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Investorengruppe übernimmt Europas erste Inklusionsbrauerei

Josefs-Bier bald aus Bad Lippspringe

Bad Lippspringe

„Das darf doch nicht wahr sein!“ So lautete die erste Reaktion von Ralf Eckel, als er hörte, dass die Josefs-Brauerei in Bigge wohl schließen müsse. Gemeinsam mit Freunden stellte der 51-Jährige schnell sicher, dass Europas erste Inklusionsbrauerei bestehen bleibt. Ab Frühjahr kommenden Jahres wird das Josefs-Bier in Bad Lippspringe gebraut.

Uwe Hellberg

Freuen sich über den Fortbestand der Brauerei: (von links) Ralf Eckel, Braumeister Nils Gütthof, neuer Mitinhaber Guido Hentze und Gerhard Freund.

Seit mehr als 30 Jahren ist Ralf Eckel erfolgreich als Unternehmer tätig. In Bad Lippspringe führt er seit 20 Jahren die Firma Zaun-Kreisel. Als er mit Freunden, allesamt ebenfalls Unternehmer, über die Nachricht von der Josefs-Brauerei sprach, waren sich alle sofort einig: „Hier müssen wir etwas machen.“

Mit Guido Hentze, Andreas Spreier, Patric Danzer und Markus Kleineheismann gründete Eckel eine neue Besitzgesellschaft, die die Brauerei übernimmt und in Bad Lippspringe fortführt. In den Gesprächen mit der Josefs-Betreiberfirme Duplio waren sich alle Beteiligten schnell einig geworden. Auch für Ralf Eckel, der selbst einen behinderten Sohn hat, und Gerhard Freund, Geschäftsführer der Josefsheim gGmbH, war besonders wichtig, dass die Brauerei als Inklusionsbetrieb weiter besteht und die Beschäftigung der behinderten Mitarbeiter gewährleistet ist. Zum 1. Dezember werden alle übernommen. Eckel: „Es gab auch Großbrauereien, die Interesse an der Josefs-Brauerei hatten, denen aber nur am Produkt gelegen war.“

Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie und vor dem Hintergrund dringend anstehender Investitionen war es für die Josefs-Brauerei schwierig geworden. Gerhard Freund: „Wir hätten große Investitionen stemmen müssen.“ Da war die Investorengruppe aus Bad Lippspringe mit ihrem Angebot sehr willkommen.

Freund (54), seit April 2017 Geschäftsführer der Josefsheim gGmbH, lässt aber keinen Zweifel daran, dass die erste Inklusionsbrauerei Europas eine Erfolgsgeschichte ist. Im Jahr 2000 als erste behindertengerechte Firma zur Getränkeherstellung in Europa gestartet, bietet die Brauerei Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und produziert in Olsberg-Bigge im Sauerland vom Pils und Weizenbier bis zum Bock- und Dunkelbier eine große Produktpalette. Zu den alkoholfreien Angeboten gehört unter anderem auch eine isotonische Grapefruit-Zitrone-“Kraftbombe“. Gerhard Freund erklärt: „Im Durchschnitt haben wir einen Ausstoß von 11.000 Hektoliter an Getränken pro Jahr. 50 Prozent entfallen auf Bier, die andere Hälfte auf alkoholfreie Getränke.“

Freund, der selbst seit einigen Jahren in Bad Lippspringe wohnt, sagt: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Erfolgsgeschichte in Bad Lippspringe fortgeschrieben wird.“ Davon sind auch Ralf Eckel und seine Mitstreiter überzeugt. Schon in der kommenden Woche sollen im Industriegebiet am Vorderflöß Erdarbeiten für die Brauerei beginnen. „Mit der Fertigstellung rechnen wir für den Monat Mai. Dann kann es los gehen“, sagt der 51-jährige Unternehmer.

„In Bad Lippspringe könnte uns für das Brauereihandwerk staatlich anerkanntes Heilwasser zur Verfügung stehen“, sagt Eckel. „Wir führen bereits mit den kommunalen Behörden Gespräche zur Nutzung und sind sicher, dass Josefs-Bier expandieren und weiterhin ein fester Bestandteil des Bierhandwerks sein wird.“

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