Autozulieferer stellt sich für elektrisches und autonomes Fahren neu auf – Jobabbau läuft

ZF am Dümmer im Umbruch

Lemförde/Stemwede

Der Autozulieferer ZF ist durch den Technologiewandel hin zu Elektroantrieben und die Folgen der Corona-Krise zu Anpassungen gezwungen. Besonders auch die fünf Standorte rund um den Dümmer der Division Fahrwerktechnik sollen neu aufgestellt werden. Die Zahl der aktuell 3350 Mitarbeiter in der Region wird sinken. Bereits mehr als 300 Mitarbeiter haben ein Altersteilzeit-Angebot angenommen.

Oliver Horst

Der ZF-Standort Stemwede-Dielingen spielt eine Schlüsselrolle bei der Neuausrichtung der Fahrwerkdivision rund um den Dümmer. Foto:

Dr. Peter Holdmann, Leiter der Division Pkw-Fahrwerktechnik, spricht von wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft: Die Werke sollen digitalisiert werden, viele Produkte für die Ära des elektrischen und autonomen Fahrens umgestellt werden. Dabei komme insbesondere dem Entwicklungsstandort Stemwede-Dielingen und der Konzern-Schwester Lemförder Electronic in Espelkamp eine bedeutende Rolle zu. Gemeinsam mit dem jüngst übernommen Nutzfahrzeugspezialisten Wabco und dessen Standort in Hannover solle die Region zum „Silicon Valley für Fahrwerktechnologie“ werden.

Die noch im Werk Diepholz gebauten Schaltgetriebe etwa seien ein Auslaufmodell. „Elektroautos brauchen keine Gänge mehr“, verdeutlicht Holdmann. Weil für die Batterie im Unterboden aber viel Platz benötigt werde, wachse der Radstand – also der Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse. „Das spricht für eine Hinterradlenkung“, erklärt Holdmann. ZF habe hier gerade eine Innovation in zweiter Generation aufgelegt. Auch Stoßdämpfer, die den Fahrkomfort erhöhen, oder ein System, das einen konstanten Abstand zwischen Fahrbahn und Batteriesystem sichert, zählen zu den Neuheiten. Und die Divison hat erstmals ein reines Software-Produkt verkauft, das alle Fahrwerkeigenschaften steuert. Auch die Entwicklung einer Auto-Plattform werde geprüft.

Digitale Produktion soll Produktivitätssprung bringen

Damit die deutschen Standorte dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben, müsse die Produktivität stärker steigen als die Löhne sich erhöhen, sagt Holdmann. Das Werk Diepholz werde gerade gemeinsam mit Microsoft und der Beratungsgesellschaft PWC zum Pilotprojekt für die digitale Produktion aufgestellt. Dies solle langfristig einen Produktivitätssprung von 15 bis 20 Prozent bringen.

Konzern rutscht in der Corona-Krise in die Verlustzone

2020 verbuchte der ZF-Konzern mit weltweit 153.500 Beschäftigten den ersten Jahresverlust seit langem – auch hohe Aufwendungen für die Transformation zur Elektromobilität und Rückstellungen sorgten demnach für einen Fehlbetrag von 741 Millionen Euro. Der Umsatz sank um elf Prozent auf 32,6 Milliarden. Für das laufende Jahr erwartet ZF einen Umsatzsprung zurück in eine Spanne zwischen 37 und 39 Millliarden Euro und die Rückkehr in die Gewinnzone.

Die Division Pkw-Fahrwerktechnik, die von Dielingen aus mehr als 50 Standorte in 21 Ländern koordiniert, beschäftigt weltweit rund 15.700 Mitarbeiter: Die Sparte erwirtschaftete im Jahr 2020 einen Umsatz von rund 6,7 Milliarden Euro – ein Rückgang zum Vorjahr um rund eine Milliarde.

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