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Digitale Bürgerversammlung zum City-Outlet Bad Lippspringe

Jetzt fängt die Arbeit erst an

Bad Lippspringe

Könnte ein City-Outlet in Bad Lippspringe für eine nachhaltige Wiederbelebung der Innenstadt sorgen? Um diese Frage ging es am Dienstagabend bei der Premiere einer digitalen Bürgerversammlung, die vom Park-Hotel aus im Internet übertragen wurde. In diesem Rahmen wurde auch erstmals das Gutachten zum City-Outlet öffentlich vorgestellt.

Per Lütje 

Stellten ein mögliches City-Outlet in Bad Lippspringe vor (von links): Sylvia Schubert, Manfred Müller, Ulrich Lange und Dr. Joachim Will. Foto: Per Lütje

Gutachter Dr. Joachim Will (Geschäftsführer der ecostra GmbH für Wirtschafts-, Standort- und Strategieberatung in Europa mit Sitz in Wiesbaden) bescheinigte der Kurstadt in seiner Standortanalyse gute Aussichten, neben Bad Münstereifel das zweite City-Outlet in Europa zu werden. Dabei betonte er ausdrücklich, das ein solches Projekt nichts mit einem Outlet auf der grünen Wiese, wie etwa in Roermond oder Wertheim, zu tun habe. „Es geht um eine Nachnutzung von bereits vorhandenen Flächen in der Innenstadt“, sagte Will. Wuchern könne Bad Lippspringe dabei mit seinen beiden Parkanlagen jeweils am Ende der Fußgängerzone. Ziel sei es, eine Art Outlet-Meile zu schaffen, wobei sich dazwischen auch ganz klassischer Einzelhandel wiederfinden könne. Als Zielvorstellung nannte der Planer Verkaufsflächen in der Größenordnung von 9000 Quadratmetern. Zurzeit stünden durch Leerstand aber nur rund 3000 Quadratmeter zur Verfügung. Insofern sei es erforderlich, auch bei den andere Immobilienbesitzern für das Vorhaben zu werben.

Bürgermeister Ulrich Lange (CDU)) betonte in der von Ex-Landrat Manfred Müller (CDU) moderierten Gesprächsrunde, dass man ausdrücklich nicht gegen die Mehrheit der Bürger entscheiden werde. „Wir werden alles vorbehaltlos prüfen und die Bürger in die Entscheidungsprozesse einbeziehen.“ Lange selbst sprach von einer riesigen Chance für Bad Lippspringe, betonte jedoch gleichzeitig: „Wir befinden uns noch nicht in den Startblöcken, sondern erst auf dem Weg dorthin.“

Eine Million Tagesbesucher

Als geistige Urheberin des Projekts gilt CDU-Ratsfrau Sylvia Schubert. Sie zeigte sich am Abend überzeugt, dass das City-Outlet Realität wird und peilt als Starttermin den 1. Juli 2023 an. Gespräche mit der Werbegemeinschaft und Immobilienbesitzern hätten zudem gezeigt, dass es große Rückendeckung für das Vorhaben gebe.

Als mögliche Knackpunkte nannte Gutachter Dr. Joachim Will eine ausreichende Anzahl an Park- und Verkaufsflächen. Es sei zudem ein schwieriger und steiniger Weg, der sich allerdings lohne. „Mir fällt ad hoc auch kein anderes Konzept für die Wiederbelebung einer Innenstadt ein.“ Als mögliche Besucherzahl nannte er eine Million Tagesbesucher im Jahr. Zum Vergleich: Bad Münstereifel zählt nach Angaben von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, die in einem aufgezeichneten Interview zu Wort kam, 2,5 Millionen Besucher jährlich. Sie bereue die Entscheidung eines City-Outlets zu keiner Sekunde. Einst 40 Prozent Leerstand, seien die Geschäfte in der Innenstadt nun voll ausgelastet.

Keine Sonntagsöffnung geplant

Ulrich Lange betonte, dass alle in der Stadt von einem City-Outlet profitieren könnten und nannte als Beispiel die Gastronomie, aber auch den klassischen Einzelhandel, der an der höheren Kundenfrequenz partizipieren würde. Er nahm auch die Kritik von Nachbarstädten wie etwa Paderborn auf und regte an, sich mit seinen Amtskollegen an einen Tisch zu setzen, um mögliche Synergieefekte auf den Weg zu bringen. „Wir werden vielleicht in manchen Punkten keine Einigkeit erzielen, aber mir ist daran gelegen, möglichst viele ins Boot zu holen.“

Was Genehmigungsverfahren angeht, sieht Planer Dr. Joachim Will keine hohen Hürden, da es vornehmlich nicht um Neubau und großflächige Verkaufsflächen, sondern um Nachnutzungen im Bestand gehe. Auch sei in einem City-Outlet von normalen Öffnungszeiten auszugehen und nannte werktags einen Zeitraum von 9 bis 19 Uhr. „Allerdings ist damit zu rechnen, dass samstags der Tag mit dem größten Ansturm sein wird. Da kann es dann natürlich nicht sein, dass nachmittags zu ist.“ Möglichen Sonntagsöffnungen erteilte er hingegen eine Absage, da dies bis auf einige verkaufsoffene Sonntage im Jahr kaum durchsetzbar sei.

Aufzeichnung und Analyse im Internet

Als nächstes sei es laut Ulrich Lange nun daran, die Gespräche mit den Immobilienbesitzern zu intensivieren und ein Verkehrskonzept auf den Weg zu bringen. „Da werden wir uns externe Hilfe suchen“, kündigte er an. Herausforderung sei es, Parkflächen zu schaffen, von denen aus die Stadt fußläufig zu erreichen sei. Einen Shuttle-Service wie bei der Landesgartenschau sieht Lange indes nicht, „höchstens in der Vorweihnachtszeit“.

Ist es anfangs die Stadt, die das Projekt koordiniert, soll ein mögliches City-Outlet in der Folge in die Hände einer Betreibergesellschaft übergeben werden, die für Marketing und Finanzierung zuständig ist. Dabei betonte Sylvia Schubert, dass sich alle Bad Lippspringer hieran finanziell beteiligen können. „Es ist ein Projekt von Bad Lippspringern für Bad Lippspringer“, sagte sie.

Die Aufzeichnung der ersten digitalen Bürgerversammlung, der weitere folgen sollen, wird in den nächsten Tagen auf der Homepage der Stadt Bad Lippspringe veröffentlicht (www.bad-lippspringe.de). Dort ist dann auch die Analyse von Dr. Joachim Will zum City-Outlet zu finden.

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