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Von Sprachkurs bis Jobbörse

In Altenbeken gibt es viel ehrenamtliche Hilfe für Ukraine-Geflüchtete

Altenbeken

Die erste Ukrainerin, die seit Ausbruch des Krieges die Gemeinde Altenbeken erreicht hat, war eine Ärztin aus Odessa. Seit Anfang März sind nach Angaben der Verwaltung vor allem große Familien nachgekommen.

Von Sonja Möller

Deutsch-Unterricht in Altenbeken (von links): Elnura Maksatbek Kyzy, Margarita Uebermuth und Amir Tadres helfen ukrainischen Kriegsgeflüchteten, Deutsch zu lernen. Der Bedarf ist riesig: Derzeit gibt es sieben ehrenamtliche Kurse. Foto: Marion Wessels

Nachdem Russland seinen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet hat, sind Millionen Menschen auf der Flucht. Viele suchen auch im Kreis Paderborn Schutz. Die Gemeinde Altenbeken hat bislang 160 Geflüchtete aufgenommen.

Der überwiegende Teil der Geflüchteten in Altenbeken ist durch Beziehungen wie Verwandtschaft, Bekanntschaft, Arbeitsbeziehungen aber auch Veröffentlichungen zum Beispiel zum Dolmetscherpool in die Eggegemeinde gekommen. Vier wurden der Gemeinde offiziell zugewiesen. Die Verteilstatistik der Flüchtlinge aus der Ukraine weist für Altenbeken eine Erfüllungsquote von 142 Prozent aus (Stand 20. Mai).

Große Hilfsbereitschaft

Die Altenbekener empfingen die Flüchtlinge mit einer Welle an Hilfsbereitschaft. Durch die große Spendenbereitschaft konnte die Gemeinde vieles abdecken, das benötigt wurde. Einzelne Sachen mussten dazugekauft werden, wie Matthias Möllers jüngst ausführte: „Küchenzeilen mussten wir zum Beispiel neu anschaffen, da uns die Kapazitäten fehlen, um gespendete Küchen umzuarbeiten, so dass sie in die Wohnungen passen.“ Auch im Bereich Kleidung und Lebensmittel sei die Spendenbereitschaft durchgehend hoch und eine große Hilfe gewesen, sagte Möllers.

Sprachkurse

Um den Ukraine-Geflüchteten schnell die Möglichkeit zu geben, Sprachbarrieren abzubauen und erste Sprachkenntnisse zu bekommen, hat Altenbekens Sozialarbeiter Amir Tadres Vorbereitungskurse für die deutsche Sprache auf die Beine gestellt. Er organisiert neue und weiterführende Kurse und kann dabei auf einen Pool von ehrenamtlichen Helfern zurückgreifen. So werden beispielsweise Kinder im Grund- und Realschulalter sowie Jugendliche und junge Erwachsene im Altenbekener Integrationszentrum auf den Schulstart vorbereitet.

Für Erwachsene finden zudem dreimal wöchentlich Sprachkurse statt. Inzwischen gibt es drei Gruppen. Der Unterricht findet in der privaten Realschule statt. In der Klasse von Margarita Uebermuth werden beispielsweise Ukrainer unterrichtet, die in ihrer Heimat schon Deutsch als Fremdsprache in der Schule hatten. Die gelernte Erzieherin arbeitet in Paderborn und spricht Deutsch, Russisch und Ukrainisch. Sie lebt in Bad Lippspringe. „Margarita Uebermuth sieht Sprache als Brücke und freut sich, dass sie helfen kann.

Elnura Maksatbek Kyzy hat in ihrer kirgisischen Heimat Deutsch und Englisch studiert und arbeitet seit März auf dem Bierssenhof in Altenbeken. Seit Jahren bietet Franz-Josef Driller auf seinem Biohof Praktika an, die in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion für die unterschiedlichen Fächer der ökologischen Landwirtschaft vorgeschrieben sind. Schon 2009 war Elnura Maksatbek Kyzy als Au-pair ein Jahr in Deutschland und auch in Österreich hat sie gelebt. Zurück in Kirgisistan hat sie bereits Deutsch unterrichtet und sieht jetzt neben ihrer Arbeit auf dem Biohof eine Möglichkeit, ukrainischen Kriegsgeflüchteten zu helfen.

Jobbörse

Um die Menschen aus der Ukraine über die beruflichen Möglichkeiten zu informieren, veranstaltete die Gemeinde eine eine Jobbörse. Dazu lud Amir Tadres Mitarbeiter des Bildungs- und Integrationszentrums des Kreises ein, der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle Paderborn, der Universität sowie der katholischen Hochschule Paderborn. Der Sozialarbeiter weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es als Angekommener sein kann, wenn man mehr Fragen als Antworten hat: „Ich war vor einigen Jahren in einer vergleichbaren Situation. Deshalb war mir ein solches Treffen mit kompetenten Ansprechpartnern besonders wichtig.“

130 ukrainische Geflüchtete haben an der Jobbörse teilgenommen. Es gab Informationen zur Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen, zu Studienplätzen und Ausbildungsmöglichkeiten. Stark nachgefragt waren offizielle Deutsch-Sprachkurse. Auch Daten der beruflichen Qualifikationen wurden erfasst, um eine Vermittlung in Arbeit zu erleichtern.

„Wir hatten gleich vier Anfragen von Unternehmen, die auf der Suche nach Fachkräften waren“, erzählt Amir Tadres: „Eine gelernte Schneiderin konnten wir auf diese Weise schon vermitteln“. Seine Empfehlung an heimische Unternehmen: „Unsere ukrainischen Mitbürger sind gut ausgebildet. Wir helfen gern bei der Vermittlung Ihrer neuen Fachkräfte.“ Der Sozialarbeiter steht als Ansprechpartner unter Telefon 05255/120056 oder per E-Mail an amir.tadres@altenbeken.de parat.

Helfer gesucht

Vor allem die ehrenamtlichen Helferinnen sind eine wertvolle Unterstützung, betont Tadres: „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der jeder Einzelne etwas beitragen kann. Sprache und Bildung sind dabei unverzichtbar.“ Wer als Dolmetscher unterstützen möchte oder sich anderweitig ehrenamtlich engagieren will, schickt eine E-Mail an amir.tadres@altenbeken.de.

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