ.

Man gewinnt den Eindruck, dass es speziell das Ziel der Heimatpfleger ist, das berüchtigte Kirchturmdenken in Stemwede abzuschaffen. Sehe ich das richtig?

Winkelmeier: Es gibt nur dann ein starkes Stemwede, wenn wir starke Dörfer haben. Hier sehen wir eine Vorbildfunktion in unserer Arbeit als Ortsheimatpfleger. Jeder von ihnen engagiert sich stark in seinem Dorf, aber in unserem Arbeitskreis wenden wir den Blick auf ganz Stemwede.

Was haben sich denn die Stemweder Heimatpfleger für 2019 vorgenommen?

Winkelmeier: Als besonderen Höhepunkt planen wir in Anlehnung an unsere erfolgreiche Sternwanderungen im Stemweder Berg eine große Aktion anlässlich der 1050-Jahr-Feiern von Levern, Destel und Wehdem, aber auch Brockum.

Warum Brockum? Der Ort liegt doch in der Samtgemeinde Lemförde.

Winkelmeier: Weil aus historischer Sicht alle Dörfer rund um die Stemweder Berge eng miteinander verbunden waren. Das drückt sich auch in dem alten Dokument der Ersterwähnung der Dörfer aus, in dem Brockum ebenfalls miterwähnt wurde.

Vorfreude auf Dorfjubiläen

Was genau planen Sie denn zum Jubiläum?

Winkelmeier: Wir ändern das Konzept der Sternwanderung, die so gut in Stemwede ankam, in eine Stern-Radtour um. Die Organisation übernehmen die Ortsheimatpfleger in Zusammenarbeit mit den Dörfern vor Ort. Beginn ist am Sonntag, 26. Mai, in Destel. Levern folgt am 22. Juni, Brockum am 31. August und Wehdem am 28. September.

Können Sie uns schon Näheres über das Programm verraten?

Winkelmeier: Die Radtouren starten jeweils in allen Stemweder Orten. Ziel ist dann jedes Mal der Jubiläumsort, wo es ein sehr spannendes Programm gibt. Unter anderem wird in Wehdem der Krimi vorgeführt, der mit Menschen aus dem Ort gedreht wurde. In Levern erfolgt eine unterhaltsame Veranstaltung auf dem Kirchplatz, und auch die Desteler präsentieren ein tolles Jubiläumsprogramm.

Es fällt sehr auf, dass sich die Stemweder Heimatpflege intensiv um die Stärkung der Ökologie kümmert. Welche Pläne gibt es hier in 2019?

Winkelmeier: Das sehen Sie richtig. Eine Umfrage bei Mitarbeitern von Stemweder Unternehmen ergab, dass unsere Gemeinde insbesondere durch das Landschaftbild punktet. Diese Wahrnehmung haben vor allem die Einpendler, also Menschen, die zwar in Stemwede arbeiten, aber hier nicht wohnen. Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Heimatpfleger aufgrund ihrer Berufe ein breites fachliches Wissen über Ökologie in ihre ehrenamtliche Tätigkeit einbringen können. Ein Beispiel dafür ist Dr. Inge Uetrecht aus Arrenkamp, die als Spezialistin für Pflanzenkunde gilt. So läuft zurzeit – in enger Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung – das Projekt »Stemwede blüht auf«. Wir begleiten als Heimatpfleger das Pilotprojekt, das unsere beiden landschaftlichen Attraktionen – die Stemweder Berge und das Oppenweher Moor – miteinander durch Blühstreifen verbinden soll.

Wildblumensamen

Beschreiben Sie unseren Lesern doch mal, wie dies in der Praxis aussieht.

