1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Stemwede
  6. >
  7. Zirkus Frankally weiß nicht mehr weiter

  8. >

Jetzt auch noch der Schnee: Bittere Zeiten für die Familie und ihre Tiere in Lemförde

Zirkus Frankally weiß nicht mehr weiter

Lemförde

„Wir sind am Ende!“ Wenn der Zirkus Frankally nicht schnellstmöglich Hilfe bekommt, weiß Direktor Harry Frank nicht mehr weiter.

Heidrun Mühlke

Harry Frank und Sohn Gianni haben alle Hände voll zu tun: Der Schnee, der vom Zeltdach kommt, muss weggeräumt werden, denn die Feuchtigkeit zehrt an der Plane. Foto:

Seit knapp einem Jahr sitzt die Zirkusfamilie coronabedingt in Lemförde fest (wir berichteten am 22. Januar). Die ursprünglich geplante Tournee war ins Wasser gefallen, für die Familie gibt es seither keine Einnahmen mehr.

„Der Wintereinbruch mit dem vielen Schnee und Minusgraden hat uns den Rest gegeben“, sagt Harry Frank bedrückt. Die Lage sei inzwischen wirklich bedrohlich. „Bei minus zehn Grad im Wohnwagen zu leben ist kein Zuckerschlecken. Alles friert uns ein. Wir haben nicht genug Geld, um ausreichend Gasvorräte zum Heizen zu beschaffen.“

Der Schnee drückte auf das Zirkuszelt Foto: Heidrun Mühle

Es seien die Bürger, die helfen würden. Von der Samtgemeinde Lemförde sieht er sich mit seiner Familie im Stich gelassen. „Wir bräuchten wirklich ganz dringend ein festes Winterquartier für uns und unsere Tiere“, macht Frank deutlich. Er wisse von einem leerstehenden Sägewerk im Altkreis Lübbecke sowie von einem ungenutzten Fabrikgelände bei Bohmte. „Wenn wir dorthin könnten, wäre uns unglaublich geholfen“, sagt der verzweifelte Zirkusdirektor.

Der Schnee drücke auf das Zirkuszelt, in dem die Tiere untergebracht sind. „Glücklicherweise haben wir durch viele Spenden Heu und Stroh und für die Tiere genug zu fressen.“ Dennoch würde es den beiden Dromedaren und den fünf Ponys sowie dem Kaninchen in einem festen Stall besser gehen. „Vor allen Dingen müssten wir keine Angst mehr haben, dass der Schnee das Zelt zum Einsturz bringt.“

Die Versorgung der Tiere ist teuer. Foto: Heidrun Mühlke

Ohnehin sei die Unterhaltung der Tiere einer der teuersten Faktoren in der Misere. „Wir tun alles, damit es den Tieren gut geht“, sagt Frank, schließlich gehörten sie mit zur Familie. Die Tierrechtsorganisation PETA habe ihm vorgeschlagen, die Tiere dauerhaft an Lebenshöfe, zoologische Einrichtungen oder geeignete Aufwandstationen abzugeben, um die Versorgung sicherzustellen.

„Aber was sollen wir denn machen ohne unsere Tiere? Zum einen gehören sie zu uns und wir würden alles dafür tun, dass es ihnen gut geht. Zum anderen verdienen wir natürlich mit ihnen unseren Lebensunterhalt, wenn wir wieder Vorstellungen geben können“, beschreibt Frank die prekäre Lage.

Was er und seine Familie bräuchten, sei ein festes Winterlager, wo die Tiere im Stall stehen könnten. Doch die Suche ist bislang erfolglos geblieben.

Harry Frank, seine Frau und die drei Kinder sind sehr dankbar für alle Spenden. Stroh, Möhren, Brot, Gasflaschen, Winterschuhe und vieles mehr kam von den hilfsbereiten Bürgern aus Lemförde und der Umgebung. „Aber von der Gemeindeverwaltung hat sich noch nie jemand bei uns blicken lassen, geschweige denn einmal nachgefragt, wie es uns geht“, bedauert er.

Zwar könne er den Platz an der Unteren Bergstraße am Ortsausgang Lemfördes weiterhin von einem Privatmann kostenlos nutzen, aber es müssten trotzdem Rechnungen bezahlt werden. „Bis Ende des Monats ist die Stromrechnung fällig“, sagt Harry Frank. „Wenn wir nicht zahlen, wird uns der Strom abgestellt. Wir sind völlig unverschuldet in diese große Not geraten. Wir brauchen dringend Hilfe“, appelliert Harry Frank an alle Bürger und Verantwortlichen.

Startseite