1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Altenbeken
  6. >
  7. Fahrverbot für Motorräder droht

  8. >

Kreis misst zu hohe Lärmwerte entlang der Strecke von Altenbeken nach Langeland

Fahrverbot für Motorräder droht

Altenbeken (WB/per). Die kurvenreiche Landstraße 775 zwischen Langeland und Altenbeken wird häufig und gern von Motorradfahrern genutzt – mitsamt Begleiterscheinungen, die Anwohner ärgern: Tempoverstöße und vor allem Lärmbelästigung. Das bestätigen jetzt auch Messungen des Straßenverkehrsamtes. Der Kreis erwägt deshalb ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen.

Die Strecke zwischen Altenbeken und Langeland ist bei Motorradfahrern beliebt. Foto: Per Lütje

Die idyllisch gelegene Strecke durch den Wald ist oftmals zudem Schauplatz von spontan verabredeten Wettrennen. Die Anwohner ärgern sich seit Jahren über den Motorradlärm. Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 70 Stundenkilometer, Dialog-Displays, Polizeikontrollen und der Einbau von Bodenwellen zeigten nicht die gewünschte Wirkung. Insbesondere bei schönem Wetter brettern die Motorradführer nach wie vor über die Piste. Also genau zu jenen Zeiten, wenn auch die Anwohner zu Hause sind und sich ohne Lärmkulisse erholen möchten.

Im Oktober 2015 plante der Kreis Paderborn deshalb, die Strecke an den Sommer-Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer zu sperren. Nach Rücksprache mit der Bezirksregierung Detmold veranlasste Landrat Manfred Müller im Zeitraum vom 29. April bis zum 12. Mai dieses Jahres eine Verkehrszählung verbunden mit einer Lärmmessung am Ortsausgang Altenbeken Richtung Langeland, um die Verkehrsanordnung rechtlich abzusichern.

Die Ergebnisse des Gutachtens liegen nun vor: Im Untersuchungszeitraum befuhren 10 701 Autofahrer und 2806 Motorradfahrer die L 775. Gut jeder fünfte Verkehrsteilnehmer (20,33 Prozent) war ein Motorradfahrer. Dieser Motorradanteil liegt deutlich über dem üblichen Verkehrsaufkommen. »Die freien Tage in den Sommermonaten sind eindeutig motorradlaut. An den Messstellen wurden beträchtliche Lärmwerte festgestellt«, sagt Angie Reeh, Leiterin des Paderborner Kreisstraßenverkehrsamtes.

Erstmalig zum Einsatz kam eine Messtechnik der Bad Lippspringer Firma RTB, bei der das aufzeichnende Gerät direkt in die Leitpfosten integriert wird. Das Verfahren ist sehr genau, die Datenauswertung dafür aber auch sehr zeitaufwendig.

Der Gutachter stellte fest, dass nicht immer die schnellsten Motorräder auch am lautesten waren. Vereinzelt wurden auch bei Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern Werte von 100 Dezibel gemessen. Der höchste gemessene Lärmwert betrug 104 Dezibel. »Natürlich sind die Lärmwerte an der Messstelle direkt an der Straße nicht dieselben wie in den Anliegerstraßen«, erläutert Reeh. Gleichwohl sorge die Topographie des Geländes dafür, dass sich der Schall massiv in die Nachbarstraßen übertrage. Zudem wird der Motorradlärm (Gas geben bei Beschleunigungsvorgängen) deutlich unangenehmer empfunden als Auto-Lärm, der eher einem Grundrauschen ähnelt.

Wenn man von ordnungsbehördlicher Seite aus den fließenden Straßenverkehr unterbrechen wolle, so müsse das so gut begründet sein, damit das Verbot einer gerichtlichen Überprüfung standhalte. Die Anliegen der Verkehrsteilnehmer und der Anwohner müssen nach Mitteilung von Kreissprecherin Michaela Pitz sorgsam gegeneinander abgewogen werden. »Die bisherigen Maßnahmen haben nicht gereicht. Wir sehen in einer zeitlich begrenzten Sperrung für Motorradfahrer ein geeignetes und erforderliches Mittel, um die Anlieger vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen«, sagt Reeh.

Der Kreis Paderborn wird zu Beginn der kommenden Motorradsaison im Frühjahr noch einmal konventionell in der Nähe der Wohnhäuser messen, um die ersten Ergebnisse weiter abzusichern. »Sollten sich die Messergebnisse bestätigen, ordnen wir eine Sperrung der Strecke für Motorradfahrer in den Sommermonaten an den Wochenenden und an Feiertagen an«, sagt Reeh.

Startseite
ANZEIGE