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Bürgerdialog zum Medizinkonzept – Sorge um Nachnutzung des Krankenhauses Lübbecke

„Wir brauchen Ersatz“

Lübbecke

70 Zuschauer im Saal, 35 online zu Hause – die Resonanz auf das Angebot eines Bürgerdialogs in Lübbecke war nicht so groß wie erwartet. Immerhin geht es um die Zukunft des Lübbecker Krankenhauses.

Von Friederike Niemeyer

Bürgerdialog zur Zukunft der heimischen Krankenhäuser in der Stadthalle: Dieter Schweppe mahnt an, dass die bisherigen Versorgungsstandards von Lübbecke und Rahden in einem neuen Krankenhaus auch wirklich erhalten bleiben. Foto: Friederike Niemeyer

Die Mühlenkreiskliniken (MKK) planen, durch zwei Neubauten in Bad Oeynhausen und im Altkreis Lübbecke die medizinische Versorgung im ganzen Kreis dauerhaft zu sichern. Eine Grundsatzentscheidung soll in wenigen Wochen fallen. Im Zentrum des Interesses der anwesenden Bürger stand ein Nachnutzungskonzept.

Was heißt zukunftssicher?

MKK-Vorstandsvorsitzender Dr. Olaf Bornemeier sagte gleich zu Beginn: „Wir dürfen uns nicht täuschen, worum es geht. Zukunftssicher, das heißt nicht einfach nur etwas wirtschaftlicher, sondern, dass wir unsere Leistungen überhaupt noch anbieten dürfen.“

Gemeinsam mit Medizinvorstand Dr. Jörg Noetzel stellte er den Anwesenden die Grundzüge des Entwicklungsgutachtens vor. Stärkere Regulierung der Leistungen und des Personalschlüssels durch das Land NRW, Fachkräftemangel sowie der Trend zur ambulanten Behandlung waren die wichtigsten Stichwörter. Das könne bedeuten, dass bestimmte Behandlungen und Operationen sowie ganze Stationen möglicherweise aufgegeben werden müssten, und zwar nicht irgendwann, sondern möglicherweise schon in zwei Jahren.

Jörg Noetzel stellte klar, dass das Krankenhaus Rahden wohl nicht weiter betrieben werden dürfte. „Wenn wir aber zusammenlegen, besteht die große Chance, dass das neue Haus als unverzichtbar gilt.“

Landrätin Anna Bölling unterstützt das Konzept. „Die medizinische Versorgung wird sich im Lübbecker Land verbessern“, so ihre Überzeugung. So werde beispielsweise die Gynäkologie für die Menschen im Norden besser erreichbar werden. Sie habe sich auch mit dem Diepholzer Landrat getroffen, wo man ein zentraleres Haus in Twistringen bereits konkret plane.

Kritik an fehlenden Lösungen zur Nachnutzung

Die Wortmeldungen aus dem Publikum waren zumeist kritisch. Sybille Buchmann etwa beklagte, dass es zwar für Rahden (Stichwort Gesundheitscampus) ein Nachnutzungskonzept gebe, nicht aber für Lübbecke. „Da hätten Sie sich doch schon Gedanken machen können.“

In dieselbe Kerbe schlug SPD-Ratsherr Dieter Erber: „Ohne ein adäquates Nachnutzungskonzept kann es kein neues Krankenhaus geben.“ Schließlich kaufe man sich ja erst dann ein neues Auto, wenn man geklärt habe, was mit dem alten passieren soll. Das griff Vorstandschef Bornemeier auf: „Wir haben einen Paradigmenwechsel, auf den wir reagieren müssen. Wenn ab morgen nur noch E-Autos fahren dürfen, dann kaufen Sie sich eins, egal was mit Ihrem Verbrenner wird.“ Landrätin Bölling griff den Wunsch nach einem Konzept aber auf: „Wir werden uns da gemeinsam mit der Stadt Gedanken machen.“

Dr. Olaf Bornemeier, MKK-Vorstandsvorsitzender

Rainer Biermann-Hilger forderte: „Wir brauchen definitiv Ersatz.“ Das Krankenhaus sei ein Wirtschaftsfaktor und liefere zudem eine tolle Qualität. Dafür gab es „Bravo“-Rufe. Bornemeier blieb nüchtern: „Kämpfen Sie nicht für Gebäudestrukturen. Kämpfen Sie für Versorgungsstrukturen.“

Dies wollte Dieter Schweppe abgesichert wissen: Kardiologie oder auch Onkologie müssten im Altkreis erhalten und die gute Erreichbarkeit gewährleistet bleiben. CDU-Ratsfrau Susanne Kresken nannte „die geringe Haltbarkeit der Gebäude“ erschreckend. Wenn die Versorgung aller Patienten im Mühlenkreis die oberste Priorität habe, habe das Mindener Klinikum den falschen Standort für die Petershäger.

Beispiel Dänemark

Eine unterstützende Stimme gab es auch. Lutz Hennig nannte als Beispiel das dänische Gesundheitssystem. Dort habe man die Hälfte der Krankenhäuser geschlossen, das Personal behalten und so eine höhere Qualität und zufriedene Mitarbeiter erhalten. Sein Plädoyer: „Wir müssen die Standorte attraktiver für Fachkräfte machen.“

Bürgermeister Frank Haberbosch war ebenfalls vor Ort. Er äußerte im Anschluss seine Enttäuschung über die geringe Teilnehmerzahl – Platz für knapp 200 Menschen wäre da gewesen – und eine zu spürende Vorwurfshaltung. „Auch für die Lübbecker Patienten wird es sehr positiv sein, wenn sie weiter nördlich in einem modernen Krankenhaus versorgt werden“, sieht Haberbosch dies als gute Nachricht. Und: „Einen Neubau bekommen wir zu 90 Prozent gefördert, eine Sanierung müssen wir selbst finanzieren.“ Natürlich werde er sich bemühen, einen Standort auf Lübbecker Gebiet anzubieten. „Dazu müssen aber die Rahmenbedingungen passen.“ Es bleibe genügend Zeit, sich zu überlegen, was am Alt-Standort passieren soll.

Die endgültige Entscheidung über die Neubaupläne treffen Ende Oktober die Kreispolitik sowie der MKK-Verwaltungsrat, dem die Landrätin vorsteht und dem zwölf weitere Kreistagsmitglieder verschiedener Fraktionen angehören.

Kommentar von Friederike Niemeyer: 

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