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Paderfutternapf stellt Bedürftigen kostengünstiges Tierfutter zur Verfügung

Ende der Bad Lippspringer Engel stellt Tierbesitzer vor Probleme

Bad Lippspringe (WB). Mit seinen weißen Pfötchen tapst Leo neugierig auf Besucher zu und beschnuppert sie. Für den Kater ist die Welt in Ordnung, für seine Besitzerin nicht mehr. Mit dem Aus der Bad Lippspringer Engel fällt für die 57-Jährige bald die Möglichkeit weg, dort günstig Futter für Leo zu erwerben.

Sonja Möller

Kater Leo fehlt es bei seiner Besitzerin an nichts. Foto: Sonja Möller

Leo heißt eigentlich Leonardo. »Er ist nach Leonardo Da Vinci benannt«, erzählt die 57-jährige Besitzerin, die anonym bleiben möchte. Vor sechs Jahren hat die Bad Lippspringerin ihn in einem Tierheim entdeckt und bei sich aufgenommen. »Leo ist meine Familie, mein sozialer Halt, mein ein und alles«, sagt sie.

Seit 2006 ist die gelernte Druckvorlagenherstellerin mit einer Zusatzqualifikation Computergrafikerin erwerbsunfähig. Durch ihre Rente und Grundsicherung vom Amt stehen der 57-Jährigen monatlich 740 Euro zur Verfügung. Nach Abzug der Fixkosten für Miete und Co. bleiben ihr nach eigenen Angaben 220 Euro zum Leben.

Der Paderfutternapf stellt für einen kleinen Obolus Futter für zwei Wochen

Die Möglichkeit, bei den Engeln Lebensmittel zu bekommen, hilft ihr da enorm weiter und gibt ihr Sicherheit, sagt sie. Diese vor allem auch, da sie dort Futter für ihren geliebten Kater bekommt. Möglich macht das der Paderfutternapf (siehe Kasten), der Trocken- und Dosenfutter immer für zwei Wochen für das jeweilige Tier ausgibt. »Dafür zahlen die Kunden zum Beispiel für eine Katze zwei Euro«, erläutert Karin Grieser. Sie ist Kassenwartin des Vereins.

Nach der Auflösung der Engel muss sich die 57-jährige Besitzerin von Leo nicht nur um ihre eigenen Lebensmittel kümmern, sondern auch das Futter für den Kater regulär kaufen. Die Rentnerin hat zwar theoretisch die Möglichkeit, alle zwei Wochen mit dem Bus nach Paderborn zu fahren und die Paderfutternapf-Ausgabe zu nutzen. »Aber eine Viererkarte für den Bus kostet 12,50 Euro«, erzählt sie. Von dem Geld kauft sie lieber Katzenfutter und Dinge wie Katzenstreu, die sie sonst noch braucht.

»Im Moment mache ich mir viele Sorgen«

Die Nachricht von der Auflösung der Engel war ein Schock für die Frau: »Im Moment mache ich mir viele Sorgen, wie ich das mit dem Futter machen soll. Ich weiß noch nicht, wie es ab Mitte März weitergeht«, gibt die Bad Lippspringerin offen zu. Derzeit rechne sie alles immer wieder durch und versuche, ihr Leben neu zu organisieren. Sie selbst sagt, dass sie einsam sei, weder Familie noch Freunde habe. Leo füllt diese soziale Lücke. Er ist ihr Freund, hört ihr zu und gibt ihr Halt: »Damit es Leo gut geht, verzichte ich auf alles. Er ist lebensnotwendig für mich. Wenn ich ihn nicht hätte, hätte ich keinen Grund zu leben«, schildert sie ihre Gefühle.

Karin Grieser vom Paderfutternapf hört so etwas öfter: »Die Tiere sind für viele unserer Kunden familiärer Halt und soziale Bindung. Es gibt Menschen, die könnten sich ihr Tier nicht leisten, wenn es unseren Verein nicht gäbe.« Diese Menschen seien voller Dankbarkeit, die sie den ehrenamtlichen Helfern vor Ort immer wieder zeigen.

»Der Paderfutternapf denkt sogar an die Menschen der Tiere«

Auch die 57-jährige Bad Lippspringerin ist dem Verein sehr dankbar: »Die Mitarbeiter denken sogar an die Menschen der Tiere. Zu Weihnachten habe ich eine bunt gefüllte Nikolaustüte bekommen und es gab ein Kratzbrett für Leo als Geschenk«, freut sie sich noch immer und ihre Augen strahlen.

Für die 57-Jährige ist klar: »Ich würde Leo niemals abgeben.« Wie es ab März weitergeht, weiß sie noch nicht. »Aber ich bin ein strukturierter Mensch und muss mich jetzt eben neu strukturieren«, sagt sie. Aufgeben kommt für sie schon wegen Leo nicht in Frage.

Paderfutternapf unterstützt 30 Tierbesitzer

Der Paderfutternapf ist ein gemeinnütziger Verein. Er engagiert sich für Tierhalter, die wegen einer finanziellen Notlage kein Geld mehr aufbringen können, um ihr Haustier ausreichend zu verpflegen. Seit 2016 sammelt der Verein Futter und verteilt dieses alle 14 Tage gegen einen kleinen Obolus an die Tierhalter ab.

Die Futterausgabe ist samstags von 10 bis 14 Uhr im Laden in der Alten Torgasse 10. Im Schnitt kommen pro Woche 30 bis 35 Besitzer von gesunden, aber auch von kranken Tieren. Diese brauchen Spezialfutter, das der Paderfutternapf zukauft.

Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Derzeit kommen Besitzer von Hunden, Katzen, Vögeln, Kaninchen und einer Wasserschildkröte zur Futterausgabe.

2017 wurde der Paderfutternapf als »Herausragendes Leuchtturmprojekt 2017 für bürgerliches Engagement« ausgezeichnet . Das Preisgeld von 6000 Euro setzt der Verein zweckgebunden für Tierarztkosten ein. »Impfungen, Kastrationen und Untersuchungen müssen sein. Zu einem begrenzten Teil übernehmen wir als Verein die Kosten. Medikamente bezahlen wir nicht«, erläutert Vorstandsmitglied Karin Grieser.

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