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Altenbekener vergeht sich an der Tochter – Landgericht verhängt Bewährungsstrafe

42-jähriger Vater gesteht 50 Missbrauchstaten

Altenbeken/Paderborn

Es ist eine Geschichte, an deren Ende ein Hoffnungsschimmer erkennbar wird: Das Landgericht Paderborn hat einen Familienvater wegen Missbrauchs seiner Tochter verurteilt – allerdings zu einer Bewährungsstrafe, denn Täter wie Opfer sind offenbar dabei, wieder den Weg zueinander zu ­finden.

Ulrich Pfaff

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

In der Anklageschrift sahen die Vorwürfe massiv aus: Der jetzt 42 Jahre alte Arbeiter sollte sich acht Jahre lang an dem Kind vergriffen haben. Das Mädchen war zu Beginn des Tatzeitraums 2008 erst vier Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft klagte 230 Fälle an, in denen der Altenbekener das Mädchen im Intimbereich angefasst haben sollte – beginnend nach der Trennung von seiner Ehefrau, die mit der gemeinsamen Tochter zunähst noch im selben Ort lebte.

Die regelmäßig mit dem Kind verbrachten Wochenenden habe der Angeklagte für die Missbrauchstaten ausgenutzt – später die Sommerferien, wenn seine Tochter nach einem Umzug längere Zeit in Altenbeken verbracht habe. Erst 2016 offenbarte sich das Mädchen seiner Mutter – und das Ermittlungsverfahren nahm seinen Gang.

Die Zahl der angeklagten Fälle, so Verteidiger Ben Becker im Prozess, sei eine Hochrechnung der Staatsanwaltschaft, „aber eine zu hohe“ – basierend auf der Zahl der Wochenenden und Ferienzeiten, an denen die Tochter beim Angeklagten gewesen sei.

Tatsächlich räumte der 42-Jährige 50 Miss­brauchs­taten ein, die er allesamt bereue. Es habe angefangen mit dem Baden und Abtrocknen des Kindes, er habe spontan einem Impuls nachgegeben, sagte der Vater. Stress auf der Arbeit, persönliche Probleme, die unverarbeitete Trennung hätten ihn belastet, „so nach und nach“ sei ein sexuelles Interesse an dem Mädchen entstanden, „und dann ist die Grenze verschwommen“. Ein Geständnis, das wohl nicht bis ins Letzte die Motivation des Angeklagten erklären konnte, aber einen enormen Wert für das Verfahren hatte, wie Vorsitzender Richter Eric Schülke in der Urteilsbegründung betonte: Denn ohne dieses wäre die Beweisführung sehr schwierig geworden, weil die Ex-Frau des Angeklagten von ihrem Recht Gebrauch machte, die Aussage zu verweigern, und die Tochter selbst auf die Taten auch nicht näher eingehen wollte – weil sie die Erinnerung daran zu sehr belaste.

Dennoch beeindruckte das jetzt 16 Jahre alte Mädchen das Gericht: Es berichtete von den Folgen der traumatischen Erlebnisse, aber auch von der langsamen Wiederannäherung an den Vater. Sie habe ein Kontaktverbot erwirkt, aber sie sei es auch, die selbst entschieden habe, den Kontakt wieder aufzunehmen: Ihr Vater sei zu ihrem Schulabschluss gekommen, auch am Tag vor dem Prozess habe sie sich mit ihm getroffen, begleitet von ihrer Mutter. „Eine bemerkenswerte Tochter mit einer bemerkenswerten Haltung zu den Vorgängen“, konstatierte Schülke.

Ein psychiatrischer Gutachter stellte fest, dass der 42-Jährige nicht pädophil veranlagt sei, allenfalls eine sogenannte „pädophile Nebenströmung“ könnte vorhanden sein.

Der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts war es wichtig, dass der Angeklagte lange vor dem Prozess den Weg in eine Therapie gefunden hatte und diese auch fortsetzen will, zumal der Gutachter einen entsprechenden Bedarf auch festgestellt hat. Im Urteil – eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren – schlug sich auch nieder, dass die Missbrauchstaten keine schwerwiegenden waren.

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