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Vor 75 Jahren trat die Beke fünf Tage über die Ufer – Ortsheimatpfleger Rudolf Koch erinnert sich

Als Altenbeken unter Wasser stand

Altenbeken

Derzeit ist der Ortskern von Altenbeken – wie auch der Rest der Gemeinde – mit Schnee bedeckt. Vor 75 Jahren gab es auch Wasser im Ortskern, allerdings in einem anderen Aggregatzustand: Die Beke ist am 9. Februar 1946 über die Ufer getreten und hat den Ortskern fünf Tage unter Wasser gesetzt.

Sonja Möller

Wie bei einem Fluss schoss das Wasser durch den Ortskern und füllte viele Keller. Foto: Ortsheimatpflege Altenbeken

Ortsheimatpfleger Rudolf Koch ist ein Zeitzeuge, der das damalige Hochwasser in Altenbeken noch hautnah mitbekommen hat. „Die Beke führt derzeit wieder sehr viel Wasser. Das erinnert mich an damals. Da stand hier alles unter Wasser“, erzählt Koch bei einem Spaziergang durch den Ort.

Am Mittwoch, den 9. Februar 1946, setzte starker Regen ein, der bis zum 14. des Monats anhielt. Da das Regenwasser wegen gleichzeitig gefrorenem Boden nicht in die Erde eindringen konnte, schwollen die Bäche im Beketal stark an“, hielt der damalige Chronist Dr. Heinrich Schulze das Ereignis in der Dorfchronik fest.

Weiter heißt es dort: „Die Beke überflutete die Brücke bei der Volksschule, so dass der Unterricht beendet werden musste, damit die Schulkinder unbeschadet nach Hause konnten.“ Rudolf Koch war damals zehn Jahre alt und besuchte ebendiese katholische Volksschule. „Ich weiß noch, wie wir plötzlich alle nach Hause geschickt wurden, weil das Wasser kam.“

Im Bekebach hatten sich große Kiesmassen angesammelt, sodass der „Bach“ als reißender Fluss durch die Kreisstraße floss. „Die Schäden waren sehr groß, und manche Häuser waren tagelang umflutet. Die Pflasterung der Kreisstraße und auch die Gehwege wurden durch die Wassermassen mitgerissen“, erzählt Koch.

Fünf Tage stand die Kreisstraße im Ortskern von Altenbeken unter Wasser. Keller waren vollgelaufen. Foto: Ortsheimatpflege Altenbeken

Die direkt betroffenen Anwohner traf dieses Wetterereignis hart. „Viele lagerten ja im Keller ihre Lebensmittel, die in den Nachkriegsjahren sehr knapp waren. Kartoffeln, Eingemachtes oder der Schinken. Und all das verdarb in den vollgelaufenen Kellern“, schildert Rudolf Koch die Auswirkungen. „In der Zeit kurz nach Beendigung des Krieges war dieses besonders schlimm“, schrieb auch der einstige Chronist Heinrich Schulze.

Doch nicht nur die Anwohner waren von der weitläufigen Überflutung stark betroffen. Auch die Bahnreisenden kamen nicht weiter, weil das Wasser in der Nähe des Eisenbahnviaduktes die Straße überquerte. Und da der Viadukt noch nicht wieder befahrbar war, mussten die Reisenden in langen Reihen vom Bahnhof kommend, bereitgestellte Fuhrwerke der heimischen Bauern benutzen. Die brachten sie dann zu „Altenbeken West“, wo sie wieder in einen Zug einsteigen konnten. Rudolf Koch erzählt: „Manche Last musste mühsam die 120 Stufen der Treppe, die hier notdürftig angelegt war, hinaufgeschleppt werden. Dieses wird wohl manchem Reisenden von Rhein und Ruhr noch lange in Erinnerung bleiben“, schrieb Chronist Schulze in der Chronik weiter.

Die Beke führt wieder viel Wasser. Das erinnert Ortsheimatpfleger Rudolf Koch an das Hochwasser 1946, als der Ort fünf Tage unter Wasser stand. Foto: Sonja Möller

Ortsheimatpfleger Rudolf Koch sagt heute: „Es war die größte Überschwemmung, die Altenbeken erlebt hat.“ Das Wasser blieb fünf Tage. Am 14. Februar 1946 konnte das Unterdorf wieder betreten werden. Dann trat das ganze Ausmaß der Katastrophe zutage.

Die Gemeinde habe damals für die Schäden 7000 Reichsmark an die Anlieger der Beke gezahlt. Der Chronist schreibt dann den Schlusssatz in die Gemeindechronik: „In diesem traurigen Nachkriegsjahr ist diese Überschwemmung für alle sehr tragisch, aber trotz dieser Naturgewalten werden wir mit Gottes Hilfe auch dieses meistern.“

Als in den achtziger Jahren der Ortskern saniert wurde, wurde die Beke von der Höhe des heutigen Markant-Marktes bis zum Kirchplatz als Kanal begradigt. 2012 wurde dies rückgängig gemacht und die Beke auf einer Länge von 600 Metern renaturiert. Danach konnten innerhalb von 30 Sekunden 16 Kubikmeter Wasser durch den Ort fließen, was dem gesamten Wasser im Altenbekener Hallenbades entspricht. Die Investition von zwei Millionen Euro wurde zu 80 Prozent mit Landesmitteln finanziert.

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