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Fregattenkapitän Dierk Möller-Nolting blieb seinem Heimatort Stemwede trotz entfernter Dienstorte und Seefahrten immer treu

Von Haldem aus auf fast allen Weltmeeren

Stemwede-Haldem

Wenn Dierk Möller-Nolting (49) in seiner Dienstuniform sein Wohnhaus am Schwarzen Weg in Stemwede-Haldem verlässt, um zu seinem Dienstort nach Hamburg zu fahren, staunen zufällig vorbeikommende Passanten nicht schlecht.

Dieter Wehbrink

Fregattenkapitän Dierk Möller-Nolting aus Haldem mit seiner Frau Nicole bei einer Veranstaltung der Deutschen Marine an der Ostsee. Foto: privat

Vor ihnen steht ein Mann in einer akkuraten blau-schwarzen Uniform und weißer Marine-Mütze. Fällt der Blick auf die Schulterklappen von Möller-Nolting, entdeckt man dort drei dicke und einen etwas dünneren goldenen Balken. Wer sich mit den Dienstgraden der Bundeswehr auskennt, der weiß, dass hier ein ziemlich hoher Dienstgrad vor ihm steht.

Häufig unterwegs: Fregattenkapitän Dierk Möller-Nolting. Foto: privat

Dierk Möller-Nolting ist Fregattenkapitän bei der Deutschen Marine. Dieser Offiziersrang entspricht bei Heer und Luftwaffe dem Dienstgrad eines Oberstleutnants. Begibt sich Möller-Nolting auf Dienstreise, taucht er in eine Berufswelt ein, die so ganz anders ist als die der meisten Stemweder. Hier in Haldem ruft ihn jeder „Dierk“, aber im Dienst wird er respektvoll und marinegerecht mit „Herr Kap‘tän“ angeredet.

Ehefrau Nicole (wie ihr Mann in Stemwede aufgewachsen) und die drei Kinder (2, 9, 11) müssen dann einige Tage auf den Ehemann und Vater verzichten. „Das ist nichts Neues für mich und meine Familie“, sagt der Offizier, der seit Dezember 2020 Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist. „Ich hatte trotz weit entfernter Dienststellen und langer Monate auf See immer meinen offiziellen Wohnsitz in Stemwede“.

Dienstellen – da hatte Möller-Nolting viele, wie es für Marine-Offiziere normaler Alltag ist. „Ich pendelte zum Beispiel wochenweise nach Bonn oder Koblenz, zum Marinekommando nach Rostock oder nach Wilhelmshaven“, erzählt der Haldemer. Aber immer ging es zurück nach Haldem, wo er mit seiner Familie im Elternhaus seiner Frau wohnt.

Dierk Möller-Nolting

Möller-Noltings Lebenslauf war in jungen Jahren eher typisch für Stemweder Verhältnisse. Realschule in Wehdem, Ausbildung zum Industriemechaniker bei Lemförder Metallwaren in Dielingen sowie Fachabitur in Lübbecke – diese Stationen waren alle ortsnah. Doch Möller-Nolting hatte da schon weitergehende Pläne. „Ich war schon in jungen Jahren begeistert von der Seefahrt und der Technik bei der Marine. Ich wollte nach der Ausbildung unbedingt zu dieser Waffengattung.“

Gesagt, getan: Im Alter von 21 Jahren folgte 1993 der Dienstbeginn als Zeitsoldat in der Marine. „Damals habe ich mich zunächst für zwölf Jahre verpflichtet“, sagt der Haldemer. Dann begann Schritt für Schritt die Karriere – hier einige Stationen: Am Anfang stand als junger Offiziersanwärter die Marine-Offiziersschule in Flensburg-Mürwik an, dann die – durchaus fordernde – praktische Offiziersausbildung auf dem Segelschulschiff Gorch Fock. Es folgte das Studium Maschinenbau FH an der Universität der Bundeswehr in München (1994 bis 1998) plus eine Fachausbildung zum Schiffstechnikoffizier. Dann begann der Flotten-Alltag in Wilhelmshaven: von 1999 bis 2001 Elektrotechnikoffizier auf Fregatte „Bayern“, von 2001 bis 2003 Antriebsoffizier auf der Fregatte „Köln“ und von 2004 bis 2006 Kompaniechef an der Uni der Bundeswehr im Hamburg.

Von 2006 bis 2008 war Möller-Nolting Schifftechnikoffizier (Leitender Ingenieur) auf der Fregatte „Hamburg“, danach diente er als Ausbildungsleiter am Ausbildungszentrum der Marine in Neustadt/Holstein. Er arbeitete zudem mit in der Entwicklung und Beschaffung neuer Marineschiffe, zuletzt im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn als Referent sowie im Beschaffungsamt in Koblenz. Seit Dezember ist nun die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sein Arbeitsplatz.

Dierk Möller-Nolting

Aber immer zog es ihn in der dienstfreien Zeit nach Haldem. Dort konnte er zuletzt im Herbst 2020 auch das Direktmandat für die FDP bei der Kommunalwahl holen, was sicherlich auch einen Hinweis auf die Verbundenheit mit seinem Heimatort gibt. „Ich konnte während meiner Dienstjahre eigentlich immer am dörflichen Leben teilnehmen“, erinnert sich der Fregattenkapitän. „Als Berufspendler macht natürlich regelmäßiges Fußballspielen beim TuS Stemwede oder der aktive Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr wie in jüngeren Jahren keinen Sinn mehr, aber ich konnte den Vereinen immer verbunden bleiben und darf mich heute im Schützenverein Haldem engagieren.

Möller-Nolting hat sich einen festen Stemweder Freundeskreis erhalten. Und dies, obwohl er auf See schon mal sieben Monate unterwegs war. „Mit der Fregatte ‚Bayern‘ waren wir fünf Monate auf Manöverfahrt zum Flugkörperschießen vor Puerto Rico“, erzählt Möller-Nolting.

„Auf der Fregatte ‚Köln‘ ging es sieben Monate in den Einsatz. Das war 2002, als die Marine mit der halben Flotte an der Operation ‚Enduring Freedom‘ im Indischen Ozean teilnahm, um die Taliban von ihren Nachschubwegen abzuschneiden. Mit der ‚Hamburg‘ fuhren wir zweimal zum Flugkörperschießen nach Südafrika“, sagt der Offizier. „Gerade lange Abwesenheiten funktionieren aber nur, wenn man sich auf ein zu Hause freuen kann. Da schmeckt es immer noch am besten!“ ist sich Möller-Nolting sicher.

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