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Ein Mann und eine Frau sind infiziert – Fälle bereits in mehreren Bundesländern

Kreis Paderborn: britische Variante des Coronavirus nachgewiesen

Paderborn (dpa/WB...

Bei einer Frau und einem Mann aus dem Kreis Paderborn ist die britische Variante des Coronavirus (B.1.1.7) nachgewiesen worden. Das teilte der Kreis am Donnerstagnachmittag mit. „Das Labor meldete beide Befunde heute dem Paderborner Kreisgesundheitsamt“, heißt es weiter.

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Symbolbild. Foto: dpa

Die Infizierten seien häuslich isoliert, die Kontaktpersonen ermittelt und unter Quarantäne gestellt worden. Beide Fälle seien im Rahmen von Routinetestungen aufgefallen. Sowohl die Frau als auch der Mann seien keine Reiserückkehrer. Beide Fälle stehen den Angaben zufolge in keinem Zusammenhang. (Zur weiteren Corona-Lage im Kreis Paderborn siehe unten.)

Die zunächst in Großbritannien nachgewiesene Virusvariante ist Experten zufolge leichter übertragbar und womöglich auch tödlicher als die bislang vorherrschende. In mehreren Bundesländern wurden bereits Fälle nachgewiesen. In Berlin war die ansteckende Variante beim Berliner Krankenhauskonzern Vivantes ausgebrochen. Es gibt weitere Mutationen aus Südafrika und Brasilien. In Ostwestfalen-Lippe hatte es jüngst den Verdacht gegeben, dass die britische Variante einen größeren Corona-Ausbruch in einem Lübbecker Krankenhaus ausgelöst haben könnte. Doch das bestätigte sich nicht.

Auch in zwei Kölner Kitas sind Fälle der britischen Coronavirus-Variante aufgetreten. Zur Zahl der Infizierten konnte eine Stadt-Sprecherin am Donnerstag zunächst keine Angaben machen. Zudem seien Fälle in einer Kölner Unterkunft für Geflüchtete und in einem Krankenhaus aufgetreten. In Köln werden seit vergangener Woche alle positiven Corona-Tests auf mutierte Viren untersucht. Zuvor waren in NRW bereits elf Fälle der Mutation B.1.1.7 bekannt geworden sowie drei der zuerst in Südafrika aufgetretenen Variante. Das Gesundheitsministerium hatte am Mittwoch ein Projekt gestartet, um die Verbreitung von Corona-Mutationen in dem Bundesland zu erfassen.

Über die britische Variante B.1.1.7 hieß es zunächst, sie steigere die Übertragbarkeit um 50 bis 70 Prozent im Vergleich zu früheren Formen: Mittlerweile sei anhand einer robusteren Datenbasis davon auszugehen, dass der Wert eher bei circa 22 bis 35 Prozent liege, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich. Die verschiedenen Varianten werfen darüber hinaus Fragen zur künftigen Wirksamkeit zum Beispiel von Impfstoffen und Antikörper-Therapien auf. Befürchtet wird zudem, dass manche Mutationen auch dazu führen könnten, dass sich Covid-19-Genesene mit den neuen Varianten ein zweites Mal anstecken. Die Mutation B.1.1.7 war Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht und hatte sich rasch in London und Teilen des Landes ausgebreitet. Die Behörden machen sie für einen starken Anstieg der Neuinfektionen verantwortlich. „Virus-Varianten können wirken wie eine zweite Pandemie“, mahnte kürzlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Auch wegen der Virus-Varianten, die ansteckender sind, sprechen sich Forscher vor zu schnellen Lockerungen beim Lockdown aus – trotz fortschreitender Impfungen bei Risikogruppen und einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. „Wir sehen in Deutschland eine wöchentliche Abnahme der Neuinfektionen von rund 20 Prozent“, sagte Sebastian Binder vor, Systemimmunologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. „Damit wäre ungefähr Mitte Februar die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche erreicht.“ Das Institut arbeite an Simulationen, wie schnell sich die Mutationen durchsetzen und wie sich das auf das Infektionsgeschehen auswirken könne. Quantitativ gebe es zwar noch keine Ergebnisse. „Es ist aber ziemlich klar, dass die britische Variante – wenn sie sich durchsetzt – deutlich schärfere Maßnahmen erfordert, um eine Stabilisierung oder Sinken der Fallzahlen zu erreichen“, sagte Binder. Aktuell sei es daher sehr wichtig, eine Verbreitung dieser Variante so weit wie möglich zu stoppen.

