1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Stemwede
  6. >
  7. »Stemweder Berg ist schützenswert«

  8. >

Kräuterwanderungen mit Inge Uetrecht sind beliebt – Diskussionen am Wegesrand

»Stemweder Berg ist schützenswert«

Stemwede (WB). Viel Kritik von Grundstückseigentümern und Gewerbetreibenden hat es in Stemwede zum geplanten Landschaftsschutzgebiet der Bezirksregierung Detmold gegeben. Doch es gibt auch eine andere Sicht der Dinge. Dies zeigte sich jüngst bei einer Kräuterwanderung durch den Stemweder Berg mit Dr. Inge Uetrecht.

Mareile Mattlage

Dr. Inge Uetrecht (links) präsentiert Tellerkraut. Das »Winter-Portulak« ist als Salatgemüse aus Nordamerika aus den Gärten bis an den Waldrand gewandert. Die Stemwederin gehört zu den insgesamt acht zertifizierten Landschaftsführern des Naturpark Dümmer. Ihre Kräuterwanderungen sind beliebt, an einer kürzlichen Führung nahmen trotz kalten Frühlingswetters etwa 30 Personen teil. Foto: Mareile Mattlage

Die »Stemweder Kräuterfrau« kommt gebürtig aus Drohne, lebt in Arrenkamp und ist promovierte Diplomgärtnerin sowie Pilzcoach und Beauftragte der Naturschutzwacht für den Stemweder Berg und seine Randbereiche (LSG).

Teilnehmerinnen aus Sulingen

Die Kräuterwanderungen mit ihr sind beliebt, zum jüngsten Termin kamen trotz kalten Frühlingswetters etwa 30 Teilnehmer, darunter auch Personen von außerhalb. »Ich habe oft Leute aus den umliegenden Städten dabei«, berichtet Inge Uetrecht (61). Zwei Teilnehmerinnen aus Sulingen waren zuletzt Karina Rosendahl und Heide Brokate. »Die Führung hat uns gefallen. Wir haben viel gelernt«, sagen die beiden Frauen. Dann müssen sie lachen: »Und viel gegessen haben wir auch!«

Grundstückseigentümer und Vereine sind in Sorge

Die Wanderung führte vom Waldlehrpfad des Heimatvereins durch den Haldemer Waldmeister-Buchenwald und teilweise durchs Flora- und Fauna-Habitat (FFH-Gebiet). Was es hier am Wegesrand neben Kräutern und Blüten außerdem gab, waren Gespräche rund ums Thema Landschaftsschutzgebiet. Die Bezirksregierung Detmold plant, für den Stemweder Berg ein Schutzgebiet auszuweisen.

In diesem Zusammenhang werden verschärfte Auflagen befürchtet. Zahlreiche Stemweder Gewerbetreibende und Vereine haben protestiert und ihre Bedenken schriftlich eingereicht (wir berichteten mehrfach).

»Den Stand des Waldes erhalten«

»Ich kann die Sorgen der Stemweder Bürger einerseits verstehen«, äußerte sich Inge Uetrecht, die selbst am Fuße des Stemweder Berges wohnt, im Gespräch mit dieser Zeitung. »Andererseits müssen wir aber auch sehen, dass wir auf keiner Insel leben und der Schutz des Stemweder Berges von überregionalem Interesse ist.« Es gehe laut Einschätzung der Naturführerin vor allem darum, den jetzigen Stand des Waldes zu erhalten – und das sei wegen der hohen Stickstoffbelastung durch Viehhaltung, Verkehr und Industrie ohnehin schon schwierig.

Karina Rosendahl aus Sulingen meinte: »Es lohnt sich, den Stemweder Berg zu bewahren und zu schützen. Ich persönlich würde dafür auch gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen.«

»Wohl keine Einwände gegen Fahrradweg«

Inge Uetrecht merkte zudem an, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass die Bezirksregierung den Naturschutz in der befürchteten Härte durchdrücken wird. »Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Land irgendwas gegen einen Fahrradweg einzuwenden hätte.« Nichtsdestotrotz sei es natürlich richtig und gut, wenn Bürger und Anwohner ihre Bedenken im Vorfeld formulierten.

»Ich denke aber, dass es bei der Ausweitung des Landschaftsschutzgebietes vor allem darum geht, die Menschen zu sensibilisieren und die Achtsamkeit zu steigern«, sagt Inge Uetrecht. Denn: Wenn man in Stemwede aufgewachsen ist, seien einem die vielen kleinen Wunder oft gar nicht mehr bewusst.

Hiesige Naturführer wollen nach eigener Aussage die Augen öffnen für das Unbekannte und Schützenswerte – denn gerade im Naturpark Dümmer gebe es von diesen Wundern eine ganze Menge. Unzählige Schätze für Leib und Seele sind im Stemweder Berg verborgen, wie sich bei der Kräuterwanderung zeigte.

Apotheke Wald

Von Holunder und Waldmeister über Sauerklee und Lungenkraut bis hin zur Heilpflanze Sanikel und dem Scharbockskraut, den früheren »Vitamin-Dragees« der Seefahrer, zeigte Uetrecht, was die »Apotheke Wald« zu bieten hat.

Besonders interessant gestaltete es sich dort, wo unter Rotbuchen und Rotfichten der Waldmeister in voller Blüte stand. Viele Teilnehmer begannen prompt, fleißig zu pflücken. Denn aus Waldmeister lassen sich Bowle oder Tee gegen Kopfschmerzen zubereiten. »Wenn man einen Strauß Waldmeister trocknet, verströmt er einen wunderbaren Duft«, verriet die Naturführerin. Weitere Tipps: Wer selbst Kräuter ernten möchte, sollte dies immer an trockenen Tagen zur Mittagszeit tun.

Ungeliebter Giersch

Wer Giersch im Garten hat, brauche sich nicht zu ärgern. »Giersch lässt sich nicht ausrotten – aber wegessen!«, schmunzelte Inge Uetrecht. Was die zumeist unbeliebten Brennnesseln angeht: Dem mineralstoffreichen Grünkohl ist die Heil- und Gemüsepflanze noch weit überlegen und der Vitamin-C-Gehalt ist viermal höher als in Zitronen.

Startseite