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Immer noch bilden Trauerschwan und Höckerschwan ein Paar im Ochsenmoor

Ungewöhnliche Liebesaffäre hält an

Stemwede (WB). Bereits im Herbst sorgte das ungewöhnliche Bild für Aufsehen: Ein schwarzer und ein weißer Schwan schwammen eng beieinander auf den Gräben des Ochsenmoores bei Dielingen.

Dieter Wehbrink (Text)und Martin Nobbe (Fotos)

Ein aktuelles Bild von den Ochsenmoor-Wiesen: Der Höckerschwan-Mann und das Trauerschwan-Weibchen sind seit Monaten unzertrennlich. Foto:

Vermutungen, dass es sich bei dem ungewöhnlichen Liebespaar nur um ein kurzes amouröses Abenteuer handeln könnte, scheinen sich nicht zu bestätigen – ganz im Gegenteil. Jetzt, nur wenige Wochen vor dem Brutbeginn der Schwäne, ist das ungleiche Liebespaar immer noch im Ochsenmoor zu beobachten. Es scheint unzertrennlich zu sein.

Vermutlich ausgebüxt

Dabei kommen die neuseeländischen Trauerschwäne und die heimischen Höckerschwäne von zwei völlig unterschiedlichen Kontinenten. Experten sind überzeugt: Der schwarze Schwan, mit ziemlicher Sicherheit ein Weibchen, muss aus einer Ziergeflügel-Haltung oder von einem privaten Teich ausgebüxt sein. Anscheinend fühlt sich die schwarze Neuseeländerin hier in der Dümmerniederung so wohl, dass sie als Pflanzenfresser nicht nur mühelos über den milden Winter gekommen ist, sondern gezielt die Bekanntschaft zu ihrem entfernten wilden weißen Verwandten sucht. So ist das Tier nicht nur mit seinem Partner zu sehen, sondern oft auch in einer ganzen Schar von weißen Schwänen.

Überaus harmonisch ist das Bild, wenn das ungleiche Liebespaar eng an eng auf dem Wasser schwimmt. Wenn es am Grund des Flusses nach nahrhaften Wasserpflanzen und Algen sucht, tauchen Schwarz und Weiß wie auf Kommando ganz nach Schwanenart ihre langen Hälse unter Wasser.

Nummerierter Fußring

Trauerschwäne (Cygnus atratus) sind in Europa in der freien Wildbahn ganz selten anzutreffen. Ihr natürliches Vorkommen liegt in Australien und Neuseeland. Naturfreunde, die den ungewöhnlichen Dümmer-Gast mit dem Fernglas gemustert haben, berichteten dieser Zeitung, dass die Schwänin einen nummerieren Fußring tragen soll. Auch dies wäre ein klarer Hinweis darauf, dass dieser Trauerschwan einst in Gefangenschaft gehalten wurde.

Höckerschwäne (Cygnus olor) hingegen sind Vertreter einer Gattung, die in ganz Europa sehr häufig vorkommt. Deshalb gehört diese Art auch per Gesetz zum jagdbaren Wild.

Unfruchtbare Hybriden

Nachwuchs wird das ungleiche Paar vom Ochsenmoor mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bekommen. Zwar sind sowohl Höcker- als auch Trauerschwäne äußerst liebevolle Eltern, die ihren Nachwuchs bei Gefahr aggressiv verteidigen. Doch Nachwuchs entsteht aus solchen »Liebesaffären« nach Angaben von Wissenschaftlern so gut wie nie – und selbst wenn, dann wären solche Hybriden unfruchtbar. Deshalb sind Naturschützer beim Auftauchen eines Trauerschwans in der freien Wildbahn auch nicht allzu besorgt, dass dieser schwarze Fremde die natürliche Fauna negativ beeinflussen könnte.

Problemfall »Nilgans«

Ansonsten sind fremde Arten ein Problem für das ökologische Gleichgewicht einer Region. Ein Beispiel dafür ist die Nilgans, die vor Jahrzehnten aus reinen Hobby-Haltungen entflog und sich seitdem in der freien Wildbahn rasant vermehrt. Sie frisst den Landwirten – neben der ohnehin schon großen Population von Grau- und anderen Wildgänsen – die jungen Getreidepflanzen weg. Außerdem gelten Nilgänse in der Brutzeit als hoch aggressiv und vertreiben andere Wasservögel.

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