1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Bad Lippspringe
  6. >
  7. „Gedankenstrich“ aus Bad Lippspringe

  8. >

Rebecca Borde hat sich mit ihrem ersten Buch einen Herzenswunsch erfüllt

„Gedankenstrich“ aus Bad Lippspringe

Bad Lippspringe

Mit Herzenswünschen ist das so eine Sache. Sie schwirren zwar immer im Kopf herum, scheinen aber oft absurd weit weg von der eigenen Realität. Dass es sich trotzdem lohnt, dranzubleiben am Traum und nicht aufzugeben, weiß Rebecca Borde aus eigener Erfahrung.

Von Sonja Möller

Die Bad Lippspringer Autorin Rebecca Borde ist megastolz: Sie zeigt ihr erstes veröffentlichtes Buch „Gedankenstrich“. Foto: Oliver Schwabe

Die Bad Lippspringerin hat mit „Gedankenstrich“ ihr erstes Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht und sich ihren Herzenswunsch erfüllt: „Der Moment, als ich mein Buch in den Händen hielt, war unbeschreiblich schön. Voll cool! Ich bin gerade 22 Jahre und habe ein Buch veröffentlicht!“

Der Weg dahin war mit Zweifeln und Rückschlägen gespickt. „Geschichten habe ich geschrieben, seit ich schreiben kann“, erzählt die 22-Jährige, die auch Mitarbeiterin dieser Zeitung ist. Irgendwann versuchte sie, einen Verlag für ihren eigenen Roman zu finden, doch es hagelte nur Absagen. „Dabei wollte ich unbedingt Autorin sein und davon leben können“, erzählt Rebecca Borde. Nur wie macht man das? Das fragte Rebecca Borde einen bekannten Autor, dessen Namen sie für sich behalten will: „Er sagte mir wortwörtlich: ‚Wenn Du Dich nicht unglücklich machen willst, dann hör‘ auf.‘ Das war sehr ernüchternd.“

Lektor der Uni bestärkte sie

Sie fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen, grübelte wochenlang über die Worte nach und sprach mit Freunden und einem Lektor an der Universität Paderborn. Dort studiert die 22-Jährige deutsche und englische Literatur. „Der Lektor bekräftigte mich darin, weiter an meinen Traum zu glauben.“

Und das tat sie. Über einen Freund erfuhr sie von der Internetplattform Story.One, auf der jeder kostenlos Texte mit maximal 2500 Zeichen veröffentlichen kann. „Man behält dabei das Copyright auf seine Texte. Das war mir so wichtig“, erzählt sie. Wenn ein Autor mindestens zwölf Geschichten auf Story.One veröffentlicht hat, kann er diese als richtiges Buch herausbringen. Kostenlos, wie Rebecca Borde erzählt. Da es sich um einen Selfpublisher-Verlag handelt, wird jedes Exemplar erst gedruckt, wenn es bestellt wird.

Rilke hat sie inspiriert

Den Titel hatte Rebecca Borde schon vor Jahren notiert, ohne zu wissen, dass so ihr erstes Buch heißen würde. Damals war es ein Zitat von Rainer Maria Rilke, das sie inspirierte. Von dem Moment an sah sie das Wort „Gedankenstrich“ mit ganz neuen Augen: „Ich wusste, irgendwann mache ich mal was Cooles damit.“ Jahre später wurde es der Titel ihres ersten Buches. Und Rilkes Zitat steht vorne drin.

Erschienen ist „Gedankenstrich“ im Dezember 2021, passend zum Geburtstag ihrer Oma. „Ich habe es ihr als Geschenk überreicht und sie wusste erst gar nicht, dass ich die Autorin bin“, erzählt Rebecca Borde lachend. Ihre ganze Familie fiel aus allen Wolken: „Nur mein Freund Leon wusste davon und hat mir zur Seite gestanden“, erzählt sie.

17 Geschichten, mal tiefgründig, mal philosophisch, mal ans Herz gehend, mal lustig finden sich in „Gedankenstrich“. Einige beruhen auf Tatsachen, andere sind fiktiv. Mit ihrem Sprachgefühl schafft es Rebecca Borde, den Leser zu packen und trotz der Kürze der Textes Spannung aufzubauen.

Eine Geschichte über einen besonderen Elefanten

Eine Geschichte, auf die sie besonders viele Rückmeldungen erhielt, ist „Der Holzelefant“. Sie handelt von einem kleinen, geschnitzten Elefanten im Regal ihrer mittlerweile verstorbenen Oma, der diese fast 60 Jahre begleitet hat. Vom Moment der Ankunft im Haus ihrer Oma über die Zeit mit deren Mann, dann den Kindern und Enkeln bis zum Tod wird der Leser mitgenommen und emotional gepackt. Ergreifend.

Eins eint alle ihre Geschichten: Die Lesezeit beträgt maximal zwei bis drei Minuten. „Ich kenne viele, die nicht gerne lesen. Denen sage ich: ‚Nimm‘ Dir mal zwei Minuten Zeit, um eine Geschichte zu lesen.‘ Dann wird daraus schnell mal eine halbe Stunde“, sagt die Autorin augenzwinkernd.

Um ihr Buch bekannt zu machen, hat Rebecca Borde übrigens eine eigene Werbefachfrau: „Meine Oma Martha ist die beste Werbung. Sie hat die ISBN-Nummer meines Buches auf ganz viele Zettel geschrieben, die sie jedem in die Hand drückt, den sie trifft.“

Lesung mit musikalischer Begleitung

Am 7. Juli liest Rebecca Borde um 20 Uhr im Forum Maria Martha, Sachsenstraße 14, in Bad Lippspringe aus ihrem Buch (ISBN: 9783710804229). Dabei wird sie musikalisch von Thilo Pohlschmidt von den „Goodbeats“ begleitet. Der Eintritt ist frei, eine Spende willkommen.

Startseite
ANZEIGE