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Suche nach geeigneten Flächen ist mit Herausforderungen verbunden – Junge Menschen sollen sich im Ort verwirklichen können

Wehdem braucht mehr Bauland – aber wo?

Stemwede

Wo genau in Stemwede-Wehdem soll ein neues Baugebiet entstehen? Darüber wird in der Ortschaft intensiv diskutiert – durchaus auch kontrovers

Dieter Wehbrink

Hier, nördlich der Stemweder-Berg-Straße, könnte im Anschluss an das hinten liegende Siedlungsgebiet ein neues Baugelände entstehen. Foto: Kokemoor

So gibt es Diskussionen, welche der Flächen nördlich der Stemweder-Berg-Straße geeignet sein könnte.

Südlich dieser Straße, direkt an das Wehdemer Siedlungsgebiet Wickenkamp angrenzend, dürfen laut Bezirksregierung keine neuen Bauplätze entstehen. Die Detmolder Behörde argumentiert unter anderem, dass das Land NRW nicht möchte, dass zwei Dörfer, nämlich Wehdem und Westrup, durch so ein Baugebiet zusammenwachsen. An anderen Stellen in Wehdem verhindern Emissionen durch Landwirtschaft oder Gewerbe von vorneherein Bauplätze,

Unstrittig ist allerdings die Notwendigkeit, Bauland auszuweisen. „Eine Ortschaft wie Wehdem, die über eine vielfältige Infrastruktur verfügt, benötigt aus meiner Sicht eine Perspektive“, betont auch Bürgermeister Kai Abruszat auf Anfrage dieser Zeitung. „Wer Interesse daran hat, dass man in einem Supermarkt einkaufen kann, einen Hausarzt vor der Tür hat, einen Kindergarten, der für Betreuung sorgt, und dass andere Bereiche des täglichen Bedarfs vorhanden sind, muss dafür sorgen dass insbesondere jüngere Menschen die Chance haben, im Ort ihren Traum vom privaten Glück zu verwirklichen.“

Deshalb benötige Wehdem zusätzliche Flächen, die für eine Siedlungsentwicklung geeignet seien, betont Abruszat. „Wenn man sich auf einen solchen Konsens verständigt, ist schon viel gewonnen. Ich bin als Bürgermeister überhaupt nicht auf eine bestimmte Fläche festgelegt.“ Er stellt klar: „Es gibt bislang – auch nicht ansatzweise oder im Entwurf – einen Bebauungsplan für irgendeine Fläche. Die Verwaltung hat lediglich potenziell in Frage kommende Flächen mit der Bezirksregierung erörtert. Nur wer Flächen anmeldet, hat auch in einem Zeitkorridor von 10 bis 20 Jahren als Kommune die Chance, etwas zu entwickeln.“

Es müssten auch nicht jene Flächen entwickelt werden, die gemeldet seien, sagt der Bürgermeister. „Es können selbstverständlich auch andere Flächen einer geordneten Siedlungsentwicklung zugeführt werden, die aktuell nicht gemeldet sind oder in Frage kommen.“ Entscheidend sei, dass eine bestimmte Größenordnung an Flächen für einen der Stemweder Siedlungsschwerpunkte – in diesem Fall Wehdem – zu Verfügung stehe. „Für mich zählt das Gemeinwohlinteresse. Ich kann aber auch jeden Bürger verstehen, der sein Privatinteresse im Blick hat. Ich rate dringend dazu, ohne Emotionen, sondern sachlich ergebnisoffen zu diskutieren und eine faire Balance zu finden.“ Genau deshalb habe er eine umfassende Bürgerbeteiligung zugesagt und werde das auch einhalten, bekräftigt Abruszat.