Winkelmeier: Wir haben einen Arbeitskreis gebildet, dem Inge Uetrecht, Hans Möller-Nolting, Friedhelm Kohlwes und ich angehören. Seit vier Jahren betreuen wir kleine Pilotflächen in Stemwede, um Erfahrungen mit der Pflege von Wegrändern zu sammeln. Die meisten wurden mit Wildblumensamen regionaler Sorten eingesät, um den Insekten, Kleintieren und Vögeln einen Lebensraum zu bieten und die Artenvielfalt zu stärken. Schwerpunkte waren Arrenkamp und Haldem, das Mühlengelände in Oppenwehe sowie Ansaaten auf dem Desteler Mühlengelände. Das Projekt wird über das Zuschussprogramm Vital NRW gefördert. Den Restbetrag zahlt die Gemeinde.

Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit diesen Blühstreifen?

Winkelmeier: Wir wollten erreichen, dass die Wegränder möglichst nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden müssen. Der Stemweder Bauhof arbeitet hier eng mit uns zusammen. Da müssen wir mal ein dickes Lob aussprechen. Wichtig ist, dass die Kräuter überhaupt die Chance haben, zum Blühen und somit zum Aussamen zu kommen. Wenn sie nicht aussamen können, sind zumindest die so genannten einjährigen Kräuter im Folgejahr verschwunden. Außerdem mussten wir feststellen, dass die Wildblumen Probleme mit dem Konkurrenzdruck der starkwüchsigen Gräser haben – vor allem dann, wenn der Boden überdüngt ist. Dann bleibt oft nur der Austausch, das heißt, die Grasnarbe abzutragen, damit der Boden abgemagert wird und frei für die Neueinsaat ist. So entfällt der Konkurrenzdruck der Altpflanzen. Dies setzen wir derzeit an Straßenseitenrändern im Oppendorfer Fledder um.

Man hörte dort von Vorbehalten von Landwirten. Wie läuft hier die Verständigung?

Winkelmeier: Da möchte ich positiv erwähnen, dass hier sehr konstruktive Gespräche mit den Oppendorfer Landwirten sowie Ortsbesichtigungen erfolgt sind. Hier danke ich insbesondere Carsten Felber, der als Vermittler aufgetreten ist.

Was ist mit Neuanpflanzungen von Gehölzen, wie sie vor Jahrzehnten noch in vielen Dörfern regelmäßig vorgenommen wurden? Tut sich da auch etwas in Stemwede?

Winkelmeier: Das ist leider nicht mehr im Fokus. Der Schwerpunkt liegt zurzeit darauf, etwas gegen das erschreckende Artensterben bei Pflanzen und Tieren zu unternehmen. Aber Sie haben Recht: Es wäre toll, wenn sich auch auf dem Gebiet der Gehölzanpflanzungen etwas tun würde. Lobend erwähnen möchte ich hier der Schützenverein Oppenwehe, der jedes Jahr neue junge Bäume pflanzt. Es wäre doch toll, wenn noch weitere Vereine diesem Beispiel folgen würden. Die Familie Fenne in Haldem, deren Naturgarten bereits hohe Auszeichnungen bekommen hat, legte jetzt mit einer Klasse der Stemweder-Berg-Schule eine Streuobstwiese mit ökologisch wertvollen Obstsorten an. Das ist toll.

An eigenen Garten denken

Welchen Wunsch hat der Gemeindeheimatpfleger an die Stemweder Lokalpolitik und an die Bürger?

Winkelmeier: Drängend ist meiner Meinung nach mehr Tempo bei dem Thema Radwegebau. Dies gilt vor allem, weil die Gemeinde ja noch attraktiver für den Tourismus werden will. Da wäre es doch sinnvoll, eine Radwegverbindung von der Dümmerregion von West nach Ost durch ganz Stemwede zu führen. An unsere Bürger habe ich die Bitte, zu überlegen, ob in ihrem Garten in Eigeninitiative Flächen für die Artenvielfalt zur Verfügung stehen. Selbst schon die allerkleinste Fläche ist bereits wertvoll und macht persönlich Freude. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Schmetterlinge und Wildbienen wieder zurückkommen. Die Stemweder Heimatpfleger stehen hier gern mit Rat und Tat zur Seite.

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