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Wie sich ein Altenbekener Bio-Hof gegen die Konkurrenz der Industrie durchsetzt

»Regionale Versorgung ist die Zukunft«

Altenbeken (WB). Zwei Jahre lang haben Franz-Josef Driller und Sohn Andreas Milch in Bio-Qualität produziert, gezahlt wurde ihnen dafür aber nur der konventionelle Preis. »Wir meinen es ernst. Bio ist uns wichtig«, sagen sie. Jetzt will das Vater-Sohn-Gespann mit einer Käserei und einem neuen Hofladen durchstarten – regional, nachhaltig und aufs Tierwohl bedacht.

Timo Gemmeke

Auf dem Biohof Driller kommt auch das Grundfutter für die Kühe aus eigenem Anbau. 2009 sind Franz-Josef Driller (links) und Sohn Andreas auf Bio-Qualität umgestiegen. Seitdem hat sich die Arbeit auf dem Hof verändert. Fotos: Timo Gemmeke Foto:

2009 haben sich Franz-Josef Driller (57) und sein Sohn Andreas ((27) entschieden, den Hof Driller zum Bio-Hof Driller zu machen. »Die ersten zwei Jahre mussten wir wegen der Auflagen in Bio-Qualität produzieren, haben aber nur den Preis für konventionelle Milch bekommen«, erzählt Andreas Driller. Jetzt bekämen sie knapp 47 Cent, und damit um einiges mehr als konventionelle Höfe mit rund 32 Cent. »Kostendeckend ist das aber immer noch nicht«, meint Franz-Josef Driller. 50 Cent pro Liter müssten es mindestens sein, damit sich der Hof mit den 65 Milchkühen rechne. Um dennoch weiter profitabel zu wirtschaften, haben die Drillers mittlerweile neue Standbeine geschaffen.

Käse von Altenbekener Kühen

Dazu gehören nicht nur die Windkraftanlage auf dem 140 Hektar großen Gelände, die Strom für den gesamten Hof liefert, und ein Melkroboter, der den Kühen komplett selbstständig die Milch abnimmt. Seit 2013 produzieren die Drillers auch noch ihren eigenen Käse. Camembert, halbfester Schnittkäse und Frischkäse von Altenbekener Kühen – das entspricht genau der Drillerschen Vision von moderner Landwirtschaft. »Wir setzen mit unseren eigenen Produkten mittlerweile am liebsten auf Direktvermarktung«, sagt Andreas Driller. Auch wenn Teile der Milch, die nicht vor Ort weiterverarbeitet werden, noch an eine gemeinschaftliche Bioland-Molkerei gehen, soll in Zukunft mehr vor Ort verkauft werden.

Dafür entsteht neben dem Hof derzeit ein schmuckes, rotes Blockhaus, in dem ab nächstem Jahr der Hofladen untergebracht werden soll. »Die Direktvermarktung ist unsere Zukunft«, sagt Andreas Driller. Einen Alleingang planen Vater und Sohn aber nicht: »Wir wollen Kollegen aus der Region sammeln, um ihre Produkte bei uns anzubieten.« Auch hier treibt die Drillers der Nachhaltigkeitsgedanke an: Wer einkaufen will, soll sich weite Wege sparen – und alles, was er braucht, vor Ort bekommen.

Besuch vom Grünen-Bundestagsabgeordneten

Auch beim Besuch des Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer vor einer Woche auf dem Biohof Driller gibt es Käse, Milch und Fruchtsäfte; ein kleiner Snack bevor die Gruppe zum nächsten Termin weiterzieht. »Lecker«, finden Krischer und seine Parteikollegen aus dem Altenbekener und Bad Driburger Ortsverband, alle loben die Arbeit von Franz Josef Driller und Sohn Andreas. Ihr Hof habe Vorbildfunktion, hier würden neue Maßstäbe in Sachen Tierhaltung und Nachhaltigkeit umgesetzt. Dafür haben die Drillers lange gearbeitet.

Franz-Josef Driller

Und die Arbeit ist noch lange nicht vorbei. Denn trotz der großen Investitionen in die Zukunft haben auch die Drillers ihre Zweifel. »Mittlerweile steigen die großen Discounter bei den Bioland-Produkten ein«, erzählt Franz-Josef Driller. »Wenn Aldi und Co. zu viel Macht bekommen, wird wieder an der Preisschraube gedreht, und wir kleinen Betriebe sind die Verlierer.« Im gleichen Zug richtet er einen allgemeinen Appell an die Politik: »Wir betreiben in Deutschland eine Agrarpolitik, die die Märkte in anderen Ländern kaputt macht.« Derzeit bestimme Klientelpolitik von Industrie und Verbänden den Markt. Nach Jahren in der konventionellen Landwirtschaft sind sich die Drillers mittlerweile einig: »Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in der regionalen Versorgung.«

Praktikanten aus Tadschikistan und Kirgistan

Nicht regional, aber global im positiven Sinne engagieren sich die Drillers seit 2016, indem sie Studenten aus Tadschikistan und Kirgistan als Jahrespraktikanten auf ihrem Hof aufnehmen. »Die deutsche Landwirtschaft hat einen sehr hohen Stellenwert, auch außerhalb der EU«, schildert Andreas Driller. »Wir geben unser Know-How weiter, und die Studenten sind froh und motiviert, Neues zu lernen«. Bisher seien fast jedes Jahr zwei Studenten auf dem Hof der Drillers in Altenbeken zu Gast gewesen.

Genau wie sie hat sich auch Andreas Driller vor zehn Jahren für eine Karriere in der Landwirtschaft entschieden. Ob er es bereut? »Nein«, sagt er. »Auch wenn es immer schwieriger wird.«

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