„Die Tatsache, dass wir uns erst im Stadium einer vorbereitenden Verwaltungshandlung befinden, zeigt sich auch daran, dass die Gemeinde überhaupt kein Eigentum an in Frage kommenden größeren Bauflächen in Wehdem hat“, fügt der Verwaltungschef hinzu. „Derzeit ist gar nicht absehbar, dass Flächen kurzfristig verfügbar sind.“

Mit Blick auf andere Standorte sagt Abruszat: „Bei der gesamten Betrachtung sind das Baugesetzbuch und das Emissionsschutzrecht wesentliche Leitplanken unseres Handelns. Gerade aus Gründen des Emissionsschutzes fallen nahezu sämtliche Flächen weg, die südlich der Ortsdurchfahrt Wehdem liegen. Grund ist, dass wir glücklicherweise gerade in Wehdem noch einige landwirtschaftliche Betriebsstätten haben, die mit ihrer Tradition und Arbeit das dörfliche Leben bereichern.“

Aktiv betriebene landwirtschaftliche Flächen oder auch Betriebsstätten, die zwar nicht mehr betrieben, aber noch nicht offiziell aufgegeben worden seien, führten dazu, dass potenzielle Siedlungsflächen im Umkreis solcher Betriebe nicht infrage kämen. „Das gilt sogar dann, wenn Bauwillige schriftlich erklären würden, dass sie sich nicht gestört fühlen, wenn sie in der Nähe von landwirtschaftlichen Betriebsstätten oder Gewerbebetrieben wohnen“, gibt Abruszat zu bedenken.

Nach den Vorgaben der Raumordnung und Landesplanung sei es gesetzlich nicht zulässig, den Wickenkamp als Baugebiet Richtung Westrup zu erweitern, stellt auch der Bürgermeister klar.

Sein Fazit: „Man sieht: Die Herausforderung für Wehdem, geeignete, rechtlich zulässige und von den Bürgern akzeptierte Flächen zu finden, ist groß und bedarf einer sorgfältigen Beratung und Vorbereitung.“ Er richtet einen Appell an die Bürger der Ortschaft: „Ich rate allen interessierten Wehdemerinnen und Wehdemern dazu, über die eigene Dorfgrenze in andere Siedlungsschwerpunkte der Gemeinde zu schauen. Mir ist an einer gleichmäßigen Entwicklungschance für unsere Siedlungsschwerpunkte gelegen. Das setzt aber auch die Bereitschaft vor Ort voraus, sich konstruktiv in einen Entwicklungsprozess einzubringen.“

Er selbst habe sich aktuell sehr für den Standort Wehdem stark gemacht, betont der Bürgermeister: „Dass es gelungen ist, eine Millionenförderung des Bundes für ein Sport-, Jugend- und Freizeitzentrum in Wehdem zu erreichen, ist ein deutlicher Beleg für diese Anstrengungen.“

Ralf Tacke, Vorsitzender des Vereins Leben in Wehdem, nimmt auf Anfrage dieser Zeitung Stellung zur aktuellen Bauplätze-Diskussion. „Uns geht es um den Erhalt der Infrastruktur und um die Entwicklung unseres Dorfes, weil uns derzeit keine Bauplätze zur Verfügung stehen. Wir haben uns daher auch an den Bürgermeister gewandt, um Baugebiete zu entwickeln. Wir hatten zunächst eine Erweiterung an die bestehende Bebauung vorgeschlagen – mehrere kleinere Gebiete, weil wir uns davon eine gute Integration neuer Bürger versprechen. Wir freuen uns schließlich über jeden Neubürger.“ Neubaugebiete – das wisse der Verein mittlerweile – seien nur nördlich der Stemwederberg-Straße machbar, weil es südlich davon wegen der Landwirtschaft keine Alternative gebe. „Außerdem wollten auch wir keine Weiterentwicklung der Baugebiete Wickenkamp/Frickenhake, sodass wegen fehlender Alternativen nur die Flächen nördlich der Stemweder-Berg-Straße bleiben“, sagt Tacke. „Wir begrüßen es sehr, dass der Bürgermeister das Ziel vorantreibt, Bauplätze in Wehdem zu schaffen. Wie von Kai Abruszat angeregt, wünschen wir uns dazu eine Bürgerbeteiligung“, sagt Tacke. „Für uns als Verein ist es derzeit wichtig, dass die endgültige Lage des Baugebietes nördlich der Stemwederberg-Straße ergebnisoffen ist.“

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