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IHK-Lagebericht belegt schwierige Situation

Wirtschaft steht vor den größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte

Minden/Lübbecke

Energiekosten, Energieversorgungssicherheit, Rohstoff- und Zulieferengpässe, Fachkräftemangel und Inflation machen vielen Unternehmen im Kreis Minden-Lübbecke zu schaffen.

Zu den Unsicherheiten rund um das Thema Energie kommen laut IHK auch der Rückgang der Konsumlaune und etwa schwieriger werdende Kapitalmärkte. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Das zeigt der neue Lagebericht der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). „Die Auswertung der uns vorliegenden statistischer Daten belegt die aktuell schwierige Lage“, erläutert IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting. „Das wird wohl auch in der nahen Zukunft so bleiben, allerdings besteht perspektivisch gesehen durchaus Aussicht auf Verbesserung.“

Rückgang der Konsumlaune

Wie die Szenarioberechnungen der Bundesnetzagentur zeigen, sei je nach Verlauf der Rahmenbedingungen eine Gasmangellage in diesem Winter möglich und die Situation im kommenden Winter 2023/2024 unklar. Zu den Unsicherheiten hinzu kämen laut IHK auch der Rückgang der Konsumlaune und zum Beispiel schwieriger werdende Kapitalmärkte. Verglichen mit den vergangenen Jahrzehnten stehe die gewerbliche Wirtschaft aktuell offensichtlich vor den größten Herausforderungen.

Dabei sei die Betroffenheit der Unternehmen durchaus unterschiedlich. Die Unternehmen arbeiteten an Lösungen, seien aber dort auf staatliche Unterstützung angewiesen, wo der unternehmerische Handlungs- und Entscheidungsspielraum aufhöre. Auf Bundesebene hätten alle von der IHK beobachteten 13 Prognoseinstitutionen für das Jahr 2022 ihre Vorhersagen zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sehr deutlich um 2,4 bis 3,8 Prozentpunkte auf aktuell durchschnittlich nur noch 1,4 Prozent gesenkt.

Bessere Prognosen für 2024

Für 2023 gehen zehn Institutionen von einem BIP-Rückgang zwischen 0,2 und 1,0 Prozent aus, drei Institutionen von einem Rückgang zwischen 1,4 und 3,0 und zwei Institutionen von einem BIP-Anstieg von 0,8 beziehungsweise von 1,3. Besser fallen die sieben bereits vorliegenden Prognosen für das Jahr 2024 aus. Demnach werde ein BIP-Anstieg zwischen 1,5 und 2,8 Prozent erwartet.

Die Ergebnisse der aktuellen Steuerschätzung des Bundes von Ende Oktober 2022 seien laut Bundesfinanzministerium mit Blick auf die hohe Unsicherheit mit großer Vorsicht zu interpretieren. Dazu kämen noch nicht eingeflossene erhebliche Mindereinnahmen durch noch parlamentarisch zu beratende Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen sowie der Bürgerinnen und Bürger.

„Für das Jahr 2022 wird in der aktuellen Steuerschätzung von Oktober 2022 nicht mehr – wie in der Mai-Schätzung – gegenüber 2021 ein Einnahme-Rückgang von 153 Millionen Euro, sondern ein Anstieg von 6,16 Milliarden Euro prognostiziert“, berichtet Hunting. Von 2023 bis 2027 werde in der aktuellen Schätzung durchgehend jedes Jahr wieder ein neuer Steuereinnahmerekord prognostiziert. Für 2022 bis 2024 geht die aktuelle Schätzung gegenüber der letzten Vor-Corona-Schätzung von Oktober 2019 von insgesamt 30,4 Milliarden Euro höheren Gewerbesteuereinnahmen aus. Gegenüber der letzten Schätzung vor dem Ukrainekrieg vom November 2021 geht die aktuelle Steuerschätzung für die Jahre 2022 bis 2024 von insgesamt 29,8 Milliarden Euro höheren Gewerbesteuereinnahmen aus.

Im Jahr 2022 wurden in Minden-Lübbecke bei der IHK bisher 0,3 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge eingetragen als im Jahr 2021, ohne aber das Niveau des Jahres 2019 zu erreichen. „Zur Abdeckung des hohen Fachkräftebedarfs sind deutlich mehr neue Ausbildungsverträge notwendig“, betont der IHK-Zweigstellenleiter.

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