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Ein Blick in die Geschichte der Telefonie in der Kurstadt

Die ersten Anschlüsse in Bad Lippspringe hatten einstellige Telefonnummern

Bad Lippspringe

Die Ära der Telefonzelle neigt sich unwiderruflich dem Ende entgegen. Die öffentlichen Münzfernsprecher werden deaktiviert und ab Anfang 2023 von der Deutschen Telekom sukzessive abgebaut. Bei vielen wecken die gelben Häuschen alte Erinnerungen. Joachim Hanewinkel, Geschäftsführer des örtlichen Heimatvereins, hat die Geschichte der Telefonie und der Telefonzelle in Bad Lippspringe nachgezeichnet.

Von Klaus Karenfeld

Am 21. April 2020 wurde das letzte Telefonhäuschen der Badestadt in Nähe des Jordanparks abgebaut. Foto: Joachim Hanewinkel

Um die Jahrtausendwende, so Hanewinkel, gab es nachweislich noch zehn öffentliche Telefonzellen in der Kur- und Badestadt. Handys und später das Smartphone machten dem gelben Telefonhäuschen zunehmend Konkurrenz und liefen ihm schließlich den Rang ab. Konsequenz: Die Telekom ging dazu über, die oft auch wenig ansehnlichen Häuschen abzubauen – auch in Bad Lippspringe.

Vor diesem Hintergrund markiert der 21. April 2020 ein wichtiges Datum. An diesem Tag wurde in der Badestadt die vermutlich letzte öffentliche Telefonzelle abtransportiert. Sie befand sich oberhalb des Jordanparks (Kurparkstraße /An der Jordanquelle).

Interessanterweise hat die Telekom diesen Standort jedoch nicht völlig aufgegeben. Als Ersatz, so Hanewinkel, wurde eine einfache Edelstahlsäule mit Basistelefon installiert. Diese sogenannte „Telestation“ hat einen entscheidenden Vorteil: Sie verfügt über Internet (WLAN-hotspot). Von dort aus können beispielsweise SMS versendet werden. Einen Wetterschutz gibt es hier allerdings nicht. Eine ähnliche Telefonsäule ist heute auch noch wenige Meter vom Gartenschaugelände entfernt und auch am Rathaus zu finden.

Ein kurzer Rückblick in die Historie: Die erste öffentliche Telefonzelle wurde 1881 in Berlin in Betrieb genommen. Ab 1883 gab es dann die ersten Telefonleitungen zwischen größeren Städten in Deutschland.

Die wirtschaftliche Entwicklung gegen Ende des 19. Jahrhunderts war eng verknüpft mit der Verbesserung der Infrastruktur, mit der Elektrizitätsversorgung sowie mit ersten Telefonanschlüssen für Gewerbe, Handel und Verwaltung. Im Dezember 1892 wurde in Paderborn die erste Fernsprecheinrichtung in Betrieb genommen.

1895 kam das Telefon nach Bad Lippspringe

Im Westfälischen Volksblatt heißt es dazu unter dem Datum des 20. Dezember 1892: „Heute wird in unserer Stadt eine Fernsprecheinrichtung eröffnet werden, welche für unsere Geschäftsleute von nicht zu unterschätzendem Vortheile sein dürfte. Allen Theilnehmern bietet diese neue Anlage Gelegenheit, nicht nur mit den in Paderborn selbst, sowie in Neuhaus und Lippspringe angeschlossenen Firmen, sondern auch mit allen Theilnehmerfirmen des ganzen niederrheinisch-westfälischen Industriebezirks in directen Verkehr treten zu können. Zu dem bezeichneten Fernsprechnetze sind nunmehr vereinigt die Städte: Paderborn, Lippstadt, Hamm, Hagen, Witten, Dortmund, Bochum, Essen (Ruhr), Gelsenkirchen, Mülheim (Ruhr), Duisburg, Oberhausen und Ruhrort. Bis jetzt haben sich 22 hiesige Firmen angeschlossen. Doch dürfte sich diese Zahl noch bedeutend steigern, besonders mit Rücksicht darauf, dass jetzt auch die Güterexpedition angeschlossen wird. Denn gerade der Umstand, direct mit der Güterexpedition sprechen zu können, ist doch wohl für jeden Kaufmann besonders vortheilhaft.“

Im Jahr 1895 kam das Telefon nach Bad Lippspringe. Die ersten Fernsprechanschlüsse hatten nachweislich das Hotel Wegener und eine örtliche Holzwarenfabrik. Seit dem Frühjahr 1901 erhielt die Badestadt eine eigene amtliche Vermittlungsstelle mit bereits zwölf Hauptanschlüssen.

Die Telefonsäule ist - wie hier am Eingang zum Gartenschaupark - an die Stelle des Telefonhäuschens getreten. Foto: Klaus Karenfeld

Die ersten privaten Telefonanschlüsse in Bad Lippspringe hatten einstellige Nummern – aus heutiger Sicht fast kurios. In einem Ratgeber für Kurgäste aus dem Jahr 1902 sind verschiedene örtliche Adressen mit Fernsprech-Anschluss angegeben. So hatte das Hotel Wegener die Telefonnummer 3. Die Pension Jöring kommunizierte über die Fernruf-Nummer 4. Und das Alte Kurhaus hatte den Fernsprechanschluss Nummer 5.

Erste Zentrale hatte 220 Hauptanschlüsse

Am 15. November 1931 wurde eine neue Anschlusszentrale eingerichtet, die 220 Hauptanschlüsse hatte. Innerhalb der Stadt konnte man jetzt schon direkt wählen. Ferngespräche bedurften allerdings der Vermittlung durch die Zentrale.
Erst Anfang der 1960er Jahre wurde schrittweise der generelle Selbstwählverkehr eingeführt. Und das Telefon gehörte mehr und mehr zum selbstverständlichen Ausstattungsgegenstand jeder Wohnung.

Um das Jahr 1949 gab es im Bereich des Hauptpostamtes Paderborn insgesamt sieben Fernsprechämter, und zwar in Paderborn, Bad Lippspringe, Altenbeken, Dahl, Sennelager, Hövelhof sowie in Delbrück. Im selben Jahr existierten insgesamt 1764 Telefonanschlüsse im Kreis Paderborn.

Bad Lippspringe hatte 1949 ein eigenes Fernsprechamt, von dem aus auch 28 Anschlüsse in der Nachbargemeinde Schlangen bedient wurden. 

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