„Allgemein sind die Erfahrungen aus Großbritannien besorgniserregend“, ergänzt der Wissenschaftler. „Ich halte bei der aktuellen Reduktion Lockerungen Mitte Februar für riskant, wenn man die Fallzahlen gering halten möchte.“ Er befürchte sonst einen erneuten Lockdown in der Folge. „Das gilt übrigens sogar mit dem bekannten Virustyp, umso mehr aber mit der Gefahr einer Verbreitung der neuen Variante.“ Auch Binder sieht aber gute Chancen, die Kontrolle über die Pandemie wiederzugewinnen - auf einem Infektionsniveau wie im vergangenen Sommer und ohne harte allgemeine Einschränkungen.

Blick nach Frankreich: Dort spitzt sich die Corona-Lage weiter zu. „Was wir vermeiden wollen, ist eine Epidemie innerhalb der Epidemie“, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Es gebe ein ansteigendes Plateau mit mehr als 20 000 positiven Corona-Fällen pro Tag. Die Mutationen des Virus seien in Frankreich aktiv im Umlauf. Jeden Tag würden mehr als 2000 Patienten mit einer Virusmutation infiziert, sagte Véran. Die britische Variante breite sich dabei am meisten aus.

Die Corona-Lage im Kreis Paderborn am Donnerstag

50 Corona-Neuinfektionen meldet der Kreis Paderborn am Donnerstag, 28. Januar, Stand 11 Uhr. Da den Angaben zufolge sechs weitere Erkrankte eine Infektion überstanden haben, sind derzeit offiziell 388 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. Diese aktiven Fälle verteilen sich wie folgt auf die zehn Kommunen: Paderborn (174), Delbrück (48), Salzkotten (41), Büren (26), Hövelhof (21), Borchen (20), Bad Lippspringe (18), Altenbeken (17), Bad Wünnenberg (16) und Lichtenau (7). Am Mittwoch waren 37 neue Fälle bekannt geworden.

56 Corona-Patienten werden zurzeit im Krankenhaus behandelt, 20 von ihnen intensivmedizinisch behandelt. 1481 Menschen befinden sich in Quarantäne. Die Zahl der laborbestätigten Coronavirus-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie beträgt nun 5784 und die Zahl der Erkrankten, die als genesen gelten, 5273.

Das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) weist – wie berichtet – für den Zeitraum 21.-27. Januar eine Sieben-Tages-Inzidenz von 68,9 aus (Datenstand, 28.1., 0 Uhr). Am Vortag lag der Wert bei 64. Die Sieben-Tages-Inzidenz ist die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb einer Woche, umgerechnet auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Der offizielle Wert des LZG* ist ausschlaggebend für die Kreise und kreisfreien Städte in NRW, wenn es um Allgemeinverfügungen geht.

28. Januar 2021. Foto: Kreis Paderborn

Impfungen

Im Kreis Paderborn sind nach einer am Donnerstag veröffentlichten Statistik der Kassenärztliche Vereinigung zufolge bis einschließlich Mittwoch, 27. Januar, 5200 (Vortag: 4966) Menschen geimpft worden (Erstimpfung). Davon sind 2348 (2258) Heimbewohner und 2852 (2708) Angehörige von Pflegeberufen. Im Kreis Paderborn gibt es 42 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 6000 Bewohnern und Mitarbeitern. Die Folgeimpfung haben bisher 2133 (1890) Menschen erhalten, davon 1128 (1001) Heimbewohner und 1005 (889) Angehörige von Pflegeberufen: www.corona-kvwl.de/impfbericht .

Nachdem der Start zur Vergabe von Corona-Impfterminen in NRW am Montag chaotisch lief, sind im Kreis Paderborn bis einschließlich Mittwoch 5000 frei geschaltete Termine gebucht worden. Das geschah über die Hotline und die Internetplattform der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Die weitere Vergabe von Terminen ist nun davon abhängig, wann und wie viel Impfstoff geliefert wird. Die Terminvergabe für Menschen, die 80 Jahre oder älter sind und nicht in einem Heim leben (17.000 im Kreis Paderborn), geht also weiter, „sobald uns weitere Lieferungen des Impfstoffs seitens des Landes NRW zugesagt werden. Wir informieren selbstverständlich sofort, sobald neue Termine gebucht werden können“, sagte Paderborns Landrat Christoph Rüther in einer Mitteilung des Kreises von Donnerstag.

Kreisgesundheitsamt zur Digitalisierung

Das Paderborner Kreisgesundheitsamt wehrt sich vehement gegen Berichte, wonach die mangelnde Digitalisierung von Gesundheitsämtern eine Schwachstelle in der Pandemiebekämpfung sei. Falldaten von Infizierten sowie Kontaktpersonen würden seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr mit der Software Äskulab21 erfasst. Dabei handele es sich um eine spezielle Dokumentationssoftware für Gesundheitsämter. „Wir arbeiten hier also nicht mit Schiefertafeln oder gar Fax“, sagte die Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert, am Mittwoch.

Weitere Informationen

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in OWL, Deutschland und auch weltweit lesen Sie in unserem Newsblog.

Das Paderborner Kreisgesundheitsamt ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 16 Uhr und am Samstag in der Zeit von 12 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05251/3083333 zu erreichen. Beantwortet werden allgemeine Fragen zu Covid-19. www.kreis-paderborn.de/corona. Der Kreis Paderborn hat zudem nun die Impfseite www.kreis-paderborn.de/impfen erstellt.

Hier informiert das Land Nordrhein-Westfalen: https://www.land.nrw/corona. Hier geht es direkt zur aktuellen Coronaschutzverordnung (gültig ab dem 11. Januar).

Unter www.corona-schutzimpfung.de ist ein Informationsangebot abrufbar, das bundeseinheitliche Informationen rund um die Schutzimpfung bereithält und weiter ausgebaut wird. Es gibt auch einen Infoservice per Newsletter. Zudem ist der Informationsservice der Rufnummer 116117 erweitert worden (kostenlos, sieben Tage pro Woche, von 8 bis 22 Uhr). Beantwortet werden dort Fragen rund um Corona-Schutzmaßnahmen und die -Schutzimpfung.

* Stichwort: Melde- und Übermittlungsverzug

Das LZG führt zum Meldeprozess auf seiner Website folgendes aus: „Dargestellt wird der jeweilige Meldestand, den die Gesundheitsämter entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) anhand der örtlichen Meldungen feststellen und an das LZG übermitteln. Das LZG seinerseits leitet die Daten täglich im Laufe des Abends an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, beide weisen einmal täglich zum Tageswechsel einen aktualisierten Stand aus. Dieser mehrstufige Meldeprozess ist vor allem in den örtlichen Gesundheitsämtern arbeits- und zeitaufwändig und unterliegt einer ständigen Qualitätssicherung. Daher kommt es immer wieder vor, dass die Angaben auf der örtlichen, der Landes- und der Bundesebene nicht vollständig deckungsgleich sind. Insbesondere ist es möglich, dass vor Ort bereits Informationen vorliegen, die noch nicht im Meldewesen weitergeleitet wurden.

Das RKI schreibt zu einem möglichen Melde- und Übermittlungsverzug auf seiner Website: „Für die Gesamtzahl pro Bundesland/Landkreis werden die den Gesundheitsämtern nach Infektionsschutzgesetz gemeldeten Fälle verwendet, die dem RKI bis zum jeweiligen Tag um 0 Uhr übermittelt wurden. Für die Darstellung der neuübermittelten Fälle pro Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen (Melde- und Übermittlungsverzug). Jeden Tag werden dem RKI neue Fälle übermittelt, die am gleichen Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind. Diese Fälle werden in der Grafik Neue COVID-19-Fälle/Tag dann bei dem jeweiligen Datum ergänzt.

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