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Landschaftsplan Altenbeken in Kraft getreten: 53 Prozent der Gemeindefläche sind Naturschutzgebiet

„Deutschlandweit eine Besonderheit“

Altenbeken

Zwischen der ersten Bürgerversammlung und dem Inkrafttreten liegen rund drei Jahre intensiver Arbeit durch die Naturschützer und Landschaftsplaner beim Umweltamt des Kreises Paderborn: Auf 177 Seiten sind im Landschaftsplan Altenbeken alle schutzwürdigen Landschaftsteile der Gemeinde aufgeführt.

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Die Naturwaldzelle Ochsenberg ist mehr als 18 Hektar groß und dient wissenschaftlicher Forschung. Die Fläche bietet wertvolle, selten gewordene Lebensräume für Totholz- und Altholzlebensgemeinschaften. Foto: Marion Wessels

„Naturschutzgebiete machen nun einen Anteil von 53 Prozent der Gemeindefläche aus. Damit hat die Gemeinde Altenbeken nicht nur kreisweit den höchsten Anteil an Naturschutzgebieten, sondern dürfte auch deutschlandweit eine Besonderheit sein“, unterstreicht Landrat Christoph Rüther.

Auch Altenbekens Bürgermeister Matthias Möllers freut sich über das Ergebnis: „Wir sind stolz auf die naturnahen Erholungsmöglichkeiten, die unsere Gemeinde auszeichnen. Der Landschaftsplan hebt diese Eigenschaft noch einmal deutlich hervor und gibt uns Planungssicherheit, um die zukünftige Gemeindeentwicklung und den Schutz unserer heimischen Natur in Einklang zu bringen.“

Insgesamt sind mit dem Landschaftsplan in Altenbeken zwölf Naturschutzgebiete mit einer Gesamtgröße von etwa 4.055 Hektar, drei Landschaftsschutzgebiete auf einer Fläche von 2.500 Hektar sowie sechs geschützte Landschaftsbestandteile und elf Naturdenkmäler ausgewiesen. Von großer Bedeutung sind besonders die Natura 2000-Gebiete „Egge“ und „Stollen am großen Viadukt westlich Altenbeken“.

Die westliche Egge mit ihrem Vorland gehört in Nordrhein-Westfalen zu den ursprünglichsten Naturräumen. Sie ist Teil eines der 30 in Deutschland vorhandenen Hotspots der biologischen Vielfalt. „Die großen und zusammenhängenden Wälder sind Lebensraum für seltene Arten wie Wildkatze, Schwarzstörche und Fledermäuse“, weiß Susanne Pöhler, Sachgebietsleiterin für Naturschutz beim Kreisumweltamt.

Seltene Wildkatze findet in der Egge ihren Lebensraum

Neu als Naturschutzgebiet ausgezeichnet wurde der Sandstein-Höhenzug des Eggekams im Osten des Gemeindegebietes. Mit 1.968 Hektar ist es zugleich das größte Naturschutzgebiet im Kreis Paderborn. „Auch, wenn die Wälder mit ihren abgestorbenen Fichten im Moment einen traurigen und vielleicht wenig naturschutzwürdigen Eindruck hinterlassen, ist der Eggekamm in verschiedenster Hinsicht etwas ganz Besonderes: Er ist Lebensraum zahlreicher Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, ökologisches Verbundelement zwischen den großen Waldgebieten im Norden und Süden“, erläutert Susanne Pöhler. So könne die seltene Wildkatze in der Egge noch einen geeigneten Lebensraum finden.

Außerdem weist der Eggekamm einzigartige geologische, landeskundliche und archäologische Elemente, wertvolle Lebensräume wie Relikte von Altbuchenbeständen sowie kleinflächige Moorstandorte auf, und er dient dem Schutz, der Qualitätsverbesserung und Regeneration von Böden, Luft, Klima und Gewässern, darunter der Grundwasserneubildung und damit auch Trinkwassergewinnung.

Ein Gebot im Landschaftsplan ist unter anderem, dass der Anteil an Laub- und Laubmischwäldern aus standortheimischen Laubbaumarten auf 50 Prozent erhöht werden soll. Das bietet die Chance zur Entwicklung forstwirtschaftlich nutzbarer, aber gleichzeitig auch klimastabiler Laub- und Mischwaldgesellschaften. In den kommenden Jahren sollen im Einvernehmen mit den Eigentümern nach und nach die im Plan für die Landschaft festgesetzten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen umgesetzt werden.

Der Lebensraum Wald bietet auf Altenbekener Gebiet viele Ecken zu entdecken. Foto: Marion Wessels

Mit dem Inkrafttreten des Landschaftsplans in Altenbeken endet ein dreijähriger Prozess. Im Oktober 2017 stellte das Kreisumweltamt in einer Bürgerversammlung erste Vorschläge für die Abgrenzung der Schutzgebiete vor. Nach der Bürgerbeteiligung überarbeitete das Kreisumweltamt den Entwurf, legte diesen im März und April 2020 öffentlich aus. Über den gesamten Aufstellungszeitraum gab es eine intensive Abstimmung mit der Gemeinde Altenbeken und Vorstellungen des Bearbeitungsstandes im Gemeinderat. Der Plan wurde Ende 2020 von den verschiedenen politischen Gremien des Kreises genehmigt und von der Bezirksregierung Detmold bestätigt. In Kraft getreten ist er am 10. Februar 2021.

Die Unterlagen zum Landschaftsplan Altenbeken sind digital auf der Internetseite des Kreisumweltamtes unter www.kreis-paderborn.de eingestellt. Auch das Geoportal wird in Kürze angepasst. In analoger Form kann der Landschaftsplan Altenbeken im Umweltamt im Paderborner Kreishaus, Aldegreverstraße 10-14, während der Dienststunden eingesehen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies derzeit ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 05251/3086611 möglich.

Fragen zu Festsetzungen, Zielen und Maßnahmen im Landschaftsplan Altenbeken beantworten Susanne Pöhler, Tel. 05251/3086605, und Susan Mende, Tel. 05251/3086651 beim Kreisumweltamt.

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