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Martin Krewet (parteilos) bewirbt sich für die Linke um das Bürgermeisteramt

„Klimanotstand ist wichtiges Symbol“

Bad Lippspringe (WB). Martin Krewet, parteiloser Bürgermeisterkandidat für die Linke, will Bad Lippspringe grüner und sozialer machen. Wie er das konkret umsetzen will, erzählt er im Gespräch mit Redakteurin Maike Stahl während eines kleinen Stadtspaziergangs, der an der Auguste beginnt.

Martin Krewet tritt als parteiloser Bürgermeisterkandidat für die Linke an. Die Auguste ist für ihn ein Herzensprojekt. Foto: Oliver Schwabe

Warum liegt Ihnen die Auguste am Herzen und was würden Sie hier als erstes in Angriff nehmen?

Martin Krewet : Die Auguste ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Politik in Bad Lippspringe falsch gelaufen ist. Sie wurde vor etwa zehn Jahren vom MZG geräumt und an die Stadt verkauft. Die obere Denkmalbehörde in Münster wollte, dass die Gebäude unter Schutz gestellt werden. Bürgermeister und Verwaltung haben die Verhandlungen aber dermaßen in die Länge gezogen und die Gebäude nicht in Stand gehalten, dass wir jetzt einen sehr starken Verfall sehen. Das ist aus meiner Sicht einerseits Verschwendung von Steuermitteln und andererseits wurden die Bürger, die sich für den Erhalt engagiert haben und zu denen ich von Beginn an zähle, vor den Kopf gestoßen. Wir haben direkt eine Mehrfachnutzung vorgeschlagen. Doch weder wurde der MZG-Betriebskindergarten vor Ort belassen, noch andere Nutzungen ermöglicht, wie eine Zimmer-Vermietung an Studenten. Beides hätte zum Erhalt der Substanz beigetragen, aber das wurde sträflich vernachlässigt.

Aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern. Was muss für die Zukunft passieren?

Krewet : Ich hoffe mit Blick auf das öffentlich gemachte Investoren-Konzept, dass jetzt was kommt. Ich würde das ebenso wie Die Linke unterstützen. Es kommt natürlich auf die vertraglichen Details an, aber ich würde mich freuen, wenn das funktioniert.

Soll die Auguste um jeden Preis erhalten werden oder würden Sie da als Bürgermeister Einschränkungen machen?

Krewet : Ich verspreche nichts – sei es bezüglich der Auguste, des Feuerwehrgerätehauses, des Schwimmbades oder der Instandsetzung des Rathauses. Die Steuereinnahmen werden aufgrund der Corona-Krise erst einmal runtergehen. Deshalb muss man zunächst einen genauen Finanzplan machen und gucken, was in welcher Reihenfolge durchgeführt werden kann. Um jeden Preis kann es nichts geben, dafür gibt es zu viele Baustellen.

Bleiben wir bei der Haushaltssituation. Sie wollen Bad Lippspringe sozialer und grüner machen – auch das gibt es nicht zum Nulltarif. Wie bringen Sie das unter einen Hut?

Krewet : Das muss gar nicht immer teuer sein. Wir kommen gleich an der Wilhelmstraße vorbei. Das ist eine neu gebaute Straße, in der es keinen einzigen Baum gibt. Das gleiche finden wir in der Detmolder Straße zwischen Hauptkreuzung und Fußgängerampel. Das ist ein kleiner Aspekt des „grüner Seins“, den man leicht erreichen könnte. Die Bauordnung könnte so geändert werden, dass Häuser besser in Richtung Sonne ausgerichtet werden müssen und Solarenergie vorgeschrieben ist. Ein sehr wichtiger Punkt ist für mich auch das Ausrufen des Klimanotstandes. Es ist ein wichtiges Symbol, wenn bei allen Beschlüssen die Konsequenzen für das Klima beachtet werden müssen. Das Argument, das von der CDU und Ulrich Lange vorgebracht wird – dieses sei schlecht für das Image unseres Kurortes – bewerte ich anders. Man kann damit werben, dass wir alles dem Ziel unterordnen, auch in Jahrzehnten noch ein Kurort mit guter Luft zu sein.

Das relativ neue Dichterviertel, an dem wir gerade vorbeigehen, ist ein Beispiel dafür, was mir in puncto sozialere Stadt vorschwebt. Man hätte ein oder zwei Bauplätze für soziales Wohnen vorsehen müssen. Das gleiche gilt für das geplante Baugebiet an der Auguste. Soziales Wohnen muss gefördert und ausgebaut werden, aber so, dass es eine gute Durchmischung im Stadtgebiet gibt.

Außerdem liegt mir eine niedrigschwellige Anlaufstelle am Herzen für diejenigen, die Hilfe benötigen, denen sie auch zusteht, die aber an der Bürokratie scheitern. Allein die Tafel in Bad Lippspringe unterstützt derzeit 300 Menschen. Das ist sehr viel.

Wie sehen Sie die Zukunft der Fußgängerzone?

Krewet : Es gibt bereits eine Innenstadtmanagerin, die auch mit Vermietern redet und versucht, Ideen umzusetzen. Dieser Kampf darf nicht aufhören. Aber man kann natürlich auch im Kleinen einiges tun, über Reduzierung der Marktgebühren zum Beispiel oder eine Aufwertung des Stadtfestes.

Sind Sie zufrieden mit der Bildungssituation vor Ort?

Krewet : In dem Punkt möchte ich Andreas Bee loben. Dass es eine Gesamtschule gibt, ist sehr positiv. So haben die Lippspringer die Wahl zwischen einem guten Gymnasium in Paderborn oder der Gesamtschule vor Ort. Das ist mir sehr wichtig. Mein Ziel ist, dass mal gesagt wird: Die Schulen in Bad Lippspringe sind die besten im Kreis.

Wie wollen Sie die Bürger stärker mit einbeziehen?

Krewet : Bei wichtigen Themen, wie dem Freibad, muss die Öffentlichkeit viel früher beteiligt werden. Das muss mit den Bürgern gemeinsam erarbeitet werden. Mehr Transparenz und Information zu wichtigen Projekten ist enorm wichtig. Ein bisschen Widerstand und Diskussion gehören zur Demokratie, denn es gibt immer Alternativen und die müssen auch besprochen werden.

Wir gehen zum Marktplatz? Was stört Sie hier?

Krewet : Da ist viel Geld in die Renovierung eines Platzes gesteckt worden, der in keinster Weise genutzt wird, und den ich auch nicht als gelungen empfinde. Es muss überlegt werden, eventuell den Markt wieder dort anzusiedeln oder andere Ideen entwickelt werden. Auch da ist das Kind aber natürlich auch schon in den Brunnen gefallen. Doch bei aller Kritik an Bürgermeister Bee muss man auch bedenken, dass er immer eine Mehrheit hinter sich hatte. Ihn jetzt so scharf zu kritisieren, ist ein bisschen ungerecht. Hätte die Mehrheit mehr Transparenz gewollt, hätte sie auch das durchsetzen können.

Lesen sie hier auch die Gespräche mit den anderen Kandidaten:

Ulrich Lange (CDU)

Marcus Kleinemeyer (SPD)

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