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Zwei Anwohner in Dielingen befürchten Nachteile – 200 Unterzeichner fordern: »Sitzecke schaffen«

Streit um Storchen-Beobachtungsbank

Stemwede-Dielingen (WB). Dieses Fleckchen ist im Sommer ein echter Geheimtipp für alle Spaziergänger, Naturfreunde und Hunde-Gassigänger im großen Dielinger Siedlungsgebiet Koppel: Das Storchenpaar, das auf dem Nest am Eichenkamp brütet, fasziniert viele Menschen.

Dieter Wehbrink

Das Dielinger Storchenpaar im vergangenen Frühjahr: Viele Bürger freuen sich, dass erstmals seit 1971 wieder ein Paar in Dielingen gebrütet hat. Fotos: Dieter Wehbrink Foto:

Gern schauen viele Dielinger am Horst vorbei. Die Ansiedlung des Storchenpaares ist Grund genug für viele Naturfreunde, für die Gemeinde Stemwede und Ortsheimatpfleger Theodor Frenzel sowie die örtliche Storchen-Ansiedlungsinitiative, stolz auf die gefiederten »Neubürger« zu sein. Erstmals seit 1971 brütetet diese Art nämlich wieder im Ort.

Gemeinde müsste lediglich 400 Euro übernehmen

Deshalb reifte die Idee, dem Vorbild vieler anderer Storchendörfer zu folgen. Das heißt: eine Bank samt Info-Tafel aufstellen und somit einen Platz schaffen, von dem sich die Tiere gut beobachten lassen. Dafür würde es sogar einen finanziellen Zuschuss von der NRW-Stiftung und dem Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche« geben. Die Gemeinde müsste lediglich einen Kostenanteil von 400 Euro übernehmen.

Zufällig befindet sich ein ideales öffentliches Plätzchen in der Nähe des Dielinger Horstes, Ecke Eichenkamp/Koppelweg. Eine ältere Sitzbank, von Anwohnern ehrenamtlich aufgearbeitet, gibt es schon, eine zweite könnte hinzu kommen.

Doch die bereits begonnenen Arbeiten zur Anlage dieses Platzes ruhen derzeit. Den Grund erfuhren die Mitglieder des Stemweder Bau-, Planungs- und Umweltausschusses am Mittwochabend von Theodor Frenzel. Demnach haben zwei Anwohner Bedenken gegen die Aufstellung der Bank geäußert. Frenzel hatte mit den Beteiligten gesprochen – mit dem Ziel, eine gütliche Einigung zu erzielen.

»Leider ist kein Konsens gefunden worden«, sagte der Ortsheimatpfleger. Er berichtete von den Sorgen der Kritiker, die Sitzbank-Ecke könnte – Vorfälle am Gemeindehaus lassen grüßen – zum Treffpunkt trinkender und randalierender Jugendlicher werden. »Eine Frau befürchtet Anfälle ihrer blinden und an Epilepsie erkrankten Tochter, wenn dort Unruhe herrscht«, sagte Frenzel. In einem anderen Fall habe eine Familie eine Brandstiftung mit Todesfolge durchlitten. Sie wolle keinen sozialen Brennpunkt am Storchen-Beobachtungsplatz.

Anlieger wollen das Fleckchen ehrenamtlich pflegen

Die zur Pflanzung vorgesehenen Bäume würden Laub abwerfen, habe er sich anhören müssen. Einer der Kritiker habe sich zudem darüber geärgert, dass der Storch das Hausdach mit Kot verschmutze. »Manche Argumente kann man nicht von der Hand weisen«, räumte Frenzel ein und fasste die Kritik der Anlieger zusammen: »Sie beklagen sich, dass sie mit dem Platz vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollen.«

Als der Ortsheimatpfleger seine Ausführung beendet hatte, erlebte der Ausschuss eine Überraschung. Carsten Finger, einer der Anwohner aus der Siedlung und Zuhörer, meldete sich zu Wort: »Wem darf ich diese Unterschriften-Liste übergeben«, fragte er in die Kleine Festhalle Levern hinein. Ausschussvorsitzender Michael Baude erhielt von Finger ein dickes Paket: Mehr als 200 Dielinger, zumeist aus der Siedlung, fordern per Unterschrift, dass die Storchenbeobachtungsecke – wie von der Gemeinde geplant – eingerichtet wird. Die Bänke und das kleine Fleckchen seien eine eindeutige Bereicherung für die Siedlung, sagte Finger. Auch die Tatsache, dass dort Abfalleimer aufgestellt würden, sei zu begrüßen. Die Strecke entlang des Storchenhorstes sei eine stark genutzte Hunde-Ausführstrecke, an der ein Behälter für die Hinterlassenschaften der Vierbeiner sehr zu begrüßen sei. Wie diese Zeitung am Freitag erfuhr, erklären sich Anlieger sogar bereit, das Fleckchen ehrenamtlich zu pflegen.

Der Ausschuss verständigte sich darauf, dass jetzt die Gemeindeverwaltung in Gesprächen versuchen soll, einen Konsens zu erreichen.

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