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Befreiung des Stalag 326 – Margret Botschen-Thombansen einzige Zeitzeugin

„Erinnerungen sind hellwach“

Bad Lippspringe (WB). Es war eine Rückkehr mit gemischten Gefühlen, vielen Erinnerungen und einem eindringlichen Wunsch für die Zukunft: Bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock war Margret Botschen-Thombansen als Ehrengast geladen – und die einzige Zeitzeugin im Saal.

Jan Haselhorst

Ministerpräsident Armin Laschet nahm sich bei der Gedenkveranstaltung viel Zeit für Margret Botschen-Thombansen. Foto: Monika Schönfeld

Die heute 97-Jährige aus Bad Lippspringe arbeitete zwischen 1940 und 1944 als Krankenwagenfahrerin beim Deutschen Roten Kreuz im Stammlager 326 und versorgte damals Wachleute mit Medikamenten. Freiwillig tat sie das nicht – sie wurde zum Kriegsdienst eingezogen, weil sie schon mit 17 Jahren einen Führerschein besaß.

Margret Botschen-Thombansen

Botschen-Thombansen hat im Krieg unvorstellbares Leid gesehen und war bei ihrer Rückkehr auf das Gelände des ehemaligen Stalags dementsprechend ergriffen. „Das Lager erkenne ich hier nicht mehr wieder, doch die Erinnerungen sind noch hellwach”, sagt die rüstige Seniorin. Es sind Erinnerungen an sowjetische Kriegsgefangene, die bis auf die Knochen abgemagert waren und sie mit leeren Augen durch den Stacheldrahtzaun anschauten. „Wie soll ich solche Bilder je vergessen?”, fragt Margret Botschen-Thombansen. Sie selbst war im Zweiten Weltkrieg ebenfalls in Lebensgefahr, nicht selten prasselten Fliegerbomben auf ihren Krankentransport herunter.

Die Gedenkveranstaltung, zu der sie von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der Landesregierung höchstpersönlich eingeladen wurde, hat die Bad Lippspringerin nachhaltig beeindruckt. „Herr Laschet hat mich direkt begrüßt und mir einen riesigen Blumenstrauß überreicht”, freut sich Margret Botschen-Thombansen. Von der Bodenständigkeit und Seriosität der geladenen Politiker sei sie angetan gewesen – ihrer Meinung nach sei man nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland politisch gut aufgestellt.

Margret Botschen-Thombansen

Ein Dorn im Auge ist der 97-Jährigen jedoch der Rechtsextremismus in Deutschland. „Wir müssen aufpassen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Das ist mein Appell und Wunsch für die Zukunft”, sagt Botschen-Thombansen. Sie selbst sieht sich als einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen in der Pflicht, an die Schrecken des Krieges zu erinnern. Auch André Kuper, Präsident des Landtags, betonte in seiner Rede, wie wichtig Erinnerungskultur sei. „Wir haben den Auftrag, die Erinnerungen an die Opfer der NS-Kriegsverbrechen und deren Leid für die Zukunft zu bewahren.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die damals 22-Jährige an den Niederrhein und lebte dort rund 60 Jahre lang. Sie bereiste ferne Länder, lernte viele Kulturen kennen und löste sich von den Schrecken des Krieges. Das ehemalige Stammlager hat sie jetzt erstmals nach über 70 Jahren wieder besucht . Dank der bewegenden Gedenkstunde bleibe ihr das Stalag 326 von nun an auch mit positiven Eindrücken im Gedächtnis, sagt die Zeitzeugin.

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