Weiterer Prozess gegen mehrfach verurteilten Sexualstraftäter am Landgericht Paderborn

48-Jähriger aus Altenbeken soll Tochter missbraucht haben

Paderborn/Altenbe...

Ein 48-jähriger Mann soll seine eigene kleine Tochter sexuell missbraucht haben. Die heute 20-Jährige habe gar nicht glauben wollen, was ihr widerfahren sei, sagte die Frau am Mittwoch vor dem Landgericht Paderborn. Das habe sie viele Jahre davon abgehalten, ihren Vater anzuzeigen.

wn

Das Land und Amtsgericht in Paderborn. Foto: dpa

Am zweiten Prozesstag gegen den 48-Jährigen aus Altenbeken hörte das Landgericht das mutmaßliche Opfer. Der Angeklagte, der bereits seit Sommer 2020 aufgrund einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Nachbars­kindern eine mehrjährige Haftstrafe absitzt, schweigt nach wie vor. Seine einzige Äußerung zu den Vorwürfen, die seine Tochter betreffen, war ein wiederholtes Kopfschütteln bei der Anklageverlesung. Also muss die junge Frau, die als Kind einen massiven Übergriff durch den eigenen Vater erlebt haben soll, im Zeugenstand mehrere Stunden der Befragung durch die Strafkammer, durch Staatsanwaltschaft und Verteidigung durchstehen.

Wann sich die Tat ereignet haben soll, bleibt unklar: Es gibt einen Zeitpunkt in der Biografie des 48-Jährigen, den die Tochter benennen kann und vor dem sie Opfer sexueller Gelüste des Angeklagten geworden sein will – das soll 2009 gewesen sein, muss aber von der Strafkammer noch näher durch weitere Zeugen geklärt werden. Unstrittig ist, wann die 20-Jährige ihren Vater bei der Polizei der Tat bezichtigte: Im vergangenen Sommer, nachdem sie von einer Verwandten erfahren hatte, dass der 48-Jährige gerade wieder ins Gefängnis geschickt wurde – bereits 2010 hatte er eine Haftstrafe für Kindesmissbrauch erhalten. Der Hinweis auf eine drohende Sicherungsverwahrung ihres möglicherweise pädophilen Vaters ­habe sie zu der Anzeige bewogen: „Ich habe gedacht, wenn jetzt noch mal eine Anklage kommt, dann wird er vielleicht nicht mehr auf die Öffentlichkeit losge­lassen.“

Warum die junge Frau den Missbrauch aus der Kinderzeit so lange für sich behalten hat, versucht die Kammer zu hinterfragen. Die junge Frau sagt, sie habe erst einmal gar nicht begriffen, was damals in der Badewanne geschehen sei, als ihr Vater sie zum gegenseitigen Waschen aufgefordert und sie dann massiv im Intimbereich angefasst habe. Erst später sei ihr klar geworden, was diese Bilder, die sie dauernd im Kopf gehabt habe, bedeuteten. „Aber ich habe mich nicht einmal getraut, daran zu denken. Das war mein Vater, der würde mich doch nicht anfassen.“

Erst das jahrelange Nachhaken ihrer Mutter, es müsse doch etwas vorgefallen sein, weshalb das Kind Blut in der Unterwäsche gehabt habe, habe sie dazu gebracht, über das Erlebte zu sprechen: „Das ist so lange Thema gewesen, bis ich ihr mit 17 dann gesagt habe, was passiert ist.“ Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

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