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Ulrich Lange (CDU) setzt auf das große Engagement der Bad Lippspringer

„Ich will das Feuer wieder entfachen“

Bad Lippspringe (WB). Einen zweiten Anlauf, Bürgermeister der Badestadt zu werden, nimmt Ulrich Lange am 13. September. Nachdem er 2008 CDU-intern als Kandidat unterlegen war, geht er jetzt zuversichtlich in die Wahl. Was ihn optimistisch stimmt, erzählt er im Gespräch mit Redakteurin Maike Stahl.

Ulrich Lange tritt als Bürgermeisterkandidat der CDU an. Die Friedenskapelle ist für ihn ein besonderer Ort der Badestadt. Foto: Oliver Schwabe

Wir haben uns an der Friedenskapelle getroffen. Warum liegt sie Ihnen am Herzen?

Ulrich Lange : Da gibt es drei Punkte: Erstens ist die Friedenskapelle ein Markenzeichen für das Ehrenamt in Bad Lippspringe. Sie wurde durch die beiden Kolpingsfamilien angeregt und über einen Bauverein verwirklicht. Bis heute wird sie ehrenamtlich begleitet. Mir ist es wichtig, das Ehrenamt zu fördern, da wir als Kommune künftig noch stärker auf die Kreativität jedes Einzelnen angewiesen sein werden. Die Kapelle ist ein tolles Beispiel dafür, wie so was gelingen kann.

Auch der Gewinn der Goldmedaille im Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ steht beispielhaft für das ehrenamtliche Engagement in Bad Lippspringe. Diesen Wettbewerb, aus dem sich schließlich die Landesgartenschau entwickelt hat, durfte ich damals als Projektleiter begleiten. Nicht zuletzt deshalb ist für mich die Zukunft des Gartenschaugeländes, auf dem wir uns hier befinden, eine Herzensangelegenheit. Und drittens ist dieser Platz nicht nur ein meditativer Ort der Ruhe und Stille, ich finde ihn auch sehr inspirierend. Wenn man hier sitzt und seine Gedanken schweifen lässt, kommt man auf neue Ideen. Und das finde ich für die Zukunft von Bad Lippspringe wichtig: neue Ideen zulassen, Menschen mit ins Boot holen und gemeinsam die Zukunft gestalten.

Was schwebt Ihnen konkret an neuen Wegen vor?

Lange : Gerade im Marketingbereich müssen wir uns viel professioneller aufstellen. Die verschiedenen Aktivitäten müssen gebündelt und mit einem kreativen Kopf nach vorne gebracht werden, der auch eine professionelle Wirtschaftsförderung betreibt. Wir hatten eine Marketing GmbH, die leider aufgelöst wurde. In der Verwaltungs-Atmosphäre des Rathauses ist die Aufgabe falsch aufgehoben. Man muss rausgehen, um neue Ideen zu entwickeln.

Wie soll sich das professionelle Marketing finanzieren?

Lange : Wir müssen natürlich Geld dafür in die Hand nehmen. Wir werden das nicht nur durch Einsparung an anderer Stelle schaffen, weil die Einsparmöglichkeiten einer Kommune gering sind. Wir haben nur zwei Möglichkeiten, Zukunftsinvestitionen zu finanzieren: Zusätzliche Einnahmen generieren und Kooperationen ausbauen.

Wir haben mit der Gartenschau einen Rolls Royce in der Garage stehen, dessen PS auf die Straße gebracht werden müssen. Das gleiche gilt für die Wirtschaftsförderung. Wenn wir da agiler werden, steigen auch die Einnahmen. Potential für Kooperationen sehe ich mit anderen Kommunen, zum Beispiel Schlangen, aber auch mit der Universität, zum Beispiel im Bereich der Sportmedizin. Dazu gehört auch, die Gartenschauen der Region besser zu vernetzen.

Stichwort Wirtschaftsförderung: Mit dem Konzept für die Auguste sind Sie bereits in die Öffentlichkeit gegangen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das auch umgesetzt werden kann?

Lange : Ich bin sehr zuversichtlich. Die Investoren sind auf mich zugekommen, weil es ihnen in der Verwaltung nicht schnell genug weiter ging. Denn das Dach muss vor dem Winter unbedingt noch gedeckt werden, damit die Schäden dort nicht zunehmen. Der neue Bürgermeister wird das mit als erstes angehen müssen. Ich habe mich auch reingehängt, weil mir die historische Bausubstanz, soweit sie noch vorhanden ist, immer schon wichtig war. Was mich so zuversichtlich macht, dass es klappt: Nach dem Zeitungsartikel haben sich bei mir gleich drei neue Interessenten gemeldet, die auch gerne mitmachen würden.

Wie sehen Sie die Zukunft der Innenstadt?

Lange : Es wird natürlich schwer. Aber es gibt gute Konzepte, bei denen zum Beispiel der Aufbau einer digitalen Infrastruktur, die Steigerung der Aufenthaltsqualität oder die Einbindung der Immobilienbesitzer eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen dabei aber auch wieder verstärkt das schon einmal beschlossene Leitbild einer Höherpositionierung in den Blick nehmen. Das Flair muss natürlich passen. Der Marktplatz muss belebt werden. Auch zum Stadtfest gibt es viele kreative Ideen, um es wieder nach vorne zu bringen. Diese Ideen muss man aber zulassen. Es kann nicht sein, dass allein eine Verwaltung ein Stadtfest organisiert.

Also sehen Sie die Aufgabe des Bürgermeisters auch als Moderator, um das vorhandene Potential zu erschließen?

Lange : Ein ganz klares Ja. Ich möchte Ideengeber und Motor sein, um solche Prozesse anzustoßen und mit den Leuten in Kontakt zu bleiben. Man wird sicher nicht alles umsetzen können, aber das kann man dann auch offen kommunizieren. Wichtig finde ich nur, dass man diese Ideen zulässt und unvoreingenommen diskutiert. Das Feuer bei den Menschen wieder zu entfachen wird eine ganz große Aufgabe des neuen Bürgermeisters sein. Das traue ich mir zu und deshalb kandidiere ich.

Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung dazu gefallen vor dem Hintergrund Ihrer familiären Situation mit einer schwer kranken Ehefrau?

Lange : Es war nicht in meiner Lebensplanung, dass ich noch mal kandidiere. Anfang letzten Jahres bin ich von vielen Menschen darauf angesprochen worden, dass sich hier etwas ändern muss, und dass sie mir das zutrauen. Daraufhin habe ich mich mit Freunden und der Familie beraten und schließlich war klar: Zusammen packen wird das.

Außerdem ist auch die Bad Lippspringer CDU ganz anders aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Es gibt ein junges, motiviertes Team und die Reihen sind nach 20 Jahren interner Reibereien wieder völlig geschlossen. Mit diesem Rückhalt kann ich diese Kandidatur mit ganzem Herzen und voller Kraft angehen.

Zur Person

Ulrich Lange ist 55 Jahre alt, gebürtiger Bad Lippspringer und verheiratet. Er hat in Paderborn Wirtschaft mit der Fachrichtung Marketing und Wirtschaftsinformatik studiert und sich anschließend als Diplom-Kaufmann selbstständig gemacht. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich Marketing, Veranstaltungsmanagement und Politikberatung. Selbst ist er 1989 erstmals für die CDU in den Bad Lippspringer Stadrat gewählt worden. Seit 2014 ist er Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung.

Lesen sie hier auch die Gespräche mit den anderen Kandidaten:

Martin Krewet (parteilos)

Marcus Kleinemeyer (SPD)

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