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CDU mahnt Informationen über Handwerksberufe an

„Ausbildungsbotschafter“ kommen in Paderborner Schulen

Paderborn

Handwerksberufe sind die Alternative zum Studium. Aber werden sie an weiterführenden Schulen ausreichend bekannt gemacht? Und wird für sie regelmäßig geworben? Das wollte die CDU jetzt im Paderborner Schulausschuss wissen.

Von Dietmar Kemper

Symbolbild. Foto: dpa

„Nicht alle Schulen sind mit demselben Herzblut dabei, wenn es um die Information über Handwerksberufe geht“, glaubt Ratsherr Christian Rörig. Welche Folgen der Fachkräftemangel habe, spürten die Bürger am eigenen Leib: „Es ist nicht so einfach, einen Handwerker zu bekommen.“ Und auch die Stadt Paderborn brauche für ihre Projekte nicht nur Hochschulabsolventen, so Rörig: „Es wird gebaut an jeder Ecke, und das ist gut so.“

An der Kreisverwaltung liege es nicht, dass Ausbildungsstellen nicht besetzt werden können, betonte Petra Münstermann vom Bildungs- und Integrationszentrum. In den achten Klassen der weiterführenden Schulen laufe die Beratung an, die Agentur für Arbeit sei regelmäßig vor Ort, und für die Schüler würden Potenzialanalysen erstellt. „Bis zur Jahrgangsstufe 10 haben die Schüler vier Praxiserfahrungen aus verschiedenen Firmen, und wir empfehlen zusätzliche Praktika in den Ferien“, berichtete Petra Münstermann.

CDU-Ratsherr Christian Rörig. Foto: CDU

Die Schulen hätten sogar die Möglichkeit, die Zahl der Tage in der Schule auf vier zu reduzieren, damit Jugendliche einen Tag pro Woche in einem Betrieb verbringen können. Die Expertin erinnerte an die „Ausbildungsbotschafter“ – ein Projekt der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer. Schulen könnten die „Ausbildungsbotschafter“ buchen, die dann über ihre Berufe berichten. Als zentrales Instrument, um Firmen und junge Leute zusammenzubringen, sieht der Kreis die Ausbildungsmesse „Connect“ an. Als digitale Plattform werde sie ständig aktualisiert. Münstermann: „Die ganze Berufsorientierungsberatung soll über diese Plattform erfolgen. Die Firmen sind dort kostenlos super präsent, und für die Schüler ist es ein schnelles Suchen und Finden.“

Digitale Vorträge und Briefe für Eltern sollen demnach dem „Riesenproblem“ entgegenwirken, dass zahlreiche Mütter und Väter „schlecht informiert sind“. Sie sollen auf diese Weise neue Berufe wie etwa den Kaufmann für E-Commerce kennenlernen, die Chancen der Dualen Ausbildung erkennen oder Näheres über die Bildungsgänge an Berufskollegs erfahren.

Die Messe „Connect“ soll auch wieder zum Anfassen stattfinden, sie ist vom 22. bis 24. September im Schützenhof geplant. Die Corona-Pandemie machte ihr zuletzt einen Strich durch die Rechnung. Zudem kamen viele Praktika aus Sorge vor Ansteckung nicht zustande. Das erschwerte auch die Arbeit der zehn Akquisiteure für Ausbildung und Praktikum des Kreises. Diese „Kümmerer“ stehen für Fragen zur Verfügung und versuchen Jugendlichen Perspektiven entsprechend ihrer Fähigkeiten und Besonderheiten aufzuzeigen. „Wir koordinieren alle Akteure an den Schulen“, sagte Petra Münstermann und riet Firmen davon ab, die Schulen selbst anzuschreiben: „Das klicken die Lehrer weg.“

Petra Münstermann vom Bildungs- und Integrationszentrum Kreis Paderborn. Foto: BIZ

Die ganze Arbeit richte sich an dem Ziel aus, das das Land NRW mit der Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ausgegeben habe. Dazu würden Netzwerke gepflegt, erläuterte Münstermann und nannte die Expertenrunde „Stärkung der dualen Ausbildung“ und den „Beirat Schule-Beruf“ als Beispiele. Im Beirat sind etwa die Agentur für Arbeit, die Schulaufsichten, die Studien- und Berufswahlkoordinatoren sowie die Sozialarbeiter der weiterführenden Schulen, die Kreishandwerkerschaft, die Industrie- und Handelskammer und Bildungsträger vertreten.

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