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Dr. Erik Ernst, Chefarzt der Karl-Hansen-Klinik, berichtet im Bad Lippspringer Ausschuss

„Intensivkräfte arbeiten am Limit“

Bad Lippspringe

Dr. Erik Ernst ist nicht nur Chefarzt in der Bad Lippspringer Karl-Hansen-Klinik, sondern auch neues Ratsmitglied. Die erste Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses nutzte der Mediziner zu einem klaren Appell, das Covid-19-Virus und seine Folgen ernst zu nehmen: „Ärzte und Pflegepersonal auf unseren Intensivstationen arbeiten inzwischen am absoluten Limit.“

Klaus Karenfeld

Dr. Erik Ernst berichtete aus ärztlicher Sicht im Ausschuss. Foto: wv

Einmal in der Woche, jeweils mittwochs, trifft sich die von der Stadt neu eingesetzte Corona-Konferenz im Badestädter Rathaus. Neben Vertretern aus Schule, Verwaltung und Feuerwehr gehören auch zwei ausgewiesene Medizin- und Hygiene-Experten diesem Gremium an: Dr. Armin Kuhlencord, Ärztlicher Leiter des Laborzentrums Paderborn, und Ralf Schulte, der im Hygiene-Management verantwortlich tätig ist.

Und so sieht die Lage in Bad Lippspringe aktuell aus: Die Zahl der registrierten Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage liegt bei 112. „Das aber ist kein Grund unbekümmerter und weniger aufmerksam zu sein“, gab Bürgermeister Ulrich Lange später im Ausschuss zu bedenken. Er erinnerte daran: „Nur wenige Kilometer entfernt, im Nachbarkreis Lippe, liegt der sogenannte Inzidenzwert seit Wochen bei teilweise deutlich über 200. Das kann im schlimmsten Fall auch uns treffen.“

Die von der Landesregierung beschlossenen „Corona-Lockerungen“ zu Weihnachten wurden Lange zufolge auch in der Corona-Konferenz ausführlich diskutiert. Die Experten hätten diesen Überlegungen nur wenig Positives abgewinnen können. So halte es Dr. Armin Kuhlencord für weiterhin zwingend erforderlich, die Kontakte zu Weihnachten sehr deutlich einzuschränken - auch wenn das natürlich schwer falle.

Sollte es nach Weihnachten eine weitere große Infektionswelle geben, auch darin war sich die Corona-Konferenz einig, dann könnten sich auch in Deutschland dramatische Szenen wiederholen, „wie wir sie bisher nur aus Italien, Frankreich und den USA kennen“, meinte Lange.

Auf die sehr schwierige Situation des Klinikpersonals wies Dr. Erik Ernst hin: „Die ersten Ermüdungserscheinungen sind unübersehbar.“ Mediziner und Pflegekräfte speziell auf den Intensivstationen arbeiteten aktuell bis an ihre physische wie psychische Leistungsgrenze.

Ernst steht nach eigenen Angaben auch im engen Austausch mit seinen Kollegen deutschlandweit. Telefongespräche bis spät in die Nacht seien zur Zeit keine Seltenheit. „Krankenhausärzte - zum Beispiel aus Soest, Lippe oder Höxter - haben zuletzt bei uns nachgefragt, ob wir noch Intensivpatienten aufnehmen können“, berichtete Ernst und fügte hinzu: „Wenn es irgendwie möglich ist, dann machen wir das auch.“

Ernst sieht im Übrigen auch die Politik in der Pflicht, mit gutem Beispiel voran zu gehen und nannte ein Beispiel: „Nicht nur für Ratssitzungen ist der Sitzungssaal des Rathauses in Zeiten von Corona zu klein. Die Abstandsregeln sind so nicht einzuhalten.“ Ernsts Vorschlag, bis auf Weiteres sämtliche Sitzungen im deutlich größeren Kongresshaus abzuhalten, fand auch die Zustimmung von Bürgermeister Ulrich Lange.

Lange teilte mit, dass die Stadt 2000 FFP-2-Masken gekauft hat. Sie sollen über den Seniorenbeirat an besonders betroffene Risikogruppen verteilt werden.

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