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Friedhelm Koch, Vorsitzender des Paderborner Stadtverbandes der CDU-Mittelstandsvereinigung, kritisiert Outlet-Pläne in Bad Lippspringe

„Entwertung einer Region“

Paderborn

Zu den Bestrebungen der Stadt Bad Lippspringe, ein City-Outlet zu werden, hat sich nun der Vorsitzende des Paderborner Stadtverbandes der CDU-Mittelstandsvereinigung, Friedhelm Koch, geäußert. Im folgenden seine Stellungnahme im Wortlaut:

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Friedhelm Koch. Foto:

„Der von der RAF ermordete Bankier Alfred Herrhausen hat einmal gesagt: ‚Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt.‘

Denken wir also die Idee, Bad Lippspringe werde in ein Outlet-Center verwandelt, zu Ende.

Angenommen, die Pläne der Verwaltung würden sich (was aufgrund der Grundstücksbedarfe nicht wahrscheinlich ist) als durchführbar erweisen. Dann sollte man in die Stadt Metzingen auf der Schwäbischen Alb fahren und schauen, wie Schritt für Schritt die Identität des Ortes zerstört wurde. Im Kern des Ortes steht noch eine Tischlerei, wie ein wehrhaftes gallisches Dorf, umgeben von den Häusern der Markenartikler. ‚Dich will ich loben, Hässliches, du hast so was Verlässliches‘, reimte Robert Gernhardt, nachdem er durch Metzingen gegangen war.

Ziele lösen Energie aus, diese Energie wird dann nicht mehr in erster Linie in den Kurort Bad Lippspringe gehen, sondern in die Outlet City (Bad) Lippspringe.

Der Kurort kann mit einem attraktiven Umfeld punkten. Mit der Senne, dem Teutoburger Wald, der Egge und mit der nahen traditionsreichen Bischofs- und Handelsstadt Paderborn. Letzterem Pluspunkt würde jedoch zugleich wie mit der Abrissbirne der Garaus gemacht. Hier würde sich wiederholen, was seinerzeit in Oberhausen mit dem Bau des Centro geschehen ist: eine komplette Veränderung der Kundenströme. Um es klar zu sagen: Ein Standort für überschüssige Waren killt dann eine Jahrhunderte alte, gewachsene Kultur. In diesem Fall einen gelungenen Mix aus Handel, Gastronomie, Kirche, Baudenkmälern, Museen und Verwaltung. Was Max Frisch einmal die ‚Verblödung durch Ware‘ genannt hat, stände im Kreis Paderborn vor dem Durchbruch. Eine Entwertung der ganzen Region wäre die Folge, die auch Auswirkungen auf die Lebens- und Aufenthaltsqualität Bad Lippspringes haben dürfte.

Die von mir geschätzten Kollegen vor Ort mögen manches Argument für ihre Pläne finden. Die Steigerung der Grundstückswerte, die Ergänzung der Ketten durch eigene Ergänzungen (falls die Grundstücke dann noch bezahlbar sind) und manches mehr. Sie können dies in ihrer Rolle als Lokalpolitiker tun. Eines sollten sie jedoch nicht tun: die Prinzipien der CDU-Mittelstandsvereinigung dafür in Anspruch nehmen. Diese dient niemals punktuellen kurzfristigen Vorteilen, sondern einem wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen. Sie ist somit notwendigerweise niemals aufseiten der großen Marktmacht, sondern immer aufseiten derer, die als Einzelhändler täglich um ihre Existenz zu kämpfen haben und den Markenartiklern überhaupt erst in ihren Fachgeschäften zur Bedeutung verhalfen.

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