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Die Corona-Lage am Samstagvormittag: mit Blick in die Nachbarkreise – keine landesweite „Notbremse“ in NRW

80,9 – Inzidenzwert im Kreis Paderborn stark gestiegen

Der offizielle Sieben-Tage-Inzidenzwert im Kreis Paderborn liegt nun bei 80,9. Das meldete am Samstagmorgen das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) mit Stand 0 Uhr. Gestern war der Wert mit 63,7 angegeben worden, vor einer Wochen mit 60,4 und vor zwei Wochen noch mit 47,4. Der Kreis Paderborn hat landesweit die fünftniedrigste Inzidenz – nach den Kreisen Coesfeld, Höxter und Warendorf sowie der Stadt Münster.

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Ein Arzt hält einen Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Corona-Test gemacht wird (Symbolbild). Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim LZG sind am Freitag 60 Fälle aus dem Kreis Paderborn in die Statistik eingeflossen, davon datiert die Landeseinrichtung in Bochum 16 auf den Freitag selbst. Für die vergangenen sieben Tage werden dort nun 249 Fälle angegeben (Vortag: 206). Die Kreisverwaltung hatte am Freitag zwei weitere Todesfälle und die hohe Zahl von 83 Neuinfektionen bekannt gegeben (Stand 11 Uhr).

Blick in die Nachbarkreise

Der Inzidenzwert in Nordrhein-Westfalen liegt am Freitag bei 123,7 (Vortag: 121,6) und in Deutschland bei 124,9 (119,1). Der Blick in die Paderborner Nachbarkreise ergibt nach LZG-Angaben folgendes Bild: Gütersloh 103,9 (115,9) – Hochsauerlandkreis 104,3 (100,9) – Höxter 62,7 (58,5) – Lippe 230,2 (229,9) – Soest 88,8 (84,5).

Inzidenzwert

Der Inzidenzwert ergibt sich aus der Summe der neuen Coronavirus-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Der offizielle Wert des LZG* (siehe unten „Melde- und Übermittlungsverzug“) ist ausschlaggebend, wenn es in NRW um die Reduzierung von Schutzmaßnahmen oder zusätzliche Schutzmaßnahmen geht. In der ab dem 8. März bis einschließlich 28. März 2021 gültigen Coronaschutzverordnung des Landes sind dabei die Werte von 100 und 50 (Blick auf sieben Tage) von Bedeutung (siehe unten „§ 16: Verfügungen der örtlichen Ordnungsbehörden“).

Hier folgen die letzten sieben Werte des LZG für den Kreis Paderborn: 80,9 - 81,2 - 71,5 - 67,2 - 68,5 - 71,1 - 71,5. Sie sind auf der Website des Landeszentrums aufgelistet und dort über folgende Einstellungen zu finden: „Paderborn > Verlauf > alle Fälle > 7 Tage > pro 100.000“. Zu beachten ist, dass die Werte dynamisch sind; das heißt, dass sie rückwirkend steigen können. Denn das LZG weist den vom Kreis Paderborn übermittelten Fällen das Datum zu, „an dem das zuständige Gesundheitsamt erstmalig von dem betreffenden Fall Kenntnis erhalten hat“.

NRW: keine landesweite Corona-Notbremse – in Paderborn ab Montag „click and meet“

Nordrhein-Westfalen wird trotz rasant steigender Corona-Zahlen ab Montag doch keine landesweite Corona-Notbremse ziehen. Nur in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Wocheninzidenz über 100 müssen unter anderem Läden, Sportstätten und Kultureinrichtungen schließen.

Das geht aus der am Freitag veröffentlichten Corona-Schutzverordnung hervor. Die betroffenen Kreise und kreisfreien Städte dürfen aber Ausnahmen für Menschen mit tagesaktuellem negativem Schnell- oder Selbsttest erlauben. Diese Ausnahme-Möglichkeiten müssen mit dem Gesundheitsministerium vorher abgestimmt werden. ( Hier geht es direkt zur Corona-Schutzverordnung in der ab dem 29. März gültigen Fassung.)

Der Präsident der Intensivmediziner-Gesellschaft DGIIN, Christian Karagiannidis, fordert angesichts der stark steigenden Infektionszahlen einen harten Lockdown und sofortigen Stopp aller geplanten Öffnungsschritte. „Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden“, sagte Karagiannidis, der auch wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters ist.

Die Werbegemeinschaft Paderborn hat ihre Mitglieder am Freitagnachmittag darüber informiert, dass von Montag an nur noch „click and meet“ möglich ist, also das Einkaufen mit Termin. Einkaufen ohne Termin gehe dann nicht mehr. An diesem Samstag aber sei „noch einmal alles beim Alten“, sagte Citymanager Heiko Appelbaum dieser Zeitung. Die Unsicherheit im Einzelhandel sei extrem, beklagte er. Am Freitag noch nicht zu wissen, wie es am Montag weitergehe, sei nicht fair: „Die Politik hat den Einzelhandel im Regen stehenlassen“, sagt Appelbaum.

„NRW setzt auf eine kluge Teststrategie, um Gesundheitsschutz und soziales, gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben zu vereinen“, sagte der Paderborner Landtagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Marc Lürbke am Freitaq. „Ich habe in Düsseldorf mit Nachdruck für einen regional differenzierten Blick auf das Infektionsgeschehen geworben. Für die Menschen im Kreis Paderborn hätte die von der Ministerpräsidentenkonferenz vorgeschlagene landesweite Notbremse ansonsten eine Rücknahme von gleich mehreren Öffnungsschritten bei Handel oder Kultur bedeutet.“

Lürbke weiter: „Ich würde mir aber wünschen, dass der Kreis Paderborn in Abstimmung mit den Kommunen sehr schnell ein Konzept erarbeitet, wie die Öffnungen mit den neuen Möglichkeiten der Schnelltest-Strategie bestmöglich flankiert werden kann. Denn im Falle eines weiteren Anstiegs der Infektionen könnten so vor Ort durch die neuen Landesregelungen weitere Einschränkungen bei Handel, Sport oder Kultur im Kreis Paderborn verhindert werden.“

Impfzahlen

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat es im Impfzentrum des Kreises Paderborn, in der Salzkottener Sälzerhalle, bis einschließlich Donnerstag 18.793 Erstimpfungen (Mittwoch: 17.803) und 4039 (3962) Folgeimpfungen gegeben. Durch mobile Teams sind 8481 Menschen (8028) geimpft worden (Erstimpfung). Die Folgeimpfung haben davon bisher 6439 Menschen (6355) erhalten. Die Alten- und Pflegeeinrichtungen im Kreis Paderborn sind durchgeimpft.

Hinweis auf www.corona-kvwl.de/impfbericht: „Das KVWL-eigene Berichtswesen zum Impfgeschehen wurde auf das bundesweit einheitliche digitale Impfquotenmonitoring des RKI umgestellt. Insofern finden Sie ab sofort in der Liste zu den Impfungen durch mobile Teams ausschließlich eine Gesamtsumme aller durchgeführten Erst- und Folgeimpfungen (hierzu zählen neben den Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen z. B. auch ambulante Pflegedienste und Rettungsdienste).“

Hintergrund

Weitere Informationen

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in OWL, Deutschland und auch weltweit lesen Sie in unserem Newsblog.

Das Paderborner Kreisgesundheitsamt ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 16 Uhr und am Samstag in der Zeit von 12 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05251/3083333 zu erreichen. Beantwortet werden allgemeine Fragen zu Covid-19. www.kreis-paderborn.de/corona. Der Kreis Paderborn hat zudem eine Impfseite www.kreis-paderborn.de/impfen und eine Schnelltest-Seite inklusive Teststellen www.kreis-paderborn.de/schnelltest erstellt.

Unter www.corona-schutzimpfung.de ist ein Informationsangebot abrufbar, das bundeseinheitliche Informationen rund um die Schutzimpfung bereithält und weiter ausgebaut wird. Es gibt auch einen Infoservice per Newsletter. Zudem ist der Informationsservice der Rufnummer 116117 erweitert worden (kostenlos, sieben Tage pro Woche, von 8 bis 22 Uhr). Beantwortet werden dort Fragen rund um Corona-Schutzmaßnahmen und die -Schutzimpfung.

Hier informiert das Land Nordrhein-Westfalen: https://www.land.nrw/corona. Und hier geht es direkt zur aktuellen Coronaschutzverordnung, die ab dem 8. März 2021 gilt. Darin:

§ 16: Verfügungen der örtlichen Ordnungsbehörden

(1) Die Bestimmungen dieser Verordnung gehen widersprechenden und inhaltsgleichen Allgemeinverfügungen der nach § 17 Absatz 1 zuständigen Behörden vor; die Absätze 2 und 3 bleiben unberührt. Unbeschadet davon bleiben die zuständigen Behörden befugt, im Einzelfall auch über diese Verordnung hinausgehende Schutzmaßnahmen anzuordnen. Soweit Regelungen im Wege der Allgemeinverfügung getroffen werden sollen, bedarf diese des Einvernehmens des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

(2) Kreise und kreisfreie Städte, in denen die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner (7-Tages-Inzidenz) nach den täglichen Veröffentlichungen des Landeszentrums Gesundheit nachhaltig und signifikant über einem Wert von 100 liegt, prüfen die Erforderlichkeit über diese Verordnung hinausgehender zusätzlicher Schutzmaßnahmen und können diese im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales anordnen. Die angeordneten Maßnahmen sind im Hinblick auf die Erforderlichkeit fortlaufend zu überprüfen.

(3) Kreise und kreisfreie Städte, in denen die 7-Tages-Inzidenz nach den täglichen Veröffentlichungen des Landeszentrums Gesundheit an sieben aufeinanderfolgenden Tagen und mit einer sinkenden Tendenz unter dem Wert von 50 liegt, können im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales abstimmen, inwieweit Reduzierungen der in dieser Verordnung festgelegten Schutzmaßnahmen erfolgen können.

(4) Ausnahmen von Geboten und Verboten dieser Verordnung können die zuständigen Behörden nur in den ausdrücklich in dieser Verordnung vorgesehenen Fällen erteilen.

Stichwort: Melde- und Übermittlungsverzug

Das LZG führt zum Meldeprozess auf seiner Website folgendes aus: „Dargestellt wird der jeweilige Meldestand, den die Gesundheitsämter entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) anhand der örtlichen Meldungen feststellen und an das LZG übermitteln. Das LZG seinerseits leitet die Daten täglich im Laufe des Abends an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, beide weisen einmal täglich zum Tageswechsel einen aktualisierten Stand aus. Dieser mehrstufige Meldeprozess ist vor allem in den örtlichen Gesundheitsämtern arbeits- und zeitaufwändig und unterliegt einer ständigen Qualitätssicherung. Daher kommt es immer wieder vor, dass die Angaben auf der örtlichen, der Landes- und der Bundesebene nicht vollständig deckungsgleich sind. Insbesondere ist es möglich, dass vor Ort bereits Informationen vorliegen, die noch nicht im Meldewesen weitergeleitet wurden.

Erläuterung des LZG zur Inzidenz: „In die 7-Tage-Inzidenz geht die Anzahl aller Fälle ein, deren Meldedatum innerhalb der vergangenen 7 Tage vor dem Berichtszeitpunkt fällt. Bei der Eingabe von Fällen in das Infektionsmeldesystem wird jedem Falldatensatz ein Meldedatum zugewiesen. Dabei handelt es sich um dasjenige Datum, an dem das zuständige Gesundheitsamt erstmalig von dem betreffenden Fall Kenntnis erhalten hat.“

Das RKI schreibt zu einem möglichen Melde- und Übermittlungsverzug auf seiner Website: „Für die Gesamtzahl pro Bundesland/Landkreis werden die den Gesundheitsämtern nach Infektionsschutzgesetz gemeldeten Fälle verwendet, die dem RKI bis zum jeweiligen Tag um 0 Uhr übermittelt wurden. Für die Darstellung der neuübermittelten Fälle pro Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen (Melde- und Übermittlungsverzug). Jeden Tag werden dem RKI neue Fälle übermittelt, die am gleichen Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind. Diese Fälle werden in der Grafik Neue COVID-19-Fälle/Tag dann bei dem jeweiligen Datum ergänzt.

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