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Vier Autoren aus dem Kreis Paderborn haben Kurzkrimis für Sammelband geschrieben

Wenn die Schule zum Tatort wird

Altenbeken (WB). Verschmähte Liebe, verpasste Karrieren, sadistische Lehrer, nachtragende Schüler, renitente Eltern: In Schulen steckt eine Menge Konfliktpotenzial. Und wenn es sich entlädt, kann es Tote geben. So wie in dem Buch „Mord zur großen Pause“, einer Sammlung von 21 Schulkrimis, an der Autoren aus dem Kreis Paderborn stark beteiligt sind.

Dietmar Kemper

Der Altenbekener Richard Wiemers hat sich eine Kurzgeschichte über ein Mädchen ausgedacht, dem Respektlosigkeit gegenüber einer Lehrerin vorgeworfen wird. Foto: Dietmar Kemper

Richard Wiemers aus Altenbeken, Thomas Breuer aus Büren sowie Christiane Höhmann und Maren Graf aus Paderborn haben jeweils eine Kurzgeschichte beigesteuert und Schulen zum Tatort werden lassen. Erschienen ist das Buch im Gmeiner-Verlag. Im Vorwort schreibt Herausgeber Daniel Badraun: „An einem Ort, an dem Gift, Gas und weitere Hilfsmittel griffbereit herumliegen, kann immer etwas passieren.“

Geschichten von Insidern

Alle Geschichten stammen von Insidern, von Personen, die im Schuldienst tätig sind oder es waren. Seit 35 Jahren unterrichtet Richard Wiemers (62) an der Realschule in Nieheim Englisch und Musik. In der Kriminalliteratur sei eine Anthologie mit kurzen Schulkrimis einzigartig, sagt er. Von Wiemers stammt die Geschichte „Lucy“, die aus der Sicht eines 13-jährigen Mädchens geschrieben ist, das sich in einer Klassenkonferenz für sein Verhalten verantworten muss. Lucy soll den Unterricht gestört, Schüler aufgewiegelt und eine Lehrerin provoziert haben, aber dann nimmt die Erzählung zwei überraschende Wendungen.

Lucy und Luzifer

„Bei mir ging es mit der Assoziation Lucy und Luzifer los, und damit war die Grundidee da“, erzählt der Autor, der den Schulkrimi 2019 in den Sommerferien schrieb. Dass es in der Schule Auseinandersetzungen bis hin zu Verbrechen gibt, wundert Richard Wiemers nicht: „Man hängt fünf Tage in der Woche auf engem Raum aufeinander.“ Als er zur Schule ging, seien Lehrer noch eine Art Halbgott gewesen, so dass er sich gar nicht traute aufzubegehren. Heute dagegen würden Schüler die Machtlosigkeit von Lehrern ausnutzen. Anders als sein Altenbeken-Krimi „Mord in der Tuba“ hat die Geschichte „Lucy“ keinen lokalen Bezug.

Das gilt auch für Christiane Höhmanns Geschichte „Der Aufbruch“ rund um den Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte, Harald Laumeskämper, der sich nach 35 Dienstjahren nicht richtig wertgeschätzt fühlt, mit der stellvertretenden Schulleiterin Greta Lürsen auf Kriegsfuß steht und in Verdacht gerät, am mysteriösen Tod des Direktors Alfred Schomaker schuld zu sein. Der hatte angedroht, Laumeskämper die Leitung der Oberstufe zu entziehen. Christiane Höhmann war Gymnasiallehrerin, bietet Workshops zum Kreativen Schreiben an und unterrichtet Deutsch als Fremdsprache für Ärzte. „Unterrichten ist mein Lebenselixier“, sagt sie selbst über sich.

Maren Grafs Geschichte „Ungeziefer“ wiederum fällt dadurch auf, dass bis zum Schluss offen bleibt, aus welcher Perspektive sie erzählt wird. Inhaltlich geht es um eine Mäuseplage in einem Gymnasium, in dem die Rektorin Schnalle Hausmeister Köttel unmissverständlich auffordert, endlich für Abhilfe zu sorgen. Maren Graf lebt in Paderborn und unterrichtet an einem Gymnasium Deutsch und Philosophie.

Hauptkommissar ermittelt in seiner alten Schule

Thomas Breuer aus Büren wiederum ist Lehrer für Deutsch, Sozialwissenschaften, Zeitgeschichte und Informationstechnologische Grundbildung. In seiner Geschichte „Das Foucault’sche Pendel“ lässt er Hauptkommissar Wiesner an seine alte Schule zurückkehren, um den Tod von Oberstudiendirektor Stöcker aufzuklären, der im Treppenhaus baumelt. Viele kommen als Täter infrage, denn Stöcker verteilte gnadenlos schlechte Noten und wollte außerdem auf dem Rücken anderer eine politische Karriere als Bundestagsabgeordneter machen. Wie sagt Wiesners Kollege doch so treffend: „Ich hatte keine Ahnung, was für eine Schlangengrube so eine Schule ist.“

Die Krimiautoren aus dem Kreis Paderborn hätten sich gegenseitig auf das Projekt des Gmeiner-Verlags aufmerksam gemacht, erzählt Richard Wiemers. Vier Mal im Jahr treffen sie sich bei ihrem Stammtisch. Wer Richard Wiemers Geschichte „Lucy“ hören möchte, sollte am Mittwoch, 19. August, ins Deelenhaus in Paderborn kommen. Dort liest er seinen Schulkrimi um 18 und 20.30 Uhr im Rahmen der Offenen Bühne beim „Kultursommer“.

Daniel Badraun (Hrsg.): „Mord zur großen Pause“, 284 Seiten, ISBN: 978-3-8392-2737-4, 11 Euro.

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