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Simone Flottmeier aus Altenbeken-Buke schreibt Unterrichtsmodell

Was die Bibel über soziale Medien aussagt

Altenbeken-Buke/Bad Driburg

Lassen sich Glaube und die Bibel mit der Lebenswelt Jugendlicher heutzutage überhaupt noch verbinden? Simone Flottmeier aus Altenbeken-Buke ist davon überzeugt und hat zwei Unterrichtsmodelle dazu verfasst. Im aktuellen Band geht es um die Scheinwelten in sozialen Medien und die Erzählung von Jona im Alten Testament.

Von Sonja Möller

Die Bukerin Simone Flottmeier hat zusammen mit Professor Volker Garske von der Universität Paderborn eine Unterrichtslektüre zum Thema „Sprechen von und mit Gott“ herausgegeben. Foto: Sonja Möller

Simone Flottmeier unterrichtet Deutsch und katholische Religion an der Gesamtschule Bad Driburg. Die 37-Jährige bekommt tagtäglich mit, welch große Rolle soziale Medien im Leben Jugendlicher spielen und hat dazu im August 2022 zusammen mit Professor Volker Garske von der Universität Paderborn ein Unterrichtsmodell veröffentlicht: „Meine Erfahrung ist, dass man Jugendliche nur für Religionsunterricht begeistern kann, wenn sie für ihr Leben etwas daraus mitnehmen können. Dann stellt sich die Frage nicht mehr, ob das wirklich so passiert.“

Und genau das macht Simone Flottmeier in dem Unterrichtsmodell „Sprechen von und mit Gott – Der Prophet Jona“, das im August im Westermann-Verlag erschienen ist. „Es geht darum, dass sich aktuelle Erfahrungen und die biblische Welt erhellen“, erzählt sie. Die Reihe, die für das 9. bis 13. Schuljahr konzipiert ist und den Lehrplan für katholische und evangelische Religion erfüllt, baut Brücken zur Schülerwelt, ausgehend von der Bibel. In dem Band ziehen Flottmeier und Garske die Verbindung zwischen der Scheinwelt Social Media, die eine immer größere Rolle für Kinder und Jugendliche spielt, und der Geschichte Jonas in der Bibel. Wer dabei an Jona im Bauch des Wals denkt, hat übrigens nur einen kleinen Aspekt der vielschichtigen Erzählung vor Augen. Vielmehr geht es um das Schattenprinzip und die Flucht vor dem eigenen Ich.

„Vieles, was gepostet wird, ist komplett Fake“

Hauptaspekt in dem Band ist die Scheinwelt – materiell und optisch –, die sich Schüler auf Social Media aufbauen. „Vieles, was gepostet wird, ist komplett Fake. Sie setzen sich dadurch eine Maske auf, wie die Welt sie sehen soll, um andere Aspekte ihres Lebens, die sie nicht öffentlich preisgeben wollen, zu verbergen. Die Differenz zwischen dieser und der richtigen Welt wird dadurch größer“, beschreibt Simone Flottmeier, die anhand dessen das Schattenprinzip erklärt. Hierbei geht es unter anderem darum, was passiert, wenn sich Jugendliche von der gesellschaftlichen Norm, dem Über-Ich, leiten lassen und ihr eigenes Ich völlig aus den Augen verlieren.

Anhand der Geschichte Jonas aus dem Alten Testament erarbeiten Flottmeier und Garske das Thema. Dabei wird die Erzählung fachwissenschaftlich aufgearbeitet und analysiert. Es gibt eine psychologische Vertiefung und einen didaktischen Ausblick, welche Verbindungen es mit der Schülerwelt gibt. Im Kern gehe es analog zur heutigen Zeit darum, Macht und Imponiergehabe abzulegen und zu Empathie, Authentizität und Solidarität zurückzukehren, erläutert Flottmeier. Die Schattenseiten nicht abzulegen, sondern ins Leben zu integrieren und sie zu akzeptieren. „Das Jona-Buch plädiert für eine Änderung der Blickrichtung. Religion wird zur Frage des Mitgefühls“, betont Simone Flottmeier. Die Bukerin ist überzeugt, dass die Schattenarbeit aus religionspädagogischer Sicht ein Konzept ist, das in den Alltag der Menschen gehören sollte.

Erster Band ist 2018 erschienen

Es ist übrigens nicht das erste Unterrichtsmodell, an dem die Mutter von Zwillingen mitgearbeitet hat. 2018 hat Simone Flottmeier während ihrer Elternzeit selbst einen Band verfasst. Anhand der Erzählung der Heilung der gekrümmten Frau durch Jesus hat die Bukerin dabei Themen wie Rücken-, Nackenschmerzen oder Schulterverspannungen aufgearbeitet, die keine körperlichen Ursachen haben. „Zu 99 Prozent liegt die Ursache bei Kindern zum Beispiel in der Psyche“, weiß sie. Anhand der gekrümmten Frau zeigte die Pädagogin auf, Religion so zu verstehen, dass man den Menschen zuhört, ihnen den Rücken stärkt und nicht über sie hinweg guckt. Es gehe um einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen, nicht nur auf einzelne Aspekte. Flottmeier: „Das hat Jesus in diesem Fall auch gemacht. Er hat die Frau innerlich aufgerichtet.“

Beide Bände der Reihe „Einfach Religion“ sind im Westermann-Verlag erschienen. Herausgeber ist Prof. Volker Garske.

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