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Juso-Chef Kevin Kühnert unterstützt die SPD in Altenbeken und Paderborn im Wahlkampf

Der Hoffnungsträger

Altenbeken/Paderborn (WB). Kevin Kühnert kommt mit dem Zug aus Bielefeld, wo er am Freitag einen Wahlkampfauftritt hatte. Als er die Treppe von den Gleisen zum Bahnhofsvorplatz in Altenbeken heruntergeht, brandet spontan Applaus auf. Für die etwa 70 Zuhörer spielt es keine Rolle, dass der 31-jährige Berliner noch kein einziges Wort gesprochen hat. Bei den Sozialdemokraten ist die Sehnsucht groß nach einer Führungs­figur, nach einem, der der Partei wieder ein Gesicht gibt. Genau das macht der noch amtierende Juso-Chef und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende. Er verschafft der Partei Profil, in einer Zeit, in der sich viele Menschen und selbst so manche Genossinnen und Genossen fragen, wofür die SPD eigentlich steht.

Matthias Band

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Altenbeken spricht Juso-Chef Kevin Kühnert vor etwa 70 Zuhörern. Der Berliner kommt gut an bei den Menschen. Nach seinem Vortrag wollen viele noch ein Selfie mit dem 31-Jährigen. Foto: Matthias Band

Kevin Kühnert lobt SPD-Bundeskanzlerkandidat Olaf Scholz

Kühnert, der in den nächsten Bundestag will, lobt die neue Einigkeit in der SPD. Olaf Scholz halte er für einen guten Kanzlerkandidaten. Dass auch er jetzt Scholz unterstütze, hänge damit zusammen, dass der Vizekanzler in der Corona-Krise maßgeblich den Takt vorgebe. Scholz habe erkannt, was notwendig sei und sich von der „Schwarzen Null“ verabschiedet. Ohnehin habe die SPD die drängendsten Fragen der Sozialdemokratie geklärt. Kühnert: „Wir haben ein umfassendes Sozialstaatskonzept vorgelegt. Wir brauchen ein Bildungssystem ohne Gebühren. Jedem Kind müssen wir die gleichen Chancen bieten. Das geht. Bundesweit.“ Die Zuhörer klatschen. Kühnert kommt gut an bei den Menschen.

Die SPD werde die Kindergrundsicherung einführen. „Wir haben eine junge Generation, der es nicht mehr besser geht als den Eltern. Wir wollen keine befristeten Arbeitsverträge mehr. Das alles haben wir in dem Konzept festgehalten“, betont der Juso-Chef. Die SPD habe sich in der Corona-Krise für Solo-Selbstständige eingesetzt und den Weg in die Grundsicherung ohne Vermögensprüfung freigemacht. Auch beim Thema Mieterschutz sei die SPD vorangegangen. „Niemand fliegt wegen Corona aus der Wohnung raus“, sagt Kühnert. Das Leben solle auf dem Niveau weitergehen wie vorher und nicht drei Etagen tiefer.

SPD will Rechtsanspruch auf Qualifizierung, Weiterbildung und Arbeit

„Wir wollen einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung, Weiterbildung und Arbeit.“ Für Menschen, die wie etwa in der Lausitz vom Kohleausstiegsgesetz oder generell vom Strukturwandel oder der Automatisierung betroffen seien, müsse der Staat berufsbegleitend Umschulungen anbieten. „Auch für über 50-Jährige. Wir müssen doch jedem in dieser Gesellschaft noch eine Aufgabe geben, solange er das noch machen will.“ Dafür zu sorgen – das sei Aufgabe der Sozialdemokratie.

Ingo Stucke, SPD-Bürgermeisterkandidat in Altenbeken, nimmt Kühnerts Aussagen gerne auf. „Ich spüre eine neue Einigkeit in der SPD und Rückenwind aus Berlin“, sagt Stucke. SPD-Landratskandidat Wolfgang Weigel sagt: „Wir merken, da ist ein Ruck im Kreis Paderborn spürbar. Wir haben sehr viel Zuspruch. Die Menschen haben den CDU-Klüngel satt.“

Für Kühnert geht es weiter nach Paderborn. Auf der Treppe zum Franz-Stock-Platz sitzen etwa 100 Menschen. Gespannt warten sie auf den Juso-Chef. Liz Steiner ist neugierig. „Mein Freund ist in der SPD. Aber ich bin auch hier, weil meine Mutter Kevin Kühnert kürzlich in einer Talkshow gesehen hat und sie war ganz begeistert. Und das, obwohl sie eigentlich CDU-Anhängerin ist. Da habe ich mir gedacht, ich höre mir mal an, was er zu sagen hat. Und wer weiß, wo Kevin Kühnert in ein paar Jahren steht“, erzählt die 25-jährige Sozialpädagogin.

Auf der Treppe zum Franz-Stock-Platz haben Kevin Kühnerts Zuhörer Platz genommen. Etwa 100 sind gekommen. Wegen der Corona-Schutzverordnung sitzen sie auf Abstand und verteilt. Foto: Matthias Band

Kühnert legt sofort los. Er spricht prägnant und bringt die Dinge auf den Punkt. „Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum für die Menschen. Grund und Boden muss in kommunaler Hand bleiben“, fordert er. Die Mieten seien zu hoch. Die SPD mache sich für einen kommunalen Bodenfonds stark, damit Kommunen wieder Grund und Boden kaufen könnten. Menschen, die mit Bodenspekulation reich geworden seien, wolle die SPD hingegen das Geschäftsmodell kaputt machen. Der sogenannte Planwertzuwachs, der anfällt, sobald eine Kommune Bauland ausweise, solle für die Allgemeinheit abgeschöpft werden. Zudem müsse der Bund hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme greifen. Das Kurzarbeitergeld solle wegen Corona auf 24 Monate ausgedehnt werden. „Es ist unsere Aufgabe, Existenzen zu schützen. Da trifft Arbeitnehmer und Arbeitgeber keine Schuld.“

Martin Pantke: „Bezahlbarer Wohnraum gehört zur DNA der SPD“

Paderborns SPD-Bürgermeisterkandidat Martin Pantke greift unter anderem das Thema Mieten auf. „Bezahlbarer Wohnraum gehört zur DNA der SPD“, sagt er. „Bei uns in Paderborn müssen alle ein Zuhause haben, auch die, die in prekären Verhältnissen leben.“ Paderborn müsse eine Großstadt der „guten Nachbarschaft“ bleiben. Er wolle sich für die Kulturschaffenden einsetzen, die durch die Corona-Krise sehr gelitten hätten. Darüber hinaus brauche Paderborn weitere Maßnahmen für den Klimaschutz. Der Klimaschutz müsse aber auch sozial gelingen. Panktke: „Die SPD in Paderborn steht zur Windenergie und weist populistische Äußerungen der Grünen zurück.“

Kühnert betont, dass die SPD aus ihren Wahl­niederlagen gelernt und die Fehler, die gemacht worden seien, analysiert habe: „Wir machen die eigene Kampagne nicht mehr durch eigene Fehler kaputt. Das verspreche ich Euch! Nach 16 Jahren CDU im Kanzleramt ist die Zeit für einen Wechsel reif.“ Dann muss er weiter. Der nächste Auftritt in Bad Salzuflen steht auf dem Programm.

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