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Lilienhahnquelle stillgelegt: Ortsheimatpfleger verärgert – Gemeinde verweist auf eklatante Zustände

„Ehrenamtliche Arbeit ist zerstört worden“

Altenbeken (WB). Die Gemeinde Altenbeken hat – wie berichtet – die Lilienhahnquelle am Driburger Grund nahezu trockengelegt, um dem Wassertourismus Einhalt zu gebieten. Das ärgert Ortsheimatpfleger Rudolf Koch: „Die Quelle ist total demoliert. Man hat dicke Steinbrocken hineingeworfen und das Hinweisschild entfernt. Die ganze ehrenamtliche Arbeit ist hierdurch zerstört worden“, sagt er.

Sonja Möller

Altenbekens Ortsheimatpfleger Rudolf Koch steht fassungslos vor den dicken Steinbrocken, die den Wasserfluss der Lilienhahnquelle am Driburger Grund verschließen. Foto: Sonja Möller

Das Wasser der Lilienhahnquelle genießt den Ruf, eine heilende Wirkung zu haben. Belegt ist dies nach Angaben der Gemeinde nicht. Es handele sich nicht einmal um geprüftes Trinkwasser. Doch der Aberglaube zieht Menschen aus Gütersloh, Bielefeld oder sogar Osnabrück an, die große Kanister mitbringen. Derzeit ist ein Abfüllen nicht mehr möglich. Dicke Steinbrocken in der gemauerten Einfassung versperren den nur noch tröpfelnden Wasserstrahl.

„Man kann doch nicht einfach den Zugang zum Wasser schließen“

„Das geht doch nicht! Man kann doch nicht einfach den Zugang zum Wasser schließen“, sagt Rudolf Koch. Der 85-Jährige war bei der Einweihung der Lilienhahnquelle am 4. Juni 1989 dabei und hat den Findling aus dem Eggewald enthüllt. In der Chronik der Gemeinde findet sich der Hinweis, dass Eduard Klahold, Schützenbruder der Bollerborner Schützen, das Bronzeschild mit der Aufschrift der Quelle gestiftet hatte. „Das Schild ist auch weg. Das hat die Gemeinde abgeschraubt“, ist Koch überzeugt.

Die Argumente, dass täglich Autokolonnen zum Wasserabzapfen kämen und Forstarbeiter behindern würde, hält er für falsch: „Hier ist doch genug Platz, so dass alle forstwirtschaftlichen Fahrzeuge an den Autos vorbeikommen. Wo ist denn das Problem, dass die Leute hier das Wasser holen?“ Auch das Müllproblem auf der gesamten Anlage ordnet Koch nicht den Wasserholern zu, sondern den vielen Familien und Gruppen, die auf der Anlage verbotenerweise grillen würden.

Rudolf Koch ist überzeugt, dass die Stilllegung so hätte nicht erfolgen dürfen: „Bei so einer Vernichtung ehrenamtlicher Arbeit muss doch der Gemeinderat eingebunden werden.“ Außerdem sei das Problem jetzt nur verlagert. Die Wasserholer würden 600 Meter weiter in den Wald gehen oder fahren und an der schwer zugänglichen Max-und-Moritz-Quelle Wasser abfüllen.

Bürgermeister Hans Jürgen Wessels beklagt eklatante Zustände

Bürgermeister Hans Jürgen Wessels ordnet die Situation auf Anfrage anders ein: „Wir reden hier über eine ordnungsrechtliche Entscheidung. Das Regionalforstamt Hochstift als Eigentümer der Fläche hat uns darauf hingewiesen, dass die Zustände am Driburger Grund unhaltbar sind: Müll, überall verrichtete Notdurft und Fahrzeugkolonnen. Wir mussten etwas ändern, sonst wäre die Pacht nicht verlängert worden.“ Wessels schildert, dass die Wasserholer dort oft über Stunden abzapfen würden und währenddessen ihre Notdurft entlang der Seitenwege verrichteten. „Ich habe auch selbst Wasserholer erwischt, die ein Feuer gemacht haben, um sich während der Abzapfzeit einen Tee zu kochen. Und das in einem extrem trockenen Sommer bei erhöhter Waldbrandgefahr! Die Forst hatte riesige Sorgen vor einem Brand“, sah Wessels dringend Handlungsbedarf.

Es gehe überhaupt nicht darum, die Quelle dauerhaft stillzulegen. „Das Gelände ist für Kinder und Familien zum Spielen und Erholen gedacht, die sich auch gerne eine Flasche Wasser abzapfen können. Aber hier kommen von morgens 5 Uhr an Leute aus ganz OWL mit 100-Liter-Kanistern, die sie stundenlang abfüllen.“ Die Verdreckungssituation im Umfeld habe die Attraktivität der Freizeitanlage erheblich gesenkt. „Unser Ziel ist nicht, das Wasserzapfen auf Dauer zu unterbinden, sondern verträgliches Schöpfen zu ermöglichen“, erläutert Wessels.

Die Gemeinde will die Wasserzapfstelle aufwerten

Die Gemeinde will die Wasserzapfstelle aufwerten und in eine naturnahe Quelle umgestalten: „Aber es war unmöglich, dort Arbeiten durchzuführen. Die Mitarbeiter des Bauhofs sind teilweise sogar tätlich angegriffen worden. Und bereits erledigte Arbeiten wurden über Nacht wieder zerstört“, berichtet Fachbereichsleiterin Marion Wessels.

Wenige Meter hinter der Lilienhahnquelle ist eine Schranke. Schilder weisen auf das Durchfahrtsverbot des privaten Weges hin. „Wir haben auch überlegt, diese zu versetzen, so dass keine Autos mehr zur Quelle hochfahren können. Aber aufgrund der Holzabfuhrtransporte ist die Schranke fast immer offen“, erläutert die Tourismus-Chefin: „Das würde nichts bringen.“ Wo das Schild von der Einweihung geblieben ist, dazu kann die Gemeinde keine Angaben machen: „Wir haben nichts entfernt. Da war kein Schild“, sagt Marion Wessels.

Bollerborner Schützen beklagen viel Müll

Von viel Müll berichten auch die Bollerborner Schützen: „Wir kümmern uns seit der Einweihung am 4. Juni 1989 um die Quelle und die Pflege der Anlage“, sagt Hauptmann Markus Löhle auf Anfrage. Von der Stilllegung habe er durch Hallenwart Oliver Kivelitz erfahren, der von Steinbrocken berichtete: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Gemeinde uns über die Stilllegung informiert“, sagt Löhle. Diese hält er für die richtige Maßnahme: „Autos rasen hier hoch zur Quelle, bringen Müll und Sperrmüll mit und entsorgen ihn.“

Davon kann auch Oliver Kivelitz ein Lied singen, der sich um Vermietung und Zustand der Eggelandhalle kümmert: „Wir haben hier zwei Müllcontainer für Nutzer der Halle. Die werden einfach von Wasserholern gefüllt. Ich habe sie selbst mehrfach erwischt, als sie Müll und Sperrmüll abgestellt haben.“ Markus Löhle sagt dazu: „Neulich lagen alte Autoreifen darin. Das ist Sondermüll! Im Grunde ist es gut, dass die Quelle jetzt erstmal zu ist.“

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