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Trotz Behinderung: Stefan Röhling hat festen Arbeitsplatz beim Servicehaus Stemwede

Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Stemwede (WB). Stefan Röhling (37) freut sich über seine erste Festanstellung. Er ist seit dem 1. Mai im Servicehaus Stemwede beschäftigt und wurde am Mittwoch in das Team der Einrichtung des Vereins »Lebensperspektiven« übernommen.

Michael Nichau

Stefan Röhling arbeitet am Besprechungsraum in der Vereinszentrale. Integrations-Leiterin Stefanie Fahning-Schwede besucht ihn. Foto: Michael Nichau

Zum ersten Mal verdient Röhling »richtiges« Geld. Vorher war der Mann mit »leichter geistiger Behinderung« bei der Lebenshilfe im Betrieb Mehnenfeld tätig und lebte in einer betreuten Gruppe. Jetzt ist es ihm möglich – mit entsprechender Betreuung – ein eigenständiges Leben in seiner eigenen Wohnung zu führen und – ganz wichtig – am so genannten »ersten Arbeitsmarkt« beschäftigt zu sein.

Integration bei den malern

Möglich gemacht hat dies ein Integrationsprojekt des Vereins Lebensperspektiven mit Sitz in Haldem, zu dem das Servicehaus als eigener Betrieb gehört. Es hat auch Zeit gebraucht, um Stefan Röhling fit für das Arbeitsteam »Maler« zu machen: Ein Jahrespraktikum ( begleitet auch von der Lebenshilfe) und eine Probezeit, bei der Stefanie Fahning-Schwede, Integrations-Fachbereichsleiterin beim Verein, tätig wurde.

Neue Selbstständigkeit

Inzwischen hat sich der junge Mann eingelebt. Er ist zufrieden mit der neuen Selbstständigkeit. Sein Handicap: »Er hat eine verkürzte Auffassungsgabe. Das bedeutet, dass er nicht zehn Aufgaben hintereinander ausführen kann, sondern eine nach der anderen«, erläutert Fahning-Schwede. Er brauche also vermehrte Anleitung.

Einfache Tätigkeiten

Doch das scheint ganz gut zu funktionieren: »Ich reiße dann Tapeten ab, schaffe Material wie Laminat heran und helfe auch bei der Montage etwa von Heizkörpern«, sagt Röhling stolz. Die Handwerkergruppe des Servicehauses renoviert derzeit gerade die untere Etage des Stammsitzes des gemeinnützigen Vereins. »Da muss noch eine Küche eingebaut werden«, sagt er.

Verein hat sich entwickelt

Auch an anderen Stellen im Verein, der in der Vergangenheit mit neuen Betreuungs- und Integrationsprojekten sowie »Flio« in mehreren Kommunen »mächtig expandiert, wie Fahning-Schwede erläutert, habe sich in den vergangenen Jahren, seit der Gründung der ersten Kinderhäuser, sehr viel getan.

Im Wettbewerb

Wer allerdings meint, die Handwerker mit Behinderungen würden nur im eigenen Verein eingesetzt, der irrt sich gewaltig. »Man kann uns buchen, für Hausmeister- und Handwerkerdienste. Und für die Leistungen geben wir genauso Kostenvoranschläge ab wie andere Firmen. Wir müssen uns also auf dem, Markt behaupten«, sagt die Integrations-Fachfrau.

Deutliche Worte

Dementsprechend herrsche im Team schon mal das deutliche Wort: »Ja, es ist schon mal etwas härter im Umgang als früher«, sagt Stefan Röhling. Aber er wolle ja auch korrekt angeleitet werden. Die Arbeiten der Handwerker, zu denen Menschen mit Handicap und Nichtbehinderte gehören, dauern schon mal etwas länger. »Dafür sind sie aber oft auch sehr sorgfältig ausgeführt«, erläutert Fahning-Schwede.

Recht auf Arbeit

Sie betont das Recht der Behinderten auf Arbeit und Teilhabe. Letztlich seien ja alle Betriebe in Deutschland verpflichtet, eine Quote von Integrations-Mitarbeitern zu erfüllen. »Die meisten Betriebe zahlen aber eher den Strafsatz, als Behinderte anzustellen. Sie meinen, diese seien unzuverlässig, würden häufiger krank.«

Kaum Fehlzeiten

Das Gegenteil sei der Fall, bestätigte Stefanie Fahning-Schwede. »Sie sind loyal und die Fehlzeiten liegen im normalen Bereich.« Wohl aber bräuchten diese Mitarbeiter Anleitung und Betreuung wie im Servicehaus, gestand sie zu. Die Häufigkeit dieser Assistenz sei durchaus unterschiedlich: »Manche Leute muss ich zweimal in der Woche besuchen, andere nur einmal im halben Jahr«, schildert sie die Erfahrungen.